Kategorie: Irak

Mossul ein Jahr nach der „Befreiung“ ‒ 90.000 Tote durch Angriff der US-geführten Allianz

Einer repräsentativen Umfrage vor Ort zufolge, wurde jeder neunte männliche Bewohner und jede fünfzehnte weibliche Bewohnerin beim Sturm der Stadt durch die US-geführte Allianz getötet. Das Ignorieren zigtausender Toten, hunderttausender vertriebener Bürger und traumatisierter Kindern ist ein Skandal.

(erschien leicht gekürzt in Ossietzky 18/2018, 15.9.2018 , hier als PDF)

Ein Jahr nachdem die letzten Viertel Mossuls aus den Händen des »Islamischen Staates« (IS oder arab. Daesch) zurückerobert wurden, liegt ein Großteil der einstigen Metropole noch in Trümmern.
In West-Mossul graben Freiwillige immer noch in den Ruinen und Schutthaufen nach den sterblichen Überresten derer, die den Sturm auf ihre Stadt nicht überlebten. Mehr als 5200 Leichen wurden in den letzten Monaten allein aus den Überresten der historischen Altstadt der Stadt geborgen, wo nur wenige Gebäude das Bombardement überstanden hatten. Der größte Teil der Opfer des monatelangen erbitterten Kampfes um die westlich des Tigris liegenden Viertel dürfte aber auf Dauer verschüttet bleiben.

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Mossul in Ruinen ‒ Konflikte verschärft

erschien leicht gekürzt in Ossietzky 18 / 2017, September 2017

„Sie schufen eine Wüste und nannten es Frieden“ – an das berühmte Zitat eines Gegners des römischen Imperiums erinnert die Washington Post in ihrer Bilanz des Sturms auf Mossul (Before and after images reveal the huge destruction in Mosul, WP, 20.7.2017). US-Kommandeure bezeichnen die neun Monate lange Schlacht, in der die Millionen-Stadt der Kontrolle des „Islamischen Staats“ (IS oder arab. Daesch) entrissen wurde, als eine der tödlichsten seit dem Zweiten Weltkrieg.
Die Tage seines großspurig ausgerufenen Kalifats sind damit gezählt, der Krieg im Irak ist damit jedoch noch lange nicht zu Ende ‒ die Konflikte im Land haben sich im Zuge des brutalen Feldzuges gegen ihn noch weiter verschärft.

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Befreiung um jeden Preis – Der Irak nach der verheerenden Schlacht um Mossul

erschien leicht gekürzt in Ossietzky, 15/2017, August 2017

„Wenn man ein einzelnes Word sucht, um die US-Kriegführung der letzten eineinhalb Dekaden zusammenzufassen, würde ich Trümmer vorschlagen.“
Tom Engelhardt, Empire of Destruction – Precision Warfare? Don’t Make Me Laugh, TomDispatch, 20.7.2017

Neun Monate nach Beginn der Offensive auf Mossul, erklärte der irakische Premier Haider al-Abadi die Stadt vom „Islamischen Staat“ (IS oder arab. Daesch) befreit. Auch das Auswärtige Amt feierte dies in seiner Erklärung vom 11. Juli als „großer Erfolg für die irakische Armee, unterstützt durch die globale Anti-IS-Koalition, an der auch Deutschland beteiligt ist.“ Jetzt komme es darauf an, „die Region schnellstmöglich zu stabilisieren, um den Menschen wieder eine Lebensgrundlage vor Ort bieten zu können.“ Deutschland stehe dabei „fest an der Seite der irakischen Bevölkerung.“ Die eineinhalb Millionen Menschen aus Mossul sind davon jedoch offensichtlich ausgeschlossen. Im Unterschied zu den siegreichen Truppen haben die Einwohner der einstigen Metropole keinen Grund zu feiern.

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Um jeden Preis: Das Massaker von Mossul

Die siegreichen Truppen feiern, die Einwohner der einstigen irakischen Metropole nicht: Die Rückeroberung war Teil eines Vernichtungsfeldzuges
Joachim Guilliard, junge Welt, 31.07.2017, Schwerpunkt Seite 3

Neun Monate nach Beginn der Offensive auf Mossul erklärte der irakische Premier Haider Al-Abadi am 10. Juli die Stadt für vom „Islamischen Staat“ (IS oder arabisch Daesch) befreit. Die Kämpfe mit einzelnen Widerstandsnestern sind jedoch noch lange nicht zu Ende. Dschihadistenzellen operieren offensichtlich noch im gesamten Stadtgebiet.[1] Auch zwei Wochen nach Abadis Siegesmeldung saßen noch 250 Familien aufgrund anhaltender Gefechte in der Altstadt fest.[2]

Im Unterschied zu den siegreichen Truppen haben die Einwohner der zweitgrößten Stadt Iraks keinen Grund zu feiern. Die einstige Metropole liegt, wie Luftaufnahmen zeigen, nach der größten und verheerendsten Schlacht seit der US-Invasion 2003 in Ruinen.[3] Bis zu 80 Prozent der westlich des Tigris gelegenen Viertel sind verwüstet.[4] Alle fünf Brücken über den Fluss sind zertrümmert, der zentrale Krankenhauskomplex ist ausgebrannt, Strom- und Wasserversorgung wurden vollständig zerstört.[5]

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Studie: Die Schlacht um Mossul – Der Irak zerrissen durch den Krieg gegen den „Islamischen Staat“, interne Konflikte und äußere Intervention

Studie_Irak
IMI-Studie 2017/11b
Die Schlacht um Mossul

Der Irak zerrissen durch den Krieg gegen den „Islamischen Staat“, interne Konflikte und äußere Intervention
von: Joachim Guilliard | Veröffentlicht am: 3. Juli 2017, aktualisiert am 9. August 2017

Hier die ganze Studie zum Download (PDF)

Das lange dominierende Thema in Bezug auf den Irak war die seit dem 17. Oktober 2016 stattfindende „Schlacht um Mossul“ – und das völlig zu Recht. Allerdings weniger, weil hier, wie es oft heißt, eine Entscheidungsschlacht gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ geschlagen wird, sondern weil sich im Kampf um die zweitgrößte Stadt Iraks zentrale Probleme und Konflikte des geschundenen Landes wie in einem Brennglas bündeln.

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Mossul ‒ einer Millionenstadt droht die vollständige Zerstörung

erscheint leicht gekürzt in der vom Informationsprojekt Naher und Mittlerer Osten herausgegebenen Vierteljahresschrift INAMO, Heft 89

Update: Unten wurden Hinweise auf einen aktuellen Beitrag von und ein Interview mit Jürgen Todenhöfer, ein Artikel von german-foreign-policy.com und einen Bericht von Amnesty International zur katastophalen Entwicklung in Mossul aufgenommen.

Nachdem die Allianz aus irakischer Armee, kurdischen Peschmergas und schiitischer Milizen, unterstützt durch massive Luftangriffe einer US-geführten Koalition, Ende Januar den Ostteil Mossuls weitgehend unter Kontrolle gebracht hatte, begann sie am 19. Februar mit der Offensive zur Vertreibung der dschihadistischen Miliz „Islamischer Staat“ (IS oder arab. Daesch) aus dem Westteil der nordirakischen Metropole. Die Regierung in Bagdad spricht von der „entscheidenden Schlacht“. Sie ist jedenfalls die größte seit der Invasion 2003 und ‒ so steht zu befürchten ‒ auch die verheerendste.

War während der Offensive der syrischen Armee zur Befreiung Ost-Aleppos von islamistischen Milizen, die den Stadtteil seit Sommer 2012 besetzt hielten und mehrheitlich dem Daesch bezüglich Ideologie und Brutalität wenig nachstehen, die Situation der verbliebenen Bevölkerung bestimmendes Thema in den Medien, spielte das Schicksal der in der zweitgrößten Stadt Iraks eingeschlossenen Menschen faktisch keine Rolle.

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