Der hybride Krieg gegen Iran

Der folgende Text ist eine Zusammenführung und Aktualisierung mehrer Inputs in verschiedenen Workshops Ende Januar bis Mitte Februar

12 Tage-Krieg mit Rückendeckung aus der EU

Trump hat im Februar 2025, gleich nach seinem erneuten Amtsantritt, die aggressive Politik gegen den Iran sofort weiter verschärft. Gleichzeitig gab er auch schon Netanyahu grünes Licht für einen militärischen Angriff auf die Islamische Republik. [1] Sie hielten dies aber geheim und haben die iranische Führung glauben gemacht, dass während ihren Verhandlungen mit Washington kein Angriff erfolgen würde.

Die Überrumpelung durch Angriffe vor einer neuen Verhandlungsrunde ist dann auch gut gelungen.

Die EU-Staaten und Großbritannien haben als Rückendeckung für die passende Begleitmusik gesorgt. Ungeachtet eines in der Luft liegenden israelischen Krieges gegen den Iran, drängten sie Anfang Juni auf die Verurteilung des Irans durch die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO).

Mit Erfolg: am 12. Juni verabschiedete deren Gouverneursrat eine Resolution, die den friedlichen Charakter des iranischen Atomprogramms weitgehend faktenfrei in Zweifel zog und dem Iran eine Gefährdung des Weltfriedens vorwarf. Dies war eine Steilvorlage für Israel, das schon am Tag darauf den Krieg begann. Zehn Tage später stiegen die USA mit Angriffen eigener Bomber direkt in diesen ein ‒ heimtückisch, noch während Verhandlungen mit der Islamischen Republik. (s. meinen Artikel Iran nach dem Zwölf-Tage-Krieg)

Die heftigen, zwölftägigen Luftangriffe führten zu massiven Zerstörungen, nicht nur von militärischen Einrichtungen und Nuklearanlagen, sondern auch ziviler Infrastruktur und forderte über 1.000 Opfer.

Der Iran konnte nach Ausschaltung seiner Luftabwehr in den angegriffenen Gebieten, z.T. durch israelische Agenten von iranischem Boden aus, den Luftangriffen wenig entgegensetzen, schlug allerdings massiv zurück und das – für viele, insbesondere für die Israelis – überraschend effektiv. Eine erhebliche Zahl iranischer Raketen konnte die von US-amerikanischen und britischen Streitkräften in der Region unterstützte Luftabwehr Israels durchbrechen und empfindliche Treffer auf bedeutende militärische Ziele und den Mossad landen. Auch eine US-Basis in Katar wurden getroffen, wenn auch mehr von Warnschüssen.

Deutschland, Frankreich und Großbritannien verschärfen Wirtschaftskrieg

Anschließend verschärften die Regierungen Deutschlands , Frankreichs und Großbritanniens, die als Vertreter der EU 2015 das Wiener Atomabkommen unterzeichnet haben (die E3), ihrerseits den Wirtschaftskrieg, indem sie die eigenen Restriktionen und die Sanktionen des UN-Sicherheitsrates (UNSR) wieder aktivierten, die mit dem Abkommen außer Kraft gesetzt worden waren. Sie lösten dazu den sogenannten „Snapback-Mechanismus“ aus, der die UNSR-Sanktionen automatisch reaktivieren kann, wenn Vertragsparteien dem Iran Verstöße gegen seine Verpflichtungen vorwerfen. China und Russland wandten sich dagegen und bestreiten die Anwendbarkeit des „Snapback“, nachdem mit den USA eine Vertragspartei sich vollständig seiner Verpflichtungen entledigt hat.

Die iranische Wirtschaft, der Kurs der iranischen Währung und die Kaufkraft die schon nach Trumps Verschärfungen der Blockaden und dem Krieg stark eingebrochen waren, gingen noch mal drastisch nach unten. Die Inflation, die schon auf 40% gestiegen war, schnellte auf 50%

„Sanktionen wirken“ – wirtschaftliche Notlage triggert Proteste

Das war die Lage als Ende Dezember der Währungskurs noch einmal drastisch abstürzte, offenbar durch gezielte Manipulation. [2] Der Verdacht lag von Anfang nahe, mittlerweile hat US-Finanzminister Scott Bessent aber selbst damit geprahlt, dass die USA eine Dollarknappheit im Iran herbeigeführt haben, um den Rial ins Trudeln zu bringen und Proteste auf den Straßen auszulösen. „Es hat funktioniert, denn im Dezember brach ihre Wirtschaft zusammen. Wir haben gesehen, wie eine große Bank unterging. Die Zentralbank hat begonnen, Geld zu drucken. Es herrscht Dollar-Knappheit. Sie sind nicht in der Lage, Importe zu tätigen, und deshalb sind die Menschen auf die Straße gegangen”, fasste Bessent am 20. Januar den Erfolg ihres ökonomischen Anschlags zusammen.

Die iranische Regierung konnte einen derart rapiden Absturz nicht wie sonst einigermaßen abfedern. Die Händler verloren die Grundlage für rentable Geschäfte, schlossen ihre Geschäfte und gingen auf die Straße. Studenten und andere Teile der Bevölkerung schlossen sich an.

Der deutsche Außenminister Wadephul reklamierte auch einen Teil des Erfolgs für die „E3“ und die Wiederaufnahme der EU Sanktionen: „Das heißt: Sanktionen wirken und auf diesem Weg sollten wir ⁠weiter vorangehen.” ‍ Er gab damit zu, dass die Wirtschaftssanktionen, die die EU mittlerweile fast so häufig wie die USA verhängen, keineswegs sich nur gegen das jeweilige „Regime“ richten, sondern die Bevölkerung in solche Nöte bringen sollen, dass es zum Aufruhr kommt.

Es gibt keine spezifische Schätzung, wie viele Todesopfer der Wirtschaftskrieg gegen den Iran schon forderte. Aber mit Sicherheit umfassen sie jährlich einen signifikanten Teil der halben Million Menschen, die gemäß einer Studie im britischen Fachjournal The Lancet pro Jahr weltweit durch Wirtschaftssanktionen ums Leben kommen.

Auch wenn die westlichen Medien einen anderen Eindruck zu vermitteln suchen, zielten die Proteste nicht auf einen Umsturz, sondern richten sich überwiegend gegen Inflation, unsichere Arbeitsverhältnisse, prekäre Lebensbedingungen und die unzureichenden Maßnahmen der Regierung dagegen. Diese reagierte zurückhaltend,[3] erklärte die Forderungen für berechtigt, sucht den Dialog und machte erste Zugeständnisse, wie Steuernachlässe für Händler und höhere Subventionen.[4] Präsident Massud Peseschkian räumte aber auch ein, dass der Regierung aktuell die Mittel zur Lösung der Wirtschaftskrise fehlen.[5] (s.a. meinen Beitrag Iran: Destabilisieren durch Strangulieren)

Bewaffnete Gruppen eskalieren Gewalt

Die Protestaktionen wurden jedoch nach einigen Tagen durch bewaffnete Gruppen gekapert, die sie gewaltsam eskalierten. Hierzulande sah man davon nichts, aber arabische Medien zeigten in ausführlichen Videos, wie regierungsfeindlicher Banden öffentliche Lynchmorde an unbewaffneten Wachleuten, Brandanschläge auf städtische Gebäude, Moscheen, Marktplätze und Feuerwachen verüben oder wie aus hinteren Reihen auf iranische Einsatzkräfte geschossen wird, die das Feuer prompt erwidern. Die iranischen Sicherheitskräfte reagierten auf die Angriffe mit entsprechender Härte. Sie gingen, nicht zu Unrecht, von massiver ausländischer Einmischung aus, was die Gefahr für alle Protestierende erhöhte, ins Visier zu geraten.

CIA und Mossad hatten bis zu 40.000 Satellitenmodems für Starlink von SpaceX ins Land geschmuggelt, die den Aufständischen bei der vorhersehbaren Abschaltung des Internets mit ihnen und untereinander ermöglichen sollte. SpaceX-Chef Elon Musk soll Berichten zufolge die kostenlose Nutzung ermöglicht haben. Allerdings gelang es iranischen Behörden auch diese Verbindungen mit Hilfe russischer und chinesischer Technologie durch elektronische Störung zu kappen. [6]

Die angerichteten Schäden sind immens, allein in Teheran betragen sie zig Millionen Dollar. In der Stadt Mashhad setzten am 9. Januar regierungsfeindliche Banden Feuerwachen in Brand in denen Feuerwehrleute lebendig verbrannten, zündeten Busse an und verwüsteten U-Bahn-Stationen. Insgesamt verursachten sie nach Angaben der örtlichen Stadtverwaltung Schäden in Höhe von über 18 Millionen Dollar. [7]

Einseitige Berichte und Fake News

Auf riesigen Gegendemos gingen Hunderttausende gegen diese Gewalt und Zerstörungen auf die Straße.[8] Auch davon sah man im Westen nichts. Bemühte man sich doch hier unisono das Bild von einem Aufstand „des Volkes“ gegen „die Mullahs“ zu zeichnen. Dabei erwiesen sich die Bilder über Demos von Anhängern Reza Pahlavis, Sohn des früheren Gewaltherrschers Mohammad Reza Pahlavi, häufig als KI-generierte Fakes. Nachweislich wurden mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Videosequenzen der Proteste mit lautstarken monarchistischen Rufen unterlegt [9]

Generell beruhte die Darstellung der Ereignisse in westlichen Medien, auch linken, überwiegend auf Berichten im westlichen Ausland ansässigen oppositionellen Organisationen, die von regierungsnahen Organisationen, wie der CIA-Ausgliederung National Endowment for Democracy (NED) gesponsert werden. [10] Allem Anschein wiederholte sich das Schema bei der Berichterstattung der Proteste im September 2022, über die eine Recherche von Gray Zone eine Fülle von Fake News in den etablierten Medien zu Tage förderte.[11]

Amnesty Internationale (federführend AI USA) erwähnt ihn ihren Berichten die Gewalt bewaffneter Gruppen mit keinem Wort.[12] Das erinnert an Syrien 2011. Auch da hatte es schon in den ersten Tagen Brandschatzungen und tote Polizisten gegeben und dennoch dauerte es damals über ein Jahr bis AI die Gewalt von Regimegegnern erwähnte, sie aber nur als Reaktion auf Regierungsgewalt sehen wollte. [13]

Es gab zweifellos massive Gewalt von staatlicher Seite und sicherlich, spätesten nachdem es die ersten Tote unter Einsatzkräften gegeben hat, z.T. auch ungezügelte gegen gewaltlose Demonstranten.

Zuverlässigen Zahlen über die Opfer gibt es nicht. Die in westlichen Medien kursierenden Behauptungen das „Mullah-Regime“ habe „mehrere 10.000 Menschen“ ermordet, ist jedoch sicher stark übertrieben und gehört zur Stimmungsmache zur Rechtfertigung des Wirtschaftskriegs und einen weiteren militärischen Angriff.[14] Selbst die US-basierte oppositionelle Menschenrechtsgruppe Human Rights Activists News Agency (HRANA)  beschränkte sich bei der Zahl der Toten am 27.1. auf 6.159.[15]  Al Jazeera hält deren Zahlen noch für die seriösesten,[16] trotz ihrer Finanzierung durch die NED.[17] Arabische Medien gehen aber auch von ca. 500 tote Einsatzkräften und mindestens ebenso vielen bewaffnete Regimegegnern unter den Toten aus. Nicht abzuschätzen ist, wie viele der zivilen Toten aufs Konto bewaffneter Aufständische gehen.[18] Den offiziellen Angaben der iranischen Regierung zufolge, gab insgesamt 3.117 Tote, darunter 690 bewaffnete Aufständische.[19]

Drohung mit neuem Krieg

Nachdem das Kalkül durch Eskalation der Proteste in einen gewaltsamen Aufstand einen Regime Change erwartungsgemäß nicht aufging, drohte Trump wieder mit Krieg.

Die US-Streitkräfte zogen bis Ende Februar eine enorme Armada und Hunderte Kampflugzeuge am Persischen Golf und Militärstützpunkten in der Region zusammen, den größten Truppenaufmarsch seit 2003 vor dem Irakkrieg. Der Iran droht seinerseits auf jeden militärischen Angriff mit massiven Vergeltungsangriffen zu antworten.

Russland und China haben nach dem 12 Tage-Krieg ihre militärische Unterstützung stark ausgeweitet, insbesondere die iranische Luftabwehr massiv ausgebaut, mit wesentlich moderneren Systemen und, nach Einschätzungen von Militärexperten, auch versorgt mit Aufklärungsdaten ihrer Geheimdienste. Wie weit der Aufbau und die Vernetzung der Systeme schon gediehen ist, ist jedoch nicht abzuschätzen. Israel hatte im Dezember schon gedroht, nicht zu warten, bis der Iran seine Luftabwehr voll einsatzfähig habe.

Sowohl Russland und China haben allerdings mittlerweile Kriegs- und Aufklärungsschiffe in die Region entsandt, auch ein gemeinsames Manöver mit dem Iran fand statt. Auch wenn Moskau und Peking sicher nicht vorhaben, aktiv militärisch einzugreifen, ist die Gefahr einer Eskalation des Krieges im Fall US-amerikanischer Angriffe groß.

Der Iran hat im Rahmen eines Manövers die Straße von Hormuz, durch die 20% der weltweiten Erdöl- und Ergastransporte laufen, zeitweilig gesperrt und damit vor dieser Konsequenz eines Krieges gewarnt.
Eine solche Sperrung könnte der Iran einfach bewerkstelligen und würde die Kraftstoffpreise massiv in die Höhe treiben.

Namhafte Experten, wie John Mearsheimer, trauen dem Iran recht effektive Gegenangriffe zu, sowohl auf Israel als auch auf die US-Basen rund um den Iran. Selbst die Kriegsschiffe könnten ernsthaft bedroht sein.[20] Auch aus dem US-Militär kamen entsprechende Warnungen, sogar von General Dan Caine, dem Vorsitzenden des Vereinigten Generalstabs selbst.[21]

Voraussichtlich wird der Iran sich zwar noch nicht gut vor Luftschlägen schützen, aber effektiv zurückschlagen können. Massive Treffer auf eine US-Basis mit einer großen Zahl von Toten oder erhebliche Zerstörungen an einem Kriegsschiff, könnte den Krieg unkontrollierbar eskalieren lassen.

Die arabischen Golfstaaten bemühen sich daher das Trump-Regime vor einem erneuten Krieg abzuhalten. Vor allem aber fürchten sie eine regionale Ausweitung des Krieges. Auch wenn sie traditionell Gegner des Irans sind. wollen sie keinen gewaltsamen Zusammenbruch des iranischen Regimes, da sie in diesem Fall zu Recht mit Verhältnissen wie in Syrien rechnen mit einer noch viel stärkeren Destabilisierung der Region.

Ausbleibender Protest gegen drohenden Krieg

Der drohende Irakkrieg hatte 2003 noch eine breite Antikriegsbewegung auf die Straße gebracht. Mittlerweile rührt sich leider kaum noch was. Die Berichterstattung über die blutige Niederschlagung der Aufstände Anfang des Jahres steigerte offenbar – zeitlich passend – die ohnehin schon große anti-iranische Stimmung im Westen. Letztlich führen, so auch Jeffrey Sachs, die USA und Israel „einen hybriden Krieg gegen den Iran, durch Wirtschaftssanktionen, Militärschläge, Cyberangriffe, psychologische Operationen und Desinformationskampagnen“.[22]

Unabhängig davon, wie man die Verhältnisse im Iran einschätzt (von denen die meisten hierzulande nur ein verzerrtes Bild aus den Medien haben), müsste eigentlich für jeden, der die Politik der USA in den letzten Jahrzehnten wie auch die Trumps einigermaßen verfolgte, klar sein, dass Schieß- und Wirtschaftskrieg, wie auch die Unterstützung von regierungsfeindlichen Kräften wie dem Schahsohn, nichts mit Bemühungen um Freiheit und Demokratie zu tun haben. Sie richten sich auch nicht primär gegen das iranische Atomprogramm –das war mit dem Wiener Abkommen völlig unter internationaler Kontrolle gewesen und könnte es auch wieder sein.

Darauf aufmerksam zu machen, sowie der Stimmungsmache gegen das Land, mit der Krieg und Wirtschaftsblockaden gerechtfertigt wird, Aufklärung entgegenzusetzen, bedeutet keineswegs Parteinahme für das Regime. Sicherlich gibt es eine genuine interne Opposition mit unterstützenswerten Anliegen. Doch deren Spielräume und Möglichkeiten werden durch Gewalt, Blockaden und militärische Angriffe sicherlich nicht gefördert, sondern massiv verengt, während sich der größte Teil der Bevölkerung in solchen Situationen eher hinter die Regierung stellt – der bekannte „Rally ’round the flag“-Effekt. In einer belagerten Burg gedeiht schließlich keine Demokratie.

Hierzulande wird stets die Misswirtschaft der „Mullahs“ für die Wirtschaftskrise im Iran verantwortlich gemacht. Forschungen an der Uni Marburg ergeben, dass sie eindeutig durch die Wirtschaftsblockaden verursacht wurde und dass ohne sie die iranische Mittelschicht um schätzungsweise 17 Prozent gewachsen wäre. Stattdessen wurden 9 Millionen Iraner aus der Mittelschicht in die Armut getrieben. Wie die Geschichte zeige, sind es nachhaltiges Wirtschaftswachstum und eine gestärkte Mittelschicht, die eine stärkere Zivilgesellschaft, Reformen, Demokratisierung etc. vorantreiben, so Trita Parsi, iranisch stämmiger Politologe und Vizepräsident des Quincy Institute for Responsible Statecraft. „Die Ironie ist offensichtlich: Dieselben Stimmen, die dazu beigetragen haben, Wege für einen friedlichen Abbau der Theokratie zu versperren, präsentieren sich nun als Retter und bieten eine ausländische Militärintervention als einzigen Weg zur Befreiung an.“ [23]

Tim Anderson, Direktor des Centre for Counter Hegemonic Studies mit Sitz in Sydney, weist zudem in seiner Erklärung, warum er den Iran unterstützt, darauf hin, dass die Islamische Republik eine relativ fortschrittliche soziale Politik verfolgt. Berichte des UNDP aus den Jahren 1999 und 2018 zeigen, dass der Iran zwischen 1990 und 2017 nach der Volksrepublik China den zweitgrößten Fortschritt beim Human Development Index (HDI) erzielt hat. Der HDI des Iran stieg in diesen 27 Jahren um durchschnittlich 1,21 % pro Jahr, was hauptsächlich auf Verbesserungen in der Massenbildung und der Gesundheit von Müttern und Kindern zurückzuführen ist. Mittlerweile sind über 60% der Studierenden weiblich.

Unabhängig davon: Ein Umsturz inmitten des hybriden Krieges des US-Imperialismus und des, ein Großisrael anstrebenden zionistischen Regimes würde zweifellos Verhältnisse wie in Syrien schaffen, da sind sich alle seriösen Experten einig. [24]

Letztlich streben genau dies die USA und Israel an. Ihnen geht es darum den Iran zerfallen zu lassen und somit als relevante Macht in der Region auszuschalten. Das aggressive, von Berlin und der EU letztlich unterstützte Vorgehen gegen den Iran läuft parallel zu dem gegen Venezuela. Beides sind Regionalmächte, die mit ihrem Ressourcenreichtum, hohem Bildungsgrad und technologischem Niveau ein enormes Entwicklungspotential haben. Beide haben enge strategische Allianzen mit China, Russland und anderen Gegnern des Westens entwickelt und treiben Handel am Dollar vorbei. Beide sind regionale Zentren bei der Entwicklung einer multipolaren Welt, die noch viel stärker werden könnten, wenn sie nicht stranguliert und angegriffen würden.

[Die Nahostexpertin Karin Leukefeld weist im Interview mit Zeitgeschehen im Fokus darauf hin,

„dass zum Jahreswechsel und Anfang des Jahres vieles zur gleichen Zeit geschah. Netanjahu war am 28./29. Dezember bei Donald Trump in Florida. Beide waren sehr zufrieden mit dem Besuch. Dort sind sicherlich Absprachen getroffen worden. Netanjahu hat mehr als deutlich gesagt, dass ein Krieg gegen den Iran auf der Tagesordnung stehe. […]

Nahezu gleichzeitig zogen die Vereinigten Arabischen Emirate die von ihnen unterstützten Milizen und Truppen aus Jemen zurück, worüber hier wenig bekannt wurde. Nahezu gleichzeitig wiederum stürzte der iranische Rial an der Börse in Dubai, die Proteste der Händler in Teheran begannen. Am 3. Januar griff eine US-Sondereinheit Venezuela an und entführte Präsident Nicolás Maduro und seine Frau und verschleppte sie in die USA.

Alle Medien blickten auf Venezuela, die Öffentlichkeit sah dorthin. Dann wurde urplötzlich der kurdische Stadtteil von Aleppo, Sheikh Maqsoud, von türkisch geführten und finanzierten Milizen angegriffen. Die Medien schwenkten ihre Aufmerksamkeit von Venezuela in den Norden Syriens, wo innerhalb weniger Tage die Kurden aus Aleppo vertrieben wurden, dann aus den ganzen Gebieten südlich des Euphrat und aus Deir Ez-Zor. Sie verloren die Kontrolle über den Euphrat Damm, über Öl- und Gasfelder. Weder die USA noch sonst jemand half den Kurden.

Und was geschah genau in diesen Tagen im Iran? Die zunächst friedlichen Proteste wurden extrem gewalttätig, die Zahl der Toten stieg, der politische Westen beschuldigte die Regierung in Teheran, die westlichen Medien berichteten nun nicht mehr über Venezuela oder den Norden Syriens, sondern nahezu rund um die Uhr mit unzähligen «Experten» über das, was im Iran geschah. Obwohl keiner dieser Experten überhaupt im Iran war.“]


[1] How Trump Shifted on Iran Under Pressure From Israel, New York Times, 17.06.2025

[2] [1] Jeremy Scahill and Murtaza Hussain, „This is Not a Dress Rehearsal“: U.S. Engaged in Massive Military Buildup as Threat To Bomb Iran Grows, Dropsite News, 18.02.2026 
US says it caused dollar shortage to trigger Iran protests: What that means, Al Jazeera, 13.02.2026.

[3] Tehran adjusts its public tone as protests return, Iran International, 1.1.2026

[4] Iran President Moves to Calm Protests With Vow to Fix Budget, Bloomberg, 30.12.2025, Iran Offers Citizens $7 a Month in a Bid to Cool Protests, New York Times, 5.1.2026

[5] Iran’s Pezeshkian urges unity as protests over economic woes turn deadly,

[6] Iran jams Starlink in ‘Game-Changing Move’; Foils CIA-Mossad ‘Colour Revolution’ Attempt, Conflicts Forum, 12.01.2026, ‘Kill Switch’—Iran Shuts Down Musk’s Starlink For First Time, Forbes, 13.01.2026

[7] Max Blumenthal and Wyatt Reed,·Western media whitewashes deadly riots in Iran, relying on US govt-funded regime change NGOs, The Grayzone, 12.1.2026

[8] Iranians launch counterprotests in rejection of US-backed destabilization attempts, The Cradle,2.1.2026

[9] Iran: Der KI-Monarch – Jede Menge gefälschte Videos, junge Welt, 15.01.2026,

[10] NGO´s  – Die unsichtbare Hand – Von Venezuela bis Iran, von NED bis Correctiv   – eine Analyse der staatlich finanzierten „Zivilgesellschaft“ als Instrument geopolitischer Kontrolle, Seniora.org, 15.02.2026

[11] Iran’s unrest triggers explosion of fake news , The Grayzone 19.1.2023

[12] s. z.B. What Happened at the Protests in Iran?, Amnesty International USA. 28.1.2026

[13]  Joachim Guilliard, Syrien – Der gefährliche Mythos einer „friedlichen Revolution“, junge Welt, 1.06.2012

[14] Wyatt Reed and Max Blumenthal, Meet the former fashion blogger and shady doctor behind the ‘30,000 dead’ Iran psy-op, The Grayzone, 1.2.2026

[15] Day Thirty of the Protests: From Internet Disruptions to the Pursuit of the Injured, HRANA, 26.01.2026       

[16] What is HRANA, the US-based group behind Iran’s death toll figures?, Al Jazeera, 15.01.2026

[17] Appropriating the death count: Manufacturing consent for an attack on Iran, Al Jazeera, 31 Jan 2026

[18] Wyatt Reed and Max Blumenthal, Meet the former fashion blogger and shady doctor behind the ‘30,000 dead’ Iran psy-op, The Grayzone, 1.2.2026

[19] In Numbers: Death and Destruction in Recent Israeli-US-Backed Riots in Iran, Press TV, 22.01.2026

[20] Iran Will Strike Back Hard, John J. Mearsheimer, 30.01.2026
Verkalkulieren sich die USA und ihre Verbündeten erneut mit ihren Kriegsplänen? – Was ein erneuter Krieg gegen den Iran für die Welt bedeuten würde, Ein Gespräch von Glenn Diesen mit Douglas Macgregor, Zeit-Fragen, 17. 02.2026

[21] Pentagon Flags Risks of a Major Operation Against Iran, The warnings have been led by Gen. Dan Caine, chairman of the Joint Chiefs of Staff, Wall Street Journal, 23.02.2026

[22] Jeffrey Sachs: US-‚Israel‘ hybrid war strategy against Iran escalates, Al Mayadeen English 21.01.2026    

[23] Trita Parsi, Western sanctions helped kill Iranians’ earlier hopes of their country’s transformation from within,  Foreign Policy,  4.02.2026

[24] „Israel will die Landkarte des Grossen Mittleren Ostens neu bestimmen“, Interview mit Karin Leukefeld, Zeitgeschehen im Fokus, 4. Februar 2026

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