Wiederaufbau im Irak – „Ein Betrug größer als Madoff“

Die exakte Summe die im vermutlichen größten Fall von Betrug und Unterschlagung vollständig verloren ging, wird nicht mehr genau zu ermitteln sein, einem Untersuchungsbericht des US Special Inspector General for Iraq Reconstruction (SIGIR) zufolge dürfte sie aber 50 Milliarden Dollar übersteigen (Patrick Cockburn, A ‚fraud‘ bigger than Madoff — Senior US soldiers investigated over missing Iraq reconstruction billions, in Independent, 16.2.2009).
Der größte Teil versackte in den Taschen der großen amerikanischen Konzerne, der kleinere im Sumpf der ungeheuerlichen Korruption im Land. Oft scheiterten Projekte auch aus schierer westlicher Überheblichkeit und Ignoranz.
(Siehe auch mein Artikel: Kontrollierte Plünderung – Die Ökonomie des Irak-Krieges, junge Welt, 05.06.2008)

„Kindermörder“ – Dämonisierung der Hamas durch böswillig verzerrte Zitate

Artikel in: Neue Rheinische Zeitung v. 11.02.2009
Den Veranstaltern der großen Berliner Demo gegen die Bombardierungen in Gaza waren vom Polizeipräsidenten scharfe Auflagen gemacht worden, die das Demonstrationsrecht und die Meinungsfreiheit stark einschränkten.
Ein zentrales Argument war, dass Hamas-Außenminister Mahmud Sahar laut Süddeutscher Zeitung Anfang Januar zum Mord an israelischen Zivilisten aufgerufen und selbst das Töten israelischer Kindern für legitim erklärt habe.
Die Meldung ging, oft noch zugespitzer, durch zahlreiche Medien. Und nicht nur der Berliner Polizeichef, auch viele andere staatlichen Institutionen, darunter das britische Außenministerium, griffen zur Rechtfertigung ihrer vorbehaltlosen Unterstützung Israels und der Fortsetzung ihres Boykotts der Hamas auf die angeblichen Drohungen Sahars zurück.
Die Rede selbst ist nicht im Internet, zumindest nicht in einer englischen Übersetzung, aber wenn man die Meldungen vergleicht, wird schnell klar, dass er es so, wie die Süddeutsche und viele andere Medien wiedergaben, nicht geäußert hat.
Den Text inklusive Links findet man hier

Doppelte Besatzung – Kurswechsel sunnitischer Nationalisten stellt Widerstand vor Probleme

Anfang 2007 schien der irakische nationale Widerstand auf einem unaufhaltsamen Erfolgskurs zu sein. Zu den militärischen Erfolgen kamen die Vereinigung unzähliger, vorwiegend sunnitischer Gruppen und eine stärkere öffentliche Wahrnehmung ihrer politischen Positionen. Mittlerweile wurde es um den Widerstand ziemlich still. Auch wenn er den US- und Regierungstruppen nach wie vor kräftig zusetzt, gingen seine Aktivitäten deutlich zurück. Zum Teil, weil die Anfang 2007 eingeleitete Eskalationsstrategie der USA die Guerilla in den betroffenen Gebieten – vor allem Bagdad und Umgebung – zum Rückzug zwang. Weit mehr jedoch beeinträchtigte der Kurswechsel sunnitischer Nationalisten Schlagkraft und Ak­tionsradius der Kampfgruppen. Konfrontiert mit drei gefährlichen Gegnern, sahen viele nicht im Kampf gegen die US-Besatzung, sondern gegen Al-Qaida und die als »iranische Besatzung« wahrgenommene Dominanz schiitischer Parteien die vordringlichere Aufgabe und begannen, über Stammesräte taktische Bündnisse mit den Besatzern einzugehen. Die US-Regierung läßt die Zusammenarbeit mit diesen »Awakening-Räten«, diesen »Erweckungsräten«, als Ergebnis ihrer neuen Aufstandsbekämpfungsstrategie feiern. Diese Räte haben jedoch ihre Ursprünge nicht in der Kollaboration mit den Besatzern, und sie beinhalten auch keinesfalls eine endgültige Absage an den Widerstand oder gar an die Akzeptanz der Besatzung.
weiter bei: http://www.jungewelt.de/2009/01-02/011.php
bzw. bei der unkekürzten Version (mit Quellenangaben und Fußnoten)

Ein Paar Schuhe als »Abschiedskuß«

2008 im Rückblick: Irak. Die Besatzer reden von positiver Entwicklung. Die Wirklichkeit sieht anders aus
Meine Jahresbilanz zum Irak in junge Welt v. 29.12.2008
Einen überraschenden, zugleich dramatischen Showdown erlebte der besetzte Irak wenige Wochen vor Jahresende. Der scheidende US-Präsident war zu einem letzten Auftritt in die Hochsicherheitszone von Bagdad geflogen, um in einer hastig anberaumten Pressekonferenz den Fortschritt zu preisen, den er und seine Truppen dem Land im Laufe der letzten Jahre gebracht hätten. Doch zerstörten ein Paar Schuhe gründlich die Illusion, die er und die irakische Regierung verbreiten wollten.
Bedeutender als der tätliche Angriff mit den Schuhen, dem höchsten Ausdruck der Verachtung in der arabischen Welt, waren die Worte, die der mutige Journalist Muntader Al-Saidi dem obersten Kriegsherr der Besatzungsmacht entgegenschleuderte. Meist wird nur der erste Satz – »das ist der Abschiedskuß, du Hund!« – zitiert. Entscheidend war jedoch der zweite: »Das ist von den Witwen, den Waisen und all denen, die im Irak getötet wurden!«.
Dieser Schrei elektrisierte – zusammen mit der öffentlichen Demütigung des meistgehaßten Mannes – Millionen Iraker und Araber. Durch eine riesige Welle der Zustimmung und der Solidarität wurde eine einfache, individuelle Aktion zum weltweit vernommenen Aufbegehren einer gepeinigten Nation. Indem sie offensichtlich den Zorn der Mehrheit zum Ausdruck brachten, wurde mit den Würfen des Journalisten der Schleier aus Scheinheiligkeit und Schönfärberei zerrissen, den die von den USA dominierten internationalen Medien über den Irak gelegt haben. Sie zeigten der Welt, daß der Kaiser nackt ist. (weiter …)
Der Artikel ist auch noch hier zu finden.