Schlagwort: Corona

„Epidemische Notlage“ ohne Not und Epidemie?

(meine zweite Wortspende für das Projekt „Kein Zustand: Stimmen gegen den Ausnahmezustand„)

Am 11. Juni 2021 verlängerte der Bundestag die „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ und damit seine Selbstentmachtung. Waren die Gründe für die Feststellung einer „epidemischen Lage“ zuvor schon immer fragwürdiger geworden, so wurde sie nun völlig von evidenzbasierten Kriterien entkoppelt. Angesichts fallender Zahlen positiv Getesteter und Klinikeinweisungen von Covid-19-Fällen genügte der Verweis darauf, dass das Virus nicht weg ist, die Zahlen auch mal wieder steigen können und vor allem Virusvarianten eine große Gefahr seien, wie man an der Ausbreitung der Delta-Variante in Großbritannien sehen könne.  Es bedürfe „auch in den nächsten Monaten Regelungen beispielsweise zum Impfen, zum Testen und zur Einreise“. Offensichtlich will die Exekutive für ihre Verordnungen auch weiterhin freie Hand, ohne die Notwendigkeit von Rechtfertigungen.

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„Null Covid“-Initiativen ‒ realitätsferne Strategien mit Illusionen in einen autoritären Corona-Staat

erschien am 20. April 2021 auf den NachDenkSeiten

Seit einiger Zeit geistern Vorstellungen, die sich „NoCovid“ oder „ZeroCovid“ nennen, durch Politik und Medien und es hat sich auch eine Initiative gegründet, deren Webseite technisch gut gemacht ist und so aussieht, als könne sie auf Ressourcen zurückgreifen. Albrecht Müller hat sich am 25. Februar mit diesem Phänomen beschäftigt und der folgende Text von Joachim Guilliard untersucht nun etwas detaillierter, worum es bei diesem Ansatz geht.


„Null Covid“-Initiativen – realitätsferne Strategien mit Illusionen in einen autoritären Corona-Staat
Forderungen, mit strikteren Shutdowns die Infektionsraten auf null zu drücken, sind realitätsfern, haben autoritäre Züge und missachten die gravierenden Folgen. Beispiele von Ländern mit wenigen Infektionen sind auf unsere Verhältnisse nicht übertragbar.

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Corona: Rückgang der Fallzahlen durch natürliche Immunität

Während Lockdowns kaum Wirkung zeigen, bremst nun der erhebliche Anteil derer, die nach einer Infektion immun sind, die Ausbreitung des Virus
Joachim Guilliard, Telepolis, 21. Februar 2021

Updates: Am Ende einige Bemerkungen zum brasilianischen Manaus, das als Gegenbeispiel angeführt wurde, sowie ein Hinweis auf die Bevölkerungsimmunität in Ischgl und in den USA (Washington Post)

In den meisten europäischen Ländern sind die Corona-Fallzahlen von ihren zeitweiligen Spitzenwerten zurückgegangen. Auch in Deutschland bewegen sie sich ungefähr wieder auf dem Niveau von Ende Oktober. Die Regierungen von Bund und Ländern wollen dies nun darauf zurückführen, dass der von ihnen verordnete harte Lockdown nach acht Wochen endlich wirkt. Um „diesen Erfolg nicht zu gefährden“, wurde er um weitere vier Wochen verlängert. Auch die meisten Medien führen den Rückgang ungeprüft auf den Lockdown zurück.

Belege dafür bleiben sie schuldig. Belastbare Daten dazu und über das Infektionsgeschehen allgemein wurden nicht erhoben. Die Verantwortlichen waren bisher nicht willens oder nicht fähig, entsprechende Studien durchführen zu lassen, mit deren Hilfe man abschätzen könnte, welche der verschiedenen Maßnahmen tatsächlich etwas zum Rückgang der Fallzahlen beigetragen haben und wenn ja, wieviel. Dabei wäre dies zur Beurteilung ihrer jeweiligen Verhältnismäßigkeit an sich zwingend geboten.

Vieles spricht allerdings dagegen, dass abendliche Ausgehverbote, rigide Beschränkungen privater Kontakte, das Schließen von Restaurants und kulturellen Einrichtungen oder eine der sonstigen massiven Restriktionen eine deutliche Wirkung hatten, die über die der selbstverständlichen Maßnahmen wie Einhaltung von Hygieneregeln, Abstandhalten und Selbstisolation von Infizierten oder das Verbot von größeren Veranstaltungen, hinausgehen.

Wenn die Infektionszahlen nun nach etlichen Wochen oder Monaten mitten im Winter zurückgehen, so ist das wahrscheinlich viel mehr auf den inzwischen erheblich gewachsenen Anteil von Menschen zurückzuführen, die nach einer Infektion bereits immun sind, und so für das sorgen, was Wissenschaftler eine „kleine Herdenimmunität“ nennen.

mehr … https://www.heise.de/tp/features/Corona-Rueckgang-der-Fallzahlen-durch-natuerliche-Immunitaet-5061192.html

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Fortwährender Lockdown und die Evidenz Merkelscher „Wissenschaft“

Die Akademie Leopoldina lag im Dezember mit ihrer Einschätzung falsch und sollte ihre Lockdown-Empfehlungen selbstkritisch zurücknehmen

erschienen bei Telepolis am 22. Januar 2021

Der im Dezember verhängte Lockdown droht bis in den Frühling hinein immer weiter verlängert zu werden. In ihren Plädoyers für einen verschärften Lockdown bat Bundeskanzlerin Angela Merkel Anfang Dezember flehentlich, doch auf „die Wissenschaft“ zu hören. Für sie bestand diese aus der „Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina“, mit deren 7. Ad-hoc-Stellungnahme die Entscheidung maßgeblich begründet wurde. Sie war von den sechs Wissenschaftlern, die als einzige zu den Beratungen der Kanzlerin und der Länderchefs hinzugezogen worden waren, mitverfasst worden.

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CoDAG-Analyse: Lockdown in Deutschland zeigte kaum Wirkung

„Eine Analyse zeigt: Der Teil-Lockdown Anfang November hatte keinerlei Effekt in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Verschärfung des Teil-Lockdowns Anfang Dezember hatte kaum positiven Effekt.“

Die Corona Data Analysis Group (CoDAG) an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) hat die Wirkung der Lockdown-Maßnahmen ab November in Deutschland anhand zweier Fragen untersucht (CODAG Bericht Nr. 7, 21.1.2021):

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Studie von Ioannidis und Kollegen sieht keine Wirkung von Lockdowns

Massiv restriktive staatliche Maßnahmen zeigen nach Abzug der Effekte weniger restriktiven Maßnahmen und anderer Einflüsse auf die Ausbreitung von Covid-19 keinen darüber hinausgehenden Effekt.

Update 21.2.2021: Die Corona Data Analysis Group (CoDAG) an der LMU München hat die Wirkung der Lockdown-Maßnahmen ab November in Deutschland untersucht. Die Forscher der AG kamen zu Schluss, dass „die Wirkung des Teil-Lockdowns innerhalb von Deutschland komplett unterschiedlich war.“ In Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hatte der Teil-Lockdown keinerlei Effekt. Die Verschärfung der Maßnahmen Anfang Dezember hatte im ganzen Land kaum Wirkung, die Infektionen nahmen zum Teil zu . (CODAG Bericht Nr. 7, 21.1.2021)

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Corona-Sterblichkeit: Unterschiede zwischen Ländern zum guten Teil Zufall

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Erfolg oder Misserfolg der Anti-Corona-Politik von Ländern wird meist an der Zahl der Menschen gemessen, die im Zusammenhang mit dem neuartigen Virus, bzw. der von ihm ausgelösten Krankheit, Covid-19, gestorben sind. So wird die überdurchschnittlich hohe Zahl von Corona-Toten pro Kopf in Schweden von Lockdown-Befürwortern als hauptsächlichen Beleg für das angebliche Scheitern des liberaleren schwedischen Vorgehens ins Feld geführt, das auf strenge staatliche Restriktionen weitgehend verzichtete. Aber auch Vergleiche zwischen europäischen, asiatischen, afrikanischen oder südamerikanischen Ländern werden bemüht, um beispielweise ein zu lasches Vorgehen hierzulande zu bemängeln.

Solche Vergleiche werden jedoch i.d.R. recht oberflächlich angestellt. Meist ignorieren sie die großen Unterschiede in den Ausgangsbedingungen der betrachteten Länder und auch die großen Abweichungen der Fallzahlen zwischen Länder oder Regionen innerhalb eines Landes gibt, in denen weitgehend dieselben Maßnahmen angewandt wurden. Da die Zahlen verschiedener Länder sehr stark von lokalen Faktoren abhängen lassen sie sich generell schwer vergleichen. Das beginnt schon mit unterschiedlichen Zählweisen und reicht vom Klima über die geografische Lage bis zur Bevölkerungsdichte. Inseln z.B. haben selbstverständlich bessere Möglichkeiten, sich zu schützen. Da die Sterblichkeit von Infizierten sehr stark mit dem Alter zunimmt, spielt vor allem die Altersstruktur eine große Rolle und nicht zuletzt der Zeitpunkt, ab wann und mit welcher Heftigkeit die Ausbreitung des neuen Virus begann. Dieser war überwiegend Glücksache.

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Corona: Mitverantwortlich für hohe Sterblicheit bei über 80jährigen ‒ LB zu Lauterbach-Interview

Leserbrief zum Lauterbach-Interview in der RNZ v. 21. Dez. 2020

Beim Lesen des zweiten Interviews mit Karl Lauterbach binnen zweier Wochen fragt man sich, warum die RNZ nicht auch mal Fachleute zu Wort kommen lässt, die dezidiert andere, konstruktivere Positionen vertreten, als seine hinlänglich bekannten.

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Sterbefallzahlen rechtfertigen keinen Lockdown ‒ Update zu Corona: Dramatische „Zweite Welle“ oder herbstlicher Trend?

Die Gesamtzahl der wöchentlichen Todesfälle folgt noch weitgehend dem Trend der letzten Jahre, Covid-19 tritt an Stelle früherer Todesursachen. Die leichte aktuelle Übersterblichkeit ist nicht allein auf Corona zurückzuführen

Update des Kapitels „Steigende Zahl von Infektionen und Toten im Herbst“ des Beitrags Dramatische „Zweite Welle“ oder herbstlicher Trend?, das neuere Sterbefallzahlen berücksichtig und auch auf die vom das Statistische Bundesamt gemeldete Übersterblichkeit für KW 46 (9. bis 15.11.) eingeht.

Politiker und Medien schüren täglich mit schockierenden Meldungen über Hunderte von Corona-Toten und überfüllte Krankenhäuser die Ängste in der Bevölkerung. Die Zahlen werden dabei nie in Bezug zur Gesamtsituation gesetzt.

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