Kategorie: Irak

USA & Co. ohne Interesse an souveränem Irak – Durch Krieg gegen IS massiv zerstört

Interview von Tilo Gräser mit mir
Die Lage im Irak ist nach dem Krieg gegen den Islamischen Staat* trostloser als vorher. So schätzt es der Friedensaktivist Joachim Guilliard ein. Bei einem Vortrag am Samstag in Berlin hat er einen Überblick über die Lage im Land gegeben. Er kritisiert die westliche Politik, die aus seiner Sicht nur an einem schwachen Irak interessiert ist.

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Übrig bleiben Totenstädte ‒ Die verschleierte Brutalität des Krieges der US-Allianz in Syrien und Irak

Erweiterte und aktualisierte Fassung des Beitrags „Vernichtungskriege …“,  erschien leicht gekürzt und ohne Diagramme in junge Welt vom 15.01.2019, Seite 12 / Thema

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… Die unglaubliche Brutalität der westlichen Politik wird bequem versteckt, vernachlässigt oder vergessen.
… Eine koloniale Mentalität oder Denkweise, die an Rassismus grenzt.
 ( Regime Change: Not Iran Too!, Jan Oberg, TFF, 17.8.2018)

Seit mehr als vier Jahren führt eine von den USA angeführte Allianz aus NATO-Staaten, Australien und arabischen Monarchien in Syrien und im Irak Krieg, ohne dass dieser in der westlichen Öffentlichkeit als solcher wahrgenommen würde. In scharfem Gegensatz dazu wurde das russische Eingreifen an der Seite der syrischen Armee 2015 von Beginn an als brutaler Krieg gegen die gesamte Bevölkerung betroffener Gebiete angeprangert. Dabei standen die unter den Gegnern dominierenden dschihadistischen Gruppen dem »Islamischen Staat« (IS oder arabisch despektierlich »Daesch« abgekürzt), gegen den sich der Krieg der US-Allianz offiziell richtet, an Brutalität und rückständiger Ideologie kaum nach. „Übrig bleiben Totenstädte ‒ Die verschleierte Brutalität des Krieges der US-Allianz in Syrien und Irak“ weiterlesen

Mossul ein Jahr nach der „Befreiung“ ‒ 90.000 Tote durch US-Allianz

Einer repräsentativen Umfrage vor Ort zufolge, wurde jeder neunte männliche Bewohner und jede fünfzehnte weibliche Bewohnerin beim Sturm der Stadt durch die US-geführte Allianz getötet. Das Ignorieren zigtausender Toten, hunderttausender vertriebener Bürger und traumatisierter Kindern ist ein Skandal.
(erschien leicht gekürzt in Ossietzky 18/2018, 15.9.2018 , hier als PDF)

Ein Jahr nachdem die letzten Viertel Mossuls aus den Händen des »Islamischen Staates« (IS oder arab. Daesch) zurückerobert wurden, liegt ein Großteil der einstigen Metropole noch in Trümmern.

In West-Mossul graben Freiwillige immer noch in den Ruinen und Schutthaufen nach den sterblichen Überresten derer, die den Sturm auf ihre Stadt nicht überlebten. Mehr als 5200 Leichen wurden in den letzten Monaten allein aus den Überresten der historischen Altstadt der Stadt geborgen, wo nur wenige Gebäude das Bombardement überstanden hatten. Der größte Teil der Opfer des monatelangen erbitterten Kampfes um die westlich des Tigris liegenden Viertel dürfte aber auf Dauer verschüttet bleiben. (Over 5,200 bodies retrieved in old city of Iraq’s Mosul, Xinhua, 6.7.2018)

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Mossul in Ruinen ‒ Konflikte verschärft

erschien leicht gekürzt in Ossietzky 18 / 2017, September 2017

„Sie schufen eine Wüste und nannten es Frieden“ – an das berühmte Zitat eines Gegners des römischen Imperiums erinnert die Washington Post in ihrer Bilanz des Sturms auf Mossul (Before and after images reveal the huge destruction in Mosul, WP, 20.7.2017). US-Kommandeure bezeichnen die neun Monate lange Schlacht, in der die Millionen-Stadt der Kontrolle des „Islamischen Staats“ (IS oder arab. Daesch) entrissen wurde, als eine der tödlichsten seit dem Zweiten Weltkrieg.
Die Tage seines großspurig ausgerufenen Kalifats sind damit gezählt, der Krieg im Irak ist damit jedoch noch lange nicht zu Ende ‒ die Konflikte im Land haben sich im Zuge des brutalen Feldzuges gegen ihn noch weiter verschärft.

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Befreiung um jeden Preis – Der Irak nach der verheerenden Schlacht um Mossul

erschien leicht gekürzt in Ossietzky, 15/2017, August 2017

„Wenn man ein einzelnes Word sucht, um die US-Kriegführung der letzten eineinhalb Dekaden zusammenzufassen, würde ich Trümmer vorschlagen.“
Tom Engelhardt, Empire of Destruction – Precision Warfare? Don’t Make Me Laugh, TomDispatch, 20.7.2017

Neun Monate nach Beginn der Offensive auf Mossul, erklärte der irakische Premier Haider al-Abadi die Stadt vom „Islamischen Staat“ (IS oder arab. Daesch) befreit. Auch das Auswärtige Amt feierte dies in seiner Erklärung vom 11. Juli als „großer Erfolg für die irakische Armee, unterstützt durch die globale Anti-IS-Koalition, an der auch Deutschland beteiligt ist.“ Jetzt komme es darauf an, „die Region schnellstmöglich zu stabilisieren, um den Menschen wieder eine Lebensgrundlage vor Ort bieten zu können.“ Deutschland stehe dabei „fest an der Seite der irakischen Bevölkerung.“ Die eineinhalb Millionen Menschen aus Mossul sind davon jedoch offensichtlich ausgeschlossen. Im Unterschied zu den siegreichen Truppen haben die Einwohner der einstigen Metropole keinen Grund zu feiern.

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Um jeden Preis: Das Massaker von Mossul

Die siegreichen Truppen feiern, die Einwohner der einstigen irakischen Metropole nicht: Die Rückeroberung war Teil eines Vernichtungsfeldzuges
Joachim Guilliard, junge Welt, 31.07.2017, Schwerpunkt Seite 3

Neun Monate nach Beginn der Offensive auf Mossul erklärte der irakische Premier Haider Al-Abadi am 10. Juli die Stadt für vom „Islamischen Staat“ (IS oder arabisch Daesch) befreit. Die Kämpfe mit einzelnen Widerstandsnestern sind jedoch noch lange nicht zu Ende. Dschihadistenzellen operieren offensichtlich noch im gesamten Stadtgebiet.[1] Auch zwei Wochen nach Abadis Siegesmeldung saßen noch 250 Familien aufgrund anhaltender Gefechte in der Altstadt fest.[2]

Im Unterschied zu den siegreichen Truppen haben die Einwohner der zweitgrößten Stadt Iraks keinen Grund zu feiern. Die einstige Metropole liegt, wie Luftaufnahmen zeigen, nach der größten und verheerendsten Schlacht seit der US-Invasion 2003 in Ruinen.[3] Bis zu 80 Prozent der westlich des Tigris gelegenen Viertel sind verwüstet.[4] Alle fünf Brücken über den Fluss sind zertrümmert, der zentrale Krankenhauskomplex ist ausgebrannt, Strom- und Wasserversorgung wurden vollständig zerstört.[5]

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