Massenproteste im Iran: Anmerkungen zu einer Erklärung von Friedensorganisationen

In einer gemeinsamen Erklärung (s.u.) verurteilen die IPPNW, das Netzwerk Friedenskooperative, die DFG-VK und Ohne Rüstung Leben „die exzessive Gewalt der iranischen Regierung gegen die Protestierenden“, ohne auf die von Regimegegnern ausgehende Gewalt, die westliche Einmischung und den Wirtschaftskrieg gegen das Land einzugehen. Dabei hat die massive Verschlechterung der Lebensbedinungen infolge der Verschärfung des Embargos durch Trump und die EU im Laufe des letzten Jahres, die Proteste angefacht.
Anbei meine kritischen Anmerkungen, die ich in einer Mail über einen IPPNW-Verteiler sandte.

Update: Die Erklärung der Bundesvereinigung VVN-BdA ist noch einseitiger und schräger. Hier wird allen Ernstes die deutsche Regierung aufgefordert, „den Druck auf die Machthaber in Teheran erhöhen.“

Die erste Frage, die sich mir stellte, war, was treibt eigentlich die IPPNW, Netzwerk Friedenskooperative und  DFG-VK mal wieder an, eine Erklärung zu den inneren Geschehnissen eines fremden Landes abzugeben? Zu einem vom eigenen Land und seinen Verbündeten belagerten und angegriffenen Land und auf Basis ungesicherter Quellen und aus dem grob einseitigen Blickwinkel hiesiger Politik, Mainstreammedien und pro-westlicher iranischer Regimegegnern. Sollten Friedensorganisationen sich nicht zuerst um die unheilvolle Politik der eigenen Regierung kümmern?

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„Hände weg von Venezuela!“ – Rede 12.01.2026

Redebeitrag auf der Kundgebung am 12.01.2026 in HeidelbergHände weg von Venezuela! Nein zu den völkerrechtswidrigen Aggressionen der USA

Mit der neuen militärischen Aggression, mit der die USA das neue Jahr einleiteten, dem Überfall auf Venezuela am 3. Januar, schockierte das Trump-Regime erneut den Rest der Welt und löste weltweit Wut und Empörung aus – mit Ausnahme bei ihren europäischen Kumpanen natürlich. Rund 150 Flugzeuge donnerten über Caracas und drei Bundesstaaten und bombardierten das Land mit äußerster Heftigkeit und stürzten die Hauptstadt in völlige Dunkelheit. Über 100 Menschen wurden dabei getötet.

Wir verurteilen diesen brutalen Überfall auf das seit langem belagerte Land und die Verschleppung seines Präsidenten aufs Schärfste. Es war ein Akt nackter imperialistischer Gewalt. Er wurde begleitet mit absurden Vorwürfen von Trump und offen geäußerten räuberischen Absichten, vor allem den Wunsch auf vollen Zugriff auf die venezolanischen Erdölverkommen, den aktuell größten der Welt. Dieses Streben ist, wie im Fall des Überfalls und der Zerstörung des Iraks, ein Rückfall in den finstersten Kolonialismus.

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Iran: Destabilisieren durch Strangulieren

Anmerkungen zur neuen Protestwelle im Iran

Erschien komprimiert als Kommentar in der UZ vom 9. Januar 2026
Siehe dazu auch meinen Artikel vom 26. Dezember 2025, Iran nach dem Zwölf-Tage-Krieg

Meine Anmerkungen wurden von Fausto Giudice und Hamid Beheschti dankenswerter Weise ins Englische, Französische, Spanische und Persische übersetzt und auf Tlaxcala, dem internationalen Netzwerk für sprachliche Vielfalt, veröffentlicht:

Die starke Welle des Protests, die sich Ende 2025 im Iran gegen die wirtschaftliche Misere ausbreitete, kam nicht überraschend. Die im Lauf des Jahres immer weiter verschärften Wirtschaftsblockaden und die direkte militärische Aggression Israels und der USA im Juni, haben die wirtschaftlichen Probleme des Landes erheblich verschärft. Das Embargo, mit dem der Iran konfrontiert ist, ist ähnlich umfassend und brutal wie das gegen Kuba.

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Iran nach dem Zwölf-Tage-Krieg

Die Islamische Republik baut Verteidigung und Zusammenarbeit mit China und Russland aus. Die Gefahr eines erneuten Krieges bleibt hoch. Berlin und EU mitverantwortlich.

Aktualisierte und erweiterte Fassung meines Artikels in der UZ vom 26. Dezember 2025, inklusive aller Links zu den Quellen.
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Update: Siehe auch meine Anmerkungen zur neuen Protestwelle im Iran Iran: Destabilisieren durch Strangulieren

In der Nacht zum 13. Juni wurde aus jahrzehntelanger Bedrohung ernst: Israel begann mit militärischer Unterstützung der USA einen offenen Krieg gegen den Iran. Zehn Tage später stiegen die USA mit Angriffen eigener Bomber direkt in diesen ein ‒ heimtückisch, noch während Verhandlungen mit der Islamischen Republik liefen. Von den EU-Staaten kam volle Rückendeckung für den verbrecherischen Überfall. Durch die Aktivierung des sogenannten Snap back-Mechanismus des Wiener Atomabkommens mit dem Iran verschärften sie auch noch den Wirtschaftskrieg gegen das Land.
Auch wenn die militärischen Aggressionen und Wirtschaftsblockaden massive Schäden verursachen, erweist sich das Land recht widerstandsfähig und kann auf wachsende Unterstützung aus dem Globalen Süden bauen.

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Wirtschaftsblockaden und die Entwicklung einer multipolaren Welt – IALANA-Tagung

Mein Vortrag auf der IALANA-Tagung, „‘Wirtschaftssanktionen‘ und Globaler Süden – Rechtliche, politische und humanitäre Dimensionen von einseitigen Zwangsmaßnahmen“ am 15.11.2025 im Übersee-Museum Bremen

Im Folgenden werde ich versuchen, das, was ich in meiner Studie „Arsenal des Faustrechts: Wirtschaftsblockaden, Menschenrechte und der Widerstand des Südens“ zum Thema ausführe, zusammenzufassen.[1]

Die Auseinandersetzung um die westliche Sanktionspolitik wird schon seit Jahrzehnten geführt. Die Linien verlaufen zwischen dem politischen Westen und dem Großteil der übrigen Welt. In erster Linie geht es dabei um umfassende Wirtschaftssanktionen bzw.  -blockaden, die eigenmächtig von den USA und ihren europäischen Verbündeten verhängt werden. Die Legitimität dieser unilateralen Zwangsmaßnahmen, wie sie in der UNO bezeichnet werden, wird von vielen grundsätzlich in Frage gestellt: zum einen wegen ihrer gravierenden, durchaus auch tödlichen humanitären Auswirkungen, die massive Verstöße gegen elementare Menschenrechte darstellen.

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Wirtschaftssanktionen und internationale Solidarität – Friedensratschlag Kassel 2025

Redemanuskript meines zusammen mit Wiebke Diehl gehalten Workshops beim 32. bundesweiter Friedensratschlag in Kassel am 8.11.25 

Wirtschaftssanktionen sind in den letzten Jahren erfreulicherweise stärker in den Blick gerückt. Da sie eine zentrale Rolle in den internationalen Konflikten spielen, auch dieses Jahr auf dem Ratschlag. Dabei geht es in erster Linie um eigenmächtig verhängte, d.h. nicht von Institutionen wie dem UN-SR, die allein von allen Staaten als dazu legitimiert angesehen werden.

Inhalt

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Völkerrechtsnihilismus – Zum lange geplanten Krieg gegen den Iran

Ungekürte Version meines Kommentars in Unsere Zeit vom 11. Juli 2025 

Am 12 Juni begann Israel seinen offenen Krieg gegen den Iran. Eingeleitet wurde er aber schon Anfang Dezember letzten Jahres. Nach der Machtübernahme dschihadistischer Milizen in Syrien zerstörte die israelische Luftwaffe in massiven Angriffswellen die militärischen Kapazitäten Syriens nahezu vollständig und ebnete so auch den Weg für Angriffe auf den Iran. Diese erfolgten zweifelsohne mit Unterstützung der USA, die den Luftraum über den Irak kontrollieren und deren Tankflugzeuge überm Irak allein die Rückkehr der israelischen Bomber ermöglichen konnten. Schließlich ließ US Präsident Trump die USA mit Angriffen eigener Bomber direkt in den Krieg einsteigen ‒ heimtückisch, noch während Verhandlungen mit dem Iran liefen.

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Es reicht ‒ deutsche Komplizenschaft bei Völkerrechtsverbrechen muss beendet werden!

Einleitung bei der überregionalen Demo am 5.07.2025 in Heidelberg: Gaza: Massaker, Aushungern, Vertreibung stoppen!

Anlass für die heutige Demonstration war vor allem die absolut unerträgliche Situation im Gazastreifen, diesem Völkermord vor aller Augen. Selbstverständlich richtet sich sie auch gegen die Gewalt im Westjordanland, den Landraub, die Vertreibung dort. Und schließlich protestieren wir heute auch gegen die israelischen Kriege gegen die Nachbarländer.

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„Wider die Spaltung Europas“ ‒ Einleitung der Konferenz am 22. Juni in Heidelberg

Einleitung bei der Konferenz „Wider die Spaltung Europas  ‒ Wege vom Feindbild Russland zur friedlichen Koexistenz“ mit dem Historiker Prof. Wolfram Wette und dem ehemaligen UN-Diplomaten Michael von der Schulenburg am 22. Juni 2025 in Heidelberg

Unsere Friedenskonferenz heute findet am Jahrestag des Beginns des Vernichtungskrieges des faschistischen Deutschlands gegen die Sowjetunion statt. Mit Auszügen aus der Rede von Erhard Eppler zum 75. Jahrestag des Überfalls wollen wir daran erinnern. Während er hier weitgehend ignoriert wird, ist der 22.Juni 1941 in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion unvergessen. Denn es gibt wohl keine Familie, die keine Tote und Verschleppte in diesem völkermörderischen Krieg keine Tote und Verschleppten zu beklagen hat.

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Rede zum 80. Jahrestag der Befreiung

auf der Demonstration „1945-2025: 80 Jahre Befreiung vom NS-Faschismus – Der 8. Mai muss Feiertag werden!“ am Sa. 10. Mai 2025 in Heidelberg

80 Jahre nach der Befreiung Europas von der Schreckensherrschaft des deutschen Faschismus wollen wir heute ihren ungeheuren Opfern gedenken und unseren Forderungen nach einer Welt des Friedens und der Freiheit ohne Ausgrenzung und Menschenverachtung Nachdruck verleihen. Der 8. oder 9.Mai wird in ganz Europa als Tag der Befreiung gefeiert, nur in der Bundesrepublik Deutschland gibt es noch sehr viele, die ihn als Tag der Niederlage begreifen. Wir sollten uns von pflichtschuldigen offiziellen Gedenkfeiern nicht täuschen lassen. Bis heute konnte der 8. Mai als gesetzlicher arbeitsfreier Feiertag nicht durchgesetzt werden.

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