Kategorie: Nahost

Real War and Fake News: Die Kämpfe um Mossul und Aleppo

(aktualisierte und erweiterte Fassung meiner gleichnamigen Vorträge auf dem IMI-Kongress („Krieg im Informationsraum“) am 18./19 November 2017 und auf dem bundesweiten Friedensratschlag am 2. Dez. 2017 in Kassel)

Eine stark gekürzte Version findet man im Friedensjournal 2018-1 eine Zusammenfasung auf den Thema-Seiten der jungen Welt v. 22.01.2018: Doppelmoral und Propaganda – Der Krieg und die Medien.

Den gesamten Text, inkl. einigen Bildern aus dem Vortrag, findet man hier (PDF) und einige der Folien aus dem Workshop hier (PDF)

Siehe auch das Interview zum Thema mit mir auf Sputnik, 26.11.2017

Inhalt
Fake News und andere Formen der Desinformation1

 

1 Fake News und andere Formen der Desinformation 1
1.1 Kriegslügen ‒ die verhängnisvollsten Fake News 2
1.2 Aleppo und Mossul: Beispiele für Doppelmoral und
Propaganda
2
2 Aleppo ‒„Inbegriff des Schreckens“ 3
2.1 Stimmungsmache gegen strategische Wende im
Syrien-Krieg
3
2.2 Nachrichtenhoheit der Dschihadisten 5
2.3 Professionelle PR-Arbeit 6
2.4 Propaganda durch Einseitigkeit, Aufbauschen und
Filtern
7
2.5 „Fakes“ in etablierten Medien 7
„Twitter-Mädchen“ Bana Alabed 8
Omran – der junge von Aleppo 9
„Aleppo Media Center“ ‒ zentrale Informationsquelle westlicher Medien 9
Die „Weißhelme“ ‒ das erfolgreichste PR-Unternehmen 10
Vorsätzliche Angriffe auf Krankenhäuser 12
Auch Einseitigkeit ist Propaganda 13
2.6 Das reale Kriegsgeschehen in Aleppo 13
3 Das Gegenstück: die „Befreiung Mossuls“ 14
3.1 Zerstörungen und zivile Opfer durch US-Allianz 15
3.2 Desinformation zu Mossul 15
4 US-Allianz: rücksichtsloser und verheerender 16
5 Fazit 17

„Fake News“ sind in letzter Zeit zum Top-Thema geworden, meist in Zusammenhang mit dem neuen US-Präsidenten Trump, „den Russen“ und den sogenannten „Sozialen Medien“. Die öffentlich-rechtlichen Medien und die großen Medienkonzerne reagieren mit der Gründung von Abteilungen für „Faktencheck“. Unter „Fake News“ werden dabei meist nur frei erfundene oder stark verfälschte Nachrichten, also Falschmeldungen oder Falschnachrichten im engeren Sinne verstanden, die politisch motiviert und gezielt auf Täuschung angelegt sind. Sie werden zudem nur in den sogenannten „Sozialen Medien“ verortet, sowie in den Nachrichtenportalen gegnerischer Staaten. Geht es nach dem politischen Mainstream, so könnte man „Fake News“ als die Falschmeldungen und Unwahrheiten definieren, die nicht von den etablierten Medien selbst verbreitet werden. Angesichts des Glaubwürdigkeitsverlusts, den sie in den letzten Jahren erlitten, sind ihre Einrichtungen zur Faktenprüfung daher auch ein Mittel, die Definitionshoheit darüber, welche Informationen noch innerhalb eines als seriös anerkannten Spektrums liegen, zu bewahren.

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Fake News in Propagandaschlacht um Ost-Aleppo und Mossul

Bei der Befreiung von Ost-Aleppo und Mossul hat der westliche Medien-Mainstream gezielt Fake News eingesetzt. Das stellt der Friedensaktivist Joachim Guilliard klar. Im Sputnik-Interview macht er auf die Interessen hinter der westlichen Medienpropaganda aufmerksam, die in Ost-Aleppo die Opfer benutzt und sie in Mossul ausgeblendet hat.
Die Berichte der deutschen Medien zeigten, dass diese sich mehr an den Interessen der herrschenden Kreise hierzulande orientieren als an dem tatsächlichen Geschehen, stellte Joachim Guilliard im Interview mit Sputnik klar. Beide Fälle haben nach seinen Worten gemeinsam: Ost-Aleppo in Syrien und Mossul im Irak waren in Händen dschihadistischer Kräfte, die sich in Brutalität und rückständiger Weltanschauung kaum unterschieden. Bei beiden habe die westliche Berichterstattung Fakten weggelassen und Fake News verbreitet.
(… weiter)

Syrien: Crowdfunding für den Regime Change

(erschien am 18.7.2017 auf Rubikon)

Unter dem Motto „Crowdfunding gegen Kriegsverbrecher“ sammeln seit Mitte Juni einige deutsche und syrische Gruppen im Internet Geldervermeintlich zur Finanzierung von Ermittlungen überKriegsverbrechen in Syrien.

Initiiert hat die Spendensammlung (1) die deutsche Gruppierung „Adopt a revolution“ (AaR), die sich seit 2012 bemüht, syrischen Regierungsgegnern über „Patenschaften“ finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen und hierzulande mit aufwendiger Medienarbeit für den Sturz der Assad-Regierung wirbt. Trotz mehrsprachigem Aufruf handelt es sich bei der Sammelaktion im Wesentlichen um eine deutsche Initiative, mitgetragen von der Frankfurter Hilfsorganisation Medico International und zwei Gruppen der syrischen Opposition ‒ das Syrian Center for Media and Freedom of Expression (SMC) und das Syrian Center For Legal Studies and Researches. Auch ein paar Prominente aus Deutschland unterstützen das Projekt, darunter der Schriftsteller Navid Kermani, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschuss des Bundestages Norbert Röttgen, der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Niels Annen, und die Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner von den Grünen (2).

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US-Angriff auf syrischen Luftwaffenstützpunkt – ein erneuter Schlag gegen das Völkerrecht und Friedensbemühungen

In der Nacht zum Freitag den 7. April haben die USA mit 59 »Tomahawk«-Raketen eine Militärbasis der Luftwaffe in Syrien angegriffen. Neben sechs Soldaten wurden nach syrischen Angaben auch neun Zivilisten getötet, darunter vier Kinder. Der direkte Eingriff in den Krieg in Syrien ist eindeutig eine Aggression gegen einen souveränen Staat, die auch nicht dadurch relativiert wird, dass die USA zusammen mit anderen NATO-Staaten bereits seit zweieinhalb Jahren einen völkerrechtswidrigen Luftkrieg über Syrien gegen den „Islamischen Staat“ führen. Die USA haben damit den Krieg in Syrien weiter eskaliert und die Konfrontation mit Russland gefährlich verschärft

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Giftgasangriff in Syrien: Erneut vorschnelle Urteile

Am Morgen des 4. April erfolgte ein erneuter Anschlag mit Giftgas, vermutlich Sarin, in Khan Scheikhun, einer Stadt in der Provinz Idlib, die von islamistischen, von al-Qaida-nahen Gruppen dominierten Milizverbänden kontrolliert wird. Westliche Politiker und Medien machten sofort die syrische Führung, „Assad“, verantwortlich, eine Wiederholung des Scenarios nach Giftgasangriff im August 2013 in Ghuta, der fast zum Nato-Krieg gegen Syrien geführt hätte.
Im folgenden dokumentiert ist ein Leserbrief der, jeweils etwas angepasst, an mehrere Zeitungen ging, sowie Quellenhinweise zum Giftgasangriff im August 2013 in Ghuta sowie Berichte und Kommentare zum aktuellen.

Update: Die Deutsche Welle brachte am 6.4.2017 einen Beitrag, der erstaunlich ausführlich die wesentlichen Fakten dokumentiert, die die Schuldzuweisung gegen die syrische Führung entkräften (s.u.)

Es ist erstaunlich. Wofür Experten Wochen benötigen, wissen Politiker und Medien binnen Stunden: der neue Giftgasangriff in Syrien wurde von der syrischen Armee ausgeführt. An der Schuld Assads bestünde kein Zweifel heißt es auch im Kommentar der RNZ. Belastbare Indizien dafür fand man bisher zwar nicht, doch man ist sich einig: es kann einfach niemand anderes gewesen sein, da die gegnerischen Milizen nicht über das vermutete Gift, Sarin, verfügen würden.

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NATO-nah und parteiisch ‒ die andere Seite von Amnesty International

Kritik an Amnesty International, wie mein Artikel Syrien: Stimmungsmache vor Friedensverhandlungen ‒ Massenexekution-Vorwürfe von Amnesty International ohne belastbare Beweise, führt stets zu vielen Reaktionen, die von Unverständnis bis Empörung darüber reichen, eine so verdienstlose Organisation anzugreifen. Für viele steht ihre Glaubwürdigkeit und auch die ihrer Aktionen außerhalb jeglicher Diskussion, sie gilt im Westen als überparteiische, moralische Instanz schlechthin.

Sie ist aber längst keine Vereinigung von Idealisten mehr, sondern eine einflussreiche international agierenden Firma, die intensiv Öffentlichkeits- und Medienarbeit betreibt.  Man muss daher ihre Berichte genauso kritisch beurteilen, wie die anderer Organisationen und Medien. Und sie muss ihre jeweilige Arbeit, wie jede andere Organisation, daran messen lassen, ob sie die Kriterien einer glaubwürdigen Berichterstattung erfüllt – insbesondere in Kriegszeiten, wo die Wahrheit bekanntlich zuerst stirbt (bzw. meist schon zuvor beseitigt wurde).

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Waffenexporte und Flüchtlinge

Das folgende ist die ungekürzte und mit Quellenangaben versehene Fassung meines Artikels in Ossietzky 5/2017
(»» hier als PDF-Dokument)

Wer Waffen verkauft, wird Flüchtlinge ernten. Deutsche Rüstungsexporte machen da keine Ausnahme. Wie Ende November 2016 bekannt wurde, hat der Bundessicherheitsrat erneut Rüstungsexporte in Krisengebiete in Milliardenhöhe genehmigt, darunter 41.000 Zünder für Artilleriemunition an Saudi-Arabien – Nachschub für den Krieg gegen Jemen. (Rüstungsexport: Deutsche Artilleriezünder für Saudi-Arabien, SPIEGEL ONLINE, 01.12.2016)

Nach den vorläufigen Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums für 2016 summieren sich die genehmigten deutschen Rüstungsgeschäfte mit Ländern des Nahen Ostens im Jahr 2016 erneut auf über 2,5 Milliarden Euro. Aus diesem geografisch begrenzten Gebiet, das im deutschen Sprachgebrauch die arabischen Länder Westasiens und Israel umfasst, kommt nahezu ein Drittel aller Flüchtlinge und Binnenvertriebenen. 2015 waren über 18 Millionen Menschen aus diesen Ländern auf der Flucht. Die Zahl ist 2016 infolge der fortgesetzten Kriege in Syrien, im Irak und im Jemen weiter gestiegen.

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