Beitrag auf der Veranstaltung am 24. Oktober 2026 in Düsseldorf, an einigen Stellen etwas ergänzt und aktualisiert. Der letzte Teil, „Warum blieb Protest gegen den Krieg weitgehend aus?“ wurde nicht vorgetragen, sondern kam in der Diskussion zur Sprache. – Hier als PDF-Dokument
Die Lage am Persischen Golf ist zweifellos äußerst brisant. Im Moment herrscht zwar noch eine fragile Waffenruhe, die immer wieder durch vereinzelte Luftangriffe unterbrochen wird. Viele Beobachter befürchten aber, dass Trump nach den Zwischenwahlen am 3.11. erneut angreifen lässt, insbesondere sollten seine Republikaner eine massive Niederlage einstecken müssen. Entsprechende Drohungen kommen auch aus Israel.
Der Iran bereitet sich offenbar intensiv darauf vor. Seine Führung macht klar, dass sie nicht zögern werden, im Falle eines Angriffs die Angriffsziele massiv auszuweiten. Warnungen, dass die USA bei einer Wiederaufnahme des Krieges nur noch mehr verlieren würden, kommen auch aus dem US-Establishment. Denn der Iran hatte der ungeheuren Zahl von Angriffen nicht nur standgehalten, sondern äußerst effektiv zurückgeschlagen. Viele sehen Iran daher bereits als Sieger,
Dies obwohl das Land zweifelllos vom Krieg schwer getroffen wurde. Die USA und Israel griffen mit einer Intensität von Luftangriffen an, wie seit dem Irakkrieg nicht mehr. Sie richteten sich gezielt auch auf Kraftwerke, Ölanlagen und -lager und sonstige zivile Infrastruktur, Brücken, Universitäten, Schulen, kulturelle Einrichtungen.[1] In Teheran waren zwei Drittel der bis zum Waffenstillstand am 8. April getroffenen Ziele Wohn-, Geschäfts- und andere zivile Gebäude.
Das ungeheure Bombardement forderte auch viele Todesopfer. Der iranische Roten Halbmond hat über 3.400 Menschen registriert, die direkt durch Angriffe getötet wurden. Die tatsächliche Zahl der Opfer dürfte wie immer ein Mehrfaches betragen.
Aufgrund der Wirtschaftsblockaden war die Lage für die Bevölkerung schon vor dem Krieg mehr als angespannt. [2] Durch die Blockade der südlichen Häfen des Landes ist der Import essentieller Güter weiter drastisch gesunken und die iranische Währung auf ein historisches Tief zusammengebrochen. Die Inflation war bereits Ende letzten Jahre nach Trumps Verschärfungen und der Wiederinkraftsetzung von Sanktionen durch die EU auf fast 50%, geklettert, sie schnellten nach Kriegsbeginn auf über 80%. Auch die für die Herstellung von Medikamenten benötigten Rohstoffe sind von der Blockade betroffen. Da gleichzeitig eine erhebliche Zahl von Pharmafabriken zerstört wurde, fehlt es selbst an Basis-Medikamenten.
Das gesamte Handelsvolumen des Iran ist um schätzungsweise 25–35 % zurückgegangen, wobei die Importe stärker sanken als die Exporte,
Aggression nicht erst seit Juni 2025
Der Iran ist seit weit über 100 Jahren Angriffen und Interventionen ausgesetzt. Sowohl seine geostrategisch bedeutende Lage als auch sein enormer Reichtum an Bodenschätzen weckten seit jeher Begehrlichen. Das Land liegt zentral an wichtigen Schnittstellen zwischen West- und Zentralasien, zwischen der Türkei im Westen, Russland und kaspischem Meer im Norden und Indien im Süden. Das Land verfügt über die weltweit größten Erdgasvorkommen und die viertgrößten Erdölvorkommen sowie auch über fast alle sonstigen heute wichtigen Rohstoffe.
In Washington ist die Kontrolle der gesamten Region rund um den Persischen Golf ist seit dem Niedergang des britischen Empire ein zentrales strategisches Anliegen, gilt sie doch als essentiell für die Durchsetzung und Aufrechterhaltung der US-Vorherrschaft über den gesamten Globus.
Der Sturz der Schah-Diktatur 1979 war daher für US-Imperialismus ein sehr schwerer Schlag. Seither versucht er diese Scharte wieder auszuwetzen, unabhängig davon wer Präsident ist. Es war der als liberal geltende und spätere Friedensnobelpreisträger Jimmy Carter, der die ersten Wirtschaftssanktionen verhängte und der den Irak zum Krieg gegen die Islamische Republik ermunterte. Es war ein Krieg der 8 Jahre dauerte und über 1 Mio. Tote forderte.[3]
Danach haben die USA die Handels- und Finanzblockaden immer weiter verschärft. 1996 setzte Bill Clinton, wie Carter von den „Demokraten“, ein Gesetz in Kraft (Iran and Libya Sanctions Act – ILSA), das wie das Helms-Burton-Gesetz gegen Kuba, Drittstaaten durch Androhung von Sekundärsanktionen zur Teilnahme an den Handels- und Finanzblockaden zu zwingen sucht.
Und seit langem stand in Washington und Tel Aviv auch schon die Ausweitung des Wirtschaftskrieges in einen militärischen auf der Agenda. Seit fast 30 Jahren trommeln Netanyahu & Co. auf der einen und US-amerikanischen Falken auf der anderen Seite dafür. Der republikanischen Präsidentschaftskandidat John McCain z.B., der Barack Obama unterlag, sang 2008 auf seinen Wahlkampfveranstaltungen „Bomb, bomb Iran“. Bisher schreckten aber alle Präsidenten und ihre Regierungen zurück, von George Bush bis Joe Biden und auch Trump in seiner ersten Amtszeit.
Doch führten die USA und Israel die ganze Zeit schon einen „hybriden Krieg“, so der renommierte Ökonom Jeffrey Sachs, mit Wirtschaftssanktionen, einzelne Militärschläge, Attentate, Cyberangriffe, psychologische Kriegsführung und Desinformationskampagnen“. – Das sollte man auch im Kopf behalten, wenn man die inneren Verhältnisse der Islamischen Republik beurteilt.
Gegen störende Regionalmacht
Auch wenn als Begründung offiziell seit Jahrzehnten die potentielle Bedrohung durch Atomwaffen ins Feld geführt wird, geht es in erster Linie darum, dass der Iran zu einer immer stärkeren selbstbewussten unabhängige Regionalmacht entwickelte, die die US-Hegemonie immer mehr beeinträchtigte – besonders nach der Ausschaltung seines direkten Rivalen, dem Irak, nach dem verbrecherischen Krieg 2003.
Mit seinem Ressourcenreichtum, hohem Bildungsgrad und technologischem Niveau hat der Iran ein enormes Entwicklungspotential, insbesondere wenn die Wirtschaftsblockaden der USA und der EU fallen würden. Doch diese sollen natürlich genau die Entfaltung dieses Potentials verhindern.
Als Mitglied des BRICS-Bündnisses und der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, sowie durch die immer engeren strategischen Allianzen mit China und Russland, ist der Iran dennoch bereits ein bedeutender Pol bei der Entwicklung einer multipolaren Welt. [4]
Den Iran und damit China und Russland entscheidend zu schwächen, ist daher durchaus auch ein Ziel der führenden Mächte in der EU. Daher die Reaktivierung der EU-Sanktionen. Dies ist auch der Hintergrund für die faktische politische Unterstützung des Krieges durch Berlin und für den von Kanzler Merz ausgesprochene Dank an Israel und die USA, dass sie die „Europas Drecksarbeit“ übernahmen.
Nicht zuletzt ist die Islamische Republik auch der letzte große Widersacher Israels, der die Hamas und andere palästinensische Widerstandsgruppen, die Hisbollah im Libanon, die Ansarollah im Jemen und schiitische Widerstandsgruppen im Irak unterstützt.
Er ist auch das letzte Land auf der Liste der sieben Länder, die US-General a.D. Wesley Clark nach der Invasion Afghanistan 2001 gezeigt worden war, die in den folgenden Jahren ebenfalls angegriffen werden sollten. Aufgeführt waren noch Irak, Syrien, Libanon, Libyen, Somalia und Sudan, die tatsächlich alle auf die eine oder andere Art von den Administrationen George Bush jr. und seiner Nachfolger ins Visier genommen wurden.
Unerwarteter Widerstand
Der Krieg lief offensichtlich völlig anders als es sich Trump und seine rechtsextreme Bande vorgestellt haben. Die iranischen Gegenangriffe trafen Israel weit schwerer als im ersten Krieg und richteten sich diesmal auch mit voller Wucht gegen die Militärbasen der USA in den arabischen Nachbarstaaten.
Sie zielten zunächst sehr präzise gegen die Luftabwehrsysteme, die diese und auch die Territorien der Golfstaaten schützen sollten und zerstörten dabei u.a. Milliarden teure Hightech-Radar-Anlagen. Anschließend fokussierten sie sich auf Flugzeughangars, Landebahnen und Kommunikationssysteme auf den Stützpunkten. Die Iraner konnten dabei eine Reihe von Tank- und AWACS-Aufklärungsflugzeugen außer Gefecht setzen. Es gelang ihnen auch moderne Kampfjets und teure Hightech-Drohnen über dem Iran abzuschießen. Angriffe auf Flugzeugträger und Zerstörer der US-Marine, zwangen die USA ihre Kriegsschiffe zurückzuziehen, 1.000 bis 2.000 Km von der iranischen Küste weg.

Mehr News Agency MNA, 16.9.2026
All dies demolierte gründlich vor den Augen der Welt den bisherigen Nimbus der eigenen Unverwundbarkeit und wurde im Globalen Süden mit großer Genugtuung verfolgt.
Die Trump-Administration versucht mit allen Mitteln, die immensen Schäden zu vertuschen, u.a. durch die Sperrung des Zugangs zu Satellitenbildern. Ihr genauer Umfang ist noch lange nicht bekannt. US-Medien haben aber durch intensive Recherche ermittelt, dass über 250 Gebäude und Einrichtungen auf 26 US-amerikanischen Militärstandorten schwer beschädigt oder zerstört wurden. (Das Wall Street Journal belegt dies auf einer interaktiven Seite mit einer großen Zahl von Fotos, Satellitenbilder und Karten.)
Die meisten Stützpunkte sind nun faktisch unbrauchbar. Die US-Streitkräfte mussten daher und zum Schutz vor erneuten iranischen Angriffen, den größten Teil ihrer Truppen, Anlagen, Logistik, Waffen etc. aus dem Persischen Golf abziehen. [5]
Der Iran hatte sich offensichtlich sehr gut auf diesen asymmetrischen Krieg gegen zwei, an sich materiell und technologisch weit überlegenen Armee vorbereitet und dabei auch die Lehren aus dem Krieg im Juni berücksichtigt. Die Kommandostrukturen waren so dezentralisiert worden, dass Einheiten kampffähig blieben, auch wenn Führungsstäbe ausgeschaltet oder die Kommunikation gestört wurde. Die Ermordung mehrerer hochrangiger Kommandeure zu Beginn des neuen Krieges hatte daher die Gegenwehr zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt.
Insbesondere hatten die Iraner das für die Aggressoren überraschend große Arsenal an Drohnen und Raketen, wie auch Abschussanlagen und Produktionsstätten erfolgreich in Höhlen und Tunnel verborgen und verbunkert, sodass sie das massive Bombardement recht gut überstanden.
Einer durchgestochenen Einschätzung der US-Geheimdienste zufolge, verfügt der Iran noch über 70% seiner Drohnen und Raketen und blieben 90% seiner Abschuss-Anlagen intakt. [6] USA und Israel auf der anderen Seite haben einen guten Teil ihres Bestands verschossen.
Ermöglicht wurde die effektive Gegenwehr auch durch die militärische Unterstützung aus Russland und China, die diese nach dem 12-Tage Krieg massiv ausgebaut hatten. So hatten sie danach auch moderne Luftabwehranlagen und Kampfjets geliefert und trugen im Krieg mit der Bereitstellung von Aufklärungsdaten ihrer Satelliten und Kriegsschiffen zur hohen Treffergenauigkeit der iranischen Geschosse bei.[7]
Die wirkungsvollste Gegenwehr war und ist jedoch bekanntlich, die weitgehende Sperrung der Straße von Hormus, die allerdings keineswegs überraschend kam, Teheran hatte diese Reaktion angekündigt. Dadurch werden nicht nur gut 20 % Öl- und Gas-Transporte blockiert , sondern auch Containerhäfen in Katar, Bahrain und Kuwait, die zu den größten der Welt zählen.
Zudem hat der Iran – in Vergeltung für Angriffe auf die eigenen Infrastruktur – Erdgasanlagen und Raffinerien in arabischen Golfstaaten angegriffen. Dadurch wird ein erheblicher Teil der weltweiten Produktion für viele Monate, wenn nicht Jahre ausfallen. Nach Einschätzung von Experten handelt es sich um den bislang größten Ausfall von Erd-Öl, Gas und Ölprodukten in der Geschichte. Aber auch Metalle und Düngemittel wurden extrem knapp. Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft sind daher auch auf längere Sicht enorm und sind auch in den USA deutlich spürbar. Trump sah sich daher sowohl aus militärischen als auch wirtschaftlichen Gründen zur Waffenruhe gezwungen, die am 8. April in Kraft trat.
Verhandlungen
Diese blieb bekanntlich mehr als fragil. Sie wurde und wird auch immer wieder gebrochen. Dabei hatte Donald Trump am 17. Juli gemeinsam mit dem iranischen Präsidenten, Massud Peseschkian, ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. Diese auch „Islamabad Memorandum“ genannte Absichtserklärung umfasst 14 Punkte und war von Pakistan, Saudi-Arabien, der Türkei, Ägypten und Katar vermittelt worden.
Diese sahen zunächst einige vertrauensbildende Maßnahmen vor: so sollte der Iran binnen zweier Monate die Minen in der Straße von Hormus räumen, um die Wiederaufnahme einer freien Durchfahrt internationaler Handelsschiffe vorzubereiten. Die USA sollten ihrerseits die Blockade iranischer Häfen beenden und ihre Kriegsmarine aus dem Gebiet abziehen. Dann sollten Gespräche aufgenommen werden, um die anderen Punkte der Erklärung umzusetzen: die Aufhebung aller Sanktionen – einschließlich der Finanzblockaden gegen den Iran und gegen die iranische Zentralbank – Freigabe beschlagnahmter iranischer Gelder und Vermögenswerte in Höhe von ungefähr 200 Milliarden US-Dollar.
Der Wortlaut des aus 14 Punkten bestehenden Memorandums hat Beobachter weltweit überrascht. Es enthält sehr viel von dem, was der Iran zuvor schon als Verhandlungsgrundlage vorgelegt hatte und erschien vielen daher beinahe als Kapitulation Washingtons vor den iranischen Forderungen.
Es war wenig verwunderlich, dass ein großer Teil der US-Establishment und das Netanyahu-Regime dagegen Sturm lief.
Entsprechend kurzlebig war seine Wirkung. Nur wenige Tage nach der Unterzeichnung nahmen die US-Streitkräfte die Bombardierung von Zielen im Iran wieder auf und Präsident Trump drohte dem Iran mit der „Auslöschung der gesamten iranischen Zivilisation“. Der Iran reagierte seinerseits mit erneuten Angriffen auf US-amerikanische Militärbasen in benachbarten arabischen Golfstaaten.
Während dies laut Memorandum Bestandteil späterer Verhandlungen sein sollte, fordert Trump nun wieder den vollständigen Verzicht auf die Anreicherung von Uran und die Abgabe der vorhandenen Bestände an angereichertem Uran an die USA. Doch unabhängig davon steht im Zentrum aber die Auseinandersetzung um die iranische Kontrolle der Straße von Hormus.
Teheran hat Ende September, am Rande der Vollversammlung der UNO in New York in einem neuen Anlauf den sogenannten „Sieben-Tage-Vorschlag“ vorgelegt, der zentrale Punkte aus dem Islamabad Memorandum enthält, aber auch neue Elemente enhält. Die Straße von Hormus könne diesem zufolge innerhalb von sieben Tagen geöffnet werden. Zentrale Voraussetzungen wären der Abzug von Marine und Armee der USA aus der Golfregion und die Freigabe von in den USA beschlagnahmten iranischen Vermögenswerten. [8] Trump lehnte es ab, überhaupt darüber zu reden.
Die Einstellung seines Atomprogramm kommt für Teheran nicht in Frage. Im Iran ist das strikte Beharren auf seine Souveränität und die Ablehnung jeglicher Beschränkungen, die ihn gegenüber anderen Unterzeichnern des Atomwaffensperrvertrages diskriminieren, breiter Konsens.
Für die Mehrheit in der iranischen Führung wohl verhandelbar, wäre die Menge an angereichertem Uran zeitweise abzugeben, die das Land nicht unmittelbar, z.B. für medizinische Zwecke, benötigt. Allerdings nicht an die USA. Auch zu einer erweiterten Kontrolle, wie unterm Wiener Abkommen wäre sie wohl bei ausreichendem Entgegenkommen bzgl. ihrer Forderungen wieder bereit, sofern sichergestellt werden könnte, dass das neue Abkommen nicht wieder einfach gebrochen werden kann.
Die Iraner verlangen ohnehin vor dem tieferen Einstieg in Verhandlungen, dass die USA zuallererst belastbare Garantien geben, dass sie und Israel keinen neuen Krieg beginnen. Dazu würde der Abbau aller US-Militäreinrichtungen in der Region zählen. Darüber hinaus besteht Teheran, dass zuvor auch die Wirtschaftsblockaden wie auch die anderen Kriege Israels beendet werden.
Bei dem von ihm angestrebten schrittweisen Vorgehen, sollte dann über das Vorgehen bzgl. der Straße von Hormus entschieden werden, die der Iran dann unter seiner Hoheit wieder freigeben wolle. Und erst danach sollten andere Themen wie das Atomprogramm verhandelt werden.
Teheran sieht sich in Position der Stärke
Dass der Iran zumindest eine Pattsituation erreichte, bedeutet aus Sicht Teherans das Ende der jahrzehntelange Eindämmungspolitik der USA gegen die Islamische Republik. Es will diesen Erfolg auf alle Fälle in einem Abkommen, das den Krieg beendet, verankern. Die iranische Führung wird daher auf der Kontrolle der Straße von Hormus und der Erhebung von Gebühren von durchfahrenden Schiffen strikt beharren. Da sie ist überzeugt ist, dass der Krieg das Kräfteverhältnis zu Gunsten des Irans verschoben hat wird sie entsprechend verhandeln.
Trump wiederum erklärte am Ende alle bisherigen iranischen Vorschläge als unannehmbar und droht immer wieder mit Wiederaufnahme des Krieges bis hin zur Vernichtung des Landes. Vorerst setzt er aber auf Verschärfung der Blockaden, nicht zuletzt, weil die militärischen Kapazitäten der US-Streitkräfte erschöpft sind und die Militärstützpunkte immer noch weitgehend außer Gefecht. Nach wie vor hält die Gefahr iranischer Angriffe die US-Kriegsschiffe auch auf großer Distanz zu den iranischen Küsten.
Trump und seine übermütigen Berater hoffen immer noch, dass starker wirtschaftlicher Druck die Machthaber in Teheran letztlich doch noch wenigsten zu einem gewissen Einlenken zwingen werde oder die Bevölkerung durch wachsende Verelendung zum Aufstand bewegen könne. Das ist jedoch nach Ansicht realistischer Experten reines Wunschdenken. Das Land hat in den letzten 15 Jahren seine Wirtschaft gehärtet und vielfältige Fähigkeiten entwickelt, solchen Schwierigkeiten zu trotzen.
Auch wenn das US-Militär seine Seeblockade gegen iranische Ölexporte als „lückenlos“ bezeichnet. Gelingt es den Iraner zum Glück dennoch mit Hilfe ihrer ausländischen Partner, Öl und Gas über Umwege zu exportieren: übers Meer, z.B. durch kleinere unauffällige Schiffe oder Tanker, die vor Oman umgeladen werden, aber auch über Land.
Der Iran hat13 Eisenbahnverbindungen zu den Nachbarländern. Darüber läuft ein immer größerer Teil des Handels, insbesondere mit Russland und Pakistan.
Im Mai 2025 wurde ein 10.400 km langer Eisenbahnkorridor in Betrieb genommen, der den Iran direkt mit China verbindet. Die Zahl der Züge über die der Iran essentielle Güter, wie Maschinen und Elektronik aus China enthält, wurde seit Beginn der US-Seeblocke fast verdoppelt.[9] Auch wenn der Export von Öl- und Gas in die umgekehrte Richtung Transporte per See nicht ersetzen kann, bringt es eine ausbaufähige Entlastung. [10]
In welchem Umfang der Iran die Blockade umgeht, kann naturgemäß nicht geschätzt werden, da ein großer Teil verdeckt laufen muss. Die Wirtschaft des Landes hat zweifellos mit massiven Schwierigkeiten zu kämpfen, ein Kollaps ist aber nicht in Sicht.
Bevölkerung hinter Regierung
Und genauso wenig ein Regime Change, ganz im Gegenteil. Die große Mehrheit der Bevölkerung hat sich ganz offensichtlich hinter die Regierung gestellt.
Trumps und seine Berater ordneten ihren Überfall in der Überzeugung an, dass die Ermordung von Ayatollah Ali Chamenei und weiteren hochrangiger Führern einen massiven Aufstand gegen die Regierung auslösen würde. Stattdessen mobilisierte Chameneis Tod nicht nur entschiedene Anhänger der Islamischen Republik. Den nächtlichen Versammlungen zur Unterstützung ihres Landes schlossen sich bald auch IranerInnen an, die der Regierung kritisch gegenüberstehen. Sie bildeten gemeinsam Menschenketten zum Schutz von Kraftwerken und versammelte sich auf Brücken, die von Luftangriffen bedroht waren.
Die Türkei hat sich zu Beginn des Krieges auf die nötige Aufnahme zigtausender iranischen Flüchtlinge vorbereitet. Doch nur wenige Menschen flohen. Stattdessen kehrten viele im Ausland lebende Iraner in ihre Heimat zurück, darunter seit langem im Exil lebende Kulturschaffende, Journalisten und Politiker, wie die Sänger Mohsen Namjoo und Bijan Mortazavi.[11]
Dies bedeutet natürlich nicht zwangsläufig Zustimmung zur Verfasstheit und Politik der Islamischen Republik. Der Iran ist jedoch ein Land mit einer Jahrhunderte alten Kultur und Identität. Sicherlich haben viele Iranerinnen und Iraner weiterhin viel Kritik an ihrer Regierung, wie in den meisten Länder. Das bedeutete aber auch vor dem Krieg noch lange keine Befürwortung eines Umsturzes. Die Bombardierungen iranischer Städte und die wiederholten Drohungen von US-Präsident Donald Trump, die Zivilisation des Landes auszulöschen, ließ die meisten Iraner nun auch alle Differenzen zurückstellen.
Ein Universitätsprofessor sagte Journalisten von Foreign Affairs, dem führenden außenpolitischen Magazin der USA: „Das Land ist in einen nationalen Krieg eingetreten, und eine neue Identität wird geschmiedet.“ Auch wenn sie alle durch Kriegsschäden, Todesopfer und großer wirtschaftliche Schwierigkeiten einen hohen Preis zahlen, ist offenbar ein Großteil der Iranerinnen und Iraner bereit, diese Entbehrungen auf sich zu nehmen, für die Verteidigung des Landes und seiner Souveränität.
Deutlich zeigte sich dies bei den Trauerzeremonien für Ayatollah Chamenei im Juli. Sie brachten zig Millionen Iraner auf die Straße, allein bei den Feierlichkeiten in Teheran waren es laut Al Jazeera zwölf Millionen. Aber nicht nur im Iran, sondern in der gesamte schiitische Gemeinschaft weltweit wurde des international geachteten geistlichen Führers gedacht. Zu den Zeremonien in den irakischen Städten Nadschaf und Kerbela strömten bis zu zehn Millionen Menschen, fast zehnmal so viele, wie jährlich nach Mekka pilgern.
Die Trauerfeiern bedeuteten eine enorme moralische und politische Unterstützung für den Iran. Etwa dreißig Staaten entsandten offizielle Delegationen. Neben den Nachbarländern und den engen Verbündeten u.a. auch Serbien, Indonesien, Malaysia, Ägypten und sogar Saudi-Arabien und Katar.
Anstatt den Iran zu brechen, hat die Herausforderung durch den Krieg ihn gravierend verändert, so Foreign Affairs in ihrer Juli/August-Ausgabe.[12] Um zu widerstehen, habe sich die Islamische Republik anpassen und innovativ sein müssen und dabei auch ihre Art der Kriegsführung, der Staatsführung und der Verwaltung ändern müssen – und das musste mit beispielloser Geschwindigkeit.
Dabei hat die iranische Führung durchaus auch die Lage der Menschen im Blick. Sie bemüht sich intensiv, die für viele durch die Wirtschaftsblockaden und den Krieg geschaffene Notlage abzufedern. So verteilt sie Lebensmittelgutschriften und gewährt Subventionen auf Kraftstoff. Sofort nach dem Waffenstillstand begann sie auch mit umfangreichen Wiederaufbauprojekten und Maßnahmen.
Auch Kritiker erkennen an, dass dies unter den gegebenen Umständen erstaunlich gut gelingt. All dies stärkt das Vertrauen in die Regierung. Manche Iraner spotten, dass sie diese Effektivität auch gerne früher gesehen hätte.
In den staatlichen Medien werden Bilder von Frauen mit und ohne Hidschab nebeneinander zur Normalität. Dies soll dazu beitragen, die iranische Identität mehr als kulturell als rein religiös geprägt darzustellen. Damit sollen Brücken zu den Teilen der Gesellschaft gebaut werden, die die Islamische Republik bisher am stärksten abgelehnten, wie die Jugend und die städtische Mittelschicht.
Auch Teherans Kommunikation hat sich drastisch geändert. Die Meldungen der iranischen Regierung über Medien und diplomatische Kanäle zeugen nun von einem ausgeprägten Verständnis fürs globale Publikum. So veröffentlichten iranische Botschaften virale Inhalte, wie animierte Musikvideos mit Lego-Figuren, in den sozialen Medien, die die öffentliche Diskussion über den US-israelischen Krieg und den Iran weit über die Golfregion hinaus beeinflussten. Der Iran erreichte mit seinen Darstellungen des Krieges Zielgruppen in der arabischen Welt, in Afrika, Lateinamerika, Südostasien und sogar in den Vereinigten Staaten und in der EU. Die strategische Kommunikation des Iran spiegele dieselbe technokratische Geschicklichkeit wider, die auch die militärische Kampagne geprägt hat, meint Foreign Affairs. Der Krieg habe einen neuen Iran hervorgebracht, der den Nahen Osten neugestalten und den Verlauf der Geopolitik auf Jahre hinaus beeinflussen werde, so das Fazit des jeglicher Sympathie für die Islamische Republik unverdächtigen Magazins.
Insgesamt erscheint der Iran somit zwar wirtschaftlich geschwächt, aber innenpolitisch wie außenpolitisch gestärkt. Das macht verständlich, dass Teheran wohl davon ausgeht, dass es die USA besiegen kann und wird.
Die verschiedenen Fraktionen im iranischen Establishment befürworten durchaus unterschiedliche Ansätze. So heben die gemäßigteren, wie Präsident Masoud Pezeshkian und Parlamentspräsident Mohammad Ghalibaf die wirtschaftlichen Nöte der Bevölkerung hervor und sind mehr für Diplomatie und Verhandlungslösungen. Die Hardliner hingegen, die seit der Ausschaltung Chameneis und anderer führender Persönlichkeiten dominieren, setzen dafür mehr auf militärische Stärke und Abschreckung. Alle sind sich aber in den zentralen Zielen einig: die US-Streitkräfte aus der Golfregion zu vertreiben, Washington zur Aufhebung aller Sanktionen zu zwingen und dazu zu bringen, den Iran als bedeutende Regionalmacht zu akzeptieren.
Militärisch hoffen sie dies dadurch zu erreichen, dass sie im Falle erneuter US-Angriffe das US-Militär noch entschiedener angreifen, nicht nur in der Region und sondern auch darüber hinaus, sowie auch weitere wichtige Infrastruktureinrichtungen in den arabischen Golfstaaten. Und wirtschaftlich, indem sie weiterhin den Transport von Öl, Gas und anderen essentiellem Güter blockieren und so die Preise hochhalten. D.h. Teherans Strategie besteht letztlich darin, durchzuhalten und der Gegenseite maximalen Schaden zuzufügen.
Die Trump-Administration auf der anderen Seite, sah in der Seeblockade und der Ausweitung der Sekundärsanktionen ihre Wunderwaffe, mit der sie den Krieg doch noch gewinnen könne. Doch während der Iran ihr trotzt, zieht sie die Weltwirtschaft noch weiter in massive Mitleidenschaft.
Trump sieht sich einer Pattsituation ausgesetzt, die in gehörig in die Bredouille bringt. Eine Fortsetzung des Krieges erscheint wohl auch ihm schwierig und mit unsicherem Erfolgsausschichten. Er braucht Vereinbarungen mit Teheran, die es ihm ermöglichen, zu behaupten, er habe den Iran in die Knie gezwungen und jegliche Atombombengefahr, die vom Iran ausgehen könne, endgültig beseitigt. Es gelingt ihm aber nicht, die Iraner dazu zu bringen, mitzuspielen
Teheran besteht auf etwas, das die USA strukturell schwer bieten können: Sicherheitsgarantien, denen der Iran vertrauen kann. Welche Zusicherungen eine US-Regierung heute auch gibt, sie können – so die bitteren iranischen Erfahrungen – von der nächsten Regierung oder sogar von derselben Regierung wenige Monate später widerrufen werden. Das Land braucht zudem die zuverlässige Beseitigung von Finanzblockaden, die nicht über das US-Finanzsystem jederzeit wieder rückgängig gemacht werden können. Beides– verlässliche sicherheitspolitische Rückendeckung und vom Dollar unabhängige wirtschaftliche Lebensadern – können eher Russland, China und zunehmend auch Indien bieten. Erfolgversprechende Verhandlungen über ein dauerhaftes Ende des Kriegs, kann daher wohl nur mit russischer, chinesischer und indischer Beteiligung zustande kommen. Das würde jedoch deren Position in der Region, auf Kosten der USA weiter steigern – auch aus Sicht der arabischen Golfmonarchen.
Krieg nach den Zwischenwahlen?
Angesichts der Sackgasse in die er sich manövriert hat, lässt Trump offenbar die Option vorbereiten, nach den Zwischenwahlen am 3. November, den Iran erneut massiv anzugreifen, sollte Teheran bis dahin nicht nachgegeben haben. Die US-Streitkräfte verlegen seit mehreren Wochen bedeutende Verstärkungen in die Region. Die Rede ist von rund 10.000 zusätzliche Soldaten, amphibische, für Landeoperationen eingerichtete Einheiten mit 4.000 Mann und einen weiteren Flugzeugträger – die USS Theodore Roosevelt.
Eine signifikant größere Schlagkraft wird von vielen Militärexperten allerdings nicht gesehen. Berichte, dass dem Iran bald drei Flugzeugträger gegenüberstehen würden, sind z.B., wie der renommierte Analyst John Mearsheimer erläutert, irreführend. Die Roosevelt kommt als Ersatz für die USS George Washington, die dringend zur Wartung muss, während der vermeintliche dritte Flugzeugträger, die USS George H.W. Bush, den Nahen Osten bereits verlassen hat. Es sei schwer vorstellbar, dass schon bald nach den Zwischenwahlen zwei oder mehr am Golf sein werden.[13]
Zudem haben die USA generell massive Schwierigkeiten mit ihrer Marine. Der lange Einsatz hat Personal und Material stark belastet. Die Kriegsschiffe haben mittlerweile erhebliche Probleme mit der Wartung. Dies wird dadurch noch verschärft, dass sie keinen Zugang mehr zu Logistikeinrichtungen in der Golfregion haben und auf Versorgung aus entfernten Stützpunkten wie Diego Garcia angewiesen sinnd, 4.000 Km vom Persischen Golf entfernt. Zudem konnten die USA auch ihre Arsenale an Raketen, Marschflugköper etc. bisher noch nicht wieder auffüllen.
Nach Ansicht von Experten der realistischen Schule, wie John Mearsheimer, wäre daher eine Wiederaufnahme des Krieges erneut zum Scheitern verurteilt und spiegle eher einen Ausdruck der Verzweiflung der Trump-Regierung wider. Der US-Präsident habe einen Krieg begonnen, den die USA zwangsläufig verlieren würden, und es gäbe kaum etwas, was er jetzt noch tun könne, um daran noch etwas zu ändern.
Dem stehen Forderungen der Falken in den USA gegenüber, nun weite Teile der iranischen Ölinfrastruktur komplett zu zerstören
Der Iran würde aber zweifellos Vergeltung üben, indem er die Ölinfrastruktur der arabischen Staaten verwüsten würde, an denen auch US-Unternehmen und Investoren in großem Maß beteiligt sind – mit zusätzlichen gravierenden Folgen für die Weltwirtschaft. Der Tehran Times zufolge hat der Nachfolger Ayatollah Ali Chamenei als Staatsoberhaupt, sein Sohn Mojtaba Chamenei, angeordnet, dass jede Bedrohung eine Reaktion erhalte, die „unverzüglich, wirksam und ohne geografische Begrenzung“ sei, d.h. auch Angriffe auf Ziele jenseits der Golfregion beinhalten könnte. [14] Dazu hat die iranische Führung nun auch die Beschränkung der Reichweite iranischer Raketen auf 2.000 km aufgehoben, die der Iran bisher zur Beruhigung der Europäer festgelegt hatte.
[Berichten zufolge wird im Pentagon auch der Einsatz der stärksten nicht-nuklearen Bombe im US-Arsenal erwogen, der als „Mutter aller Bomben“ bekannten „GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast Bomb“ (MOAB).[15] Die fast 10 Tonnen schwere Bombe, die durch die Zündung wenige Meter über dem Boden eine gewaltige, 26.000 km/h schnelle Druckwelle auslöst, kann innerhalb von 500 Meter alles nicht verbunkerte zerstören und im Umkreis von bis zu 1,5 km alles Leben auslöschen. Sie ist damit faktisch eine Massenvernichtungswaffen.[16] Die Bush-Administration scheute daher und wegen ihrer kaum kalkulierbaren zivilen Opfer ihren Einsatz im Irakkrieg. Gegen die angeblich im Visier stehenden, verbunkerten Nuklearanlagen kann die MOAB nichts ausrichten. Ihr Einsatz wäre ein nacktes, schweres Kriegsverbrechen eine erhebliche Eskalation des Krieges bedeuten. Es steht zu hoffen, dass sich Trump von der abzusehenden internationalen Empörung davon abhalten lässt.]
Der Krieg ist ohnehin selbst in den USA extrem unpopulär, nicht zuletzt auch unter Trump-Anhängern, denen er ein Ende der „dummen Kriege“ versprochen hatte. Vor allem werden ihm die stark gestiegene Preise für Öl und Gas übelgenommen, gegen die alle seine Bemühungen wirkungslos blieben. Der Rohölpreis kletterte vorgestern an den Börsen sogar auf den höchsten Stand seit Corona. Weitere Preissteigerungen würden Trumps Reputation noch massiver zusetzen. Allerdings muss er sich keinen Wahlen mehr stellen.
Die Gefahr, dass er sich für erneutes Bombardements bleibt daher hoch, Im Iran bereiten sich Regierung, Militär und Revolutionsgarden Berichten zufolge intensiv darauf vor. Ihr Vertrauen in den Bestand der Waffenruhe war ohnehin von Anfang an recht gering.
Israel würde sich sicherlich wieder beteiligen. Netanyahu hat die Notwendigkeit aus ihrer Sicht immer betont. Gespräche zwischen ihm und Vertreter Trumps laufen. Auch wenn er die kommenden Wahlen verliert, wird er im Amt bleiben, bis eine neue Regierung steht. Das kann lange Dauern und Netanyahu auf baldige gemeinsame Angriffe drängen lassen.
Ausweitung eines erneuten Krieges
Eine erneute Angriffswelle würde den Krieg aber mit ziemlicher Sicherheit auf andere Länder ausdehnen. Bereits jetzt ist der Krieg zwischen Saudi Arabien und dem von den Huthi kontrollierten Teil Jemens wieder entflammt, wie auch die Kämpfe im Land zwischen den von den Huthi angeführten jemenitischen Streitkräften und der Anti-Huthi-Koalition, die hinter der „internationalen Regierung stehen“, die im Westen immer noch als rechtmäßig angesehenen wird. Beobachter sprechen schon von einer „Zweiten Front“ des Irans.
Die Huthi-Bewegung, die sich selbst „Ansar Allah“ nennt, hatte, nachdem Saudi Arabien die langjährige Waffenruhe gebrochen hatte, einen Großoffensive gestartet, nach Süden, der Küste des Roten Meeres entlang. Sie konnten dabei u.a. den strategisch wichtigen Hafen von Mokha einnehmen, sowie auch die Insel Perim, die direkt in der Meerenge Bab el-Mandeb liegt, die das Rote Meer mit dem Indischen Ozean verbindet. Durch diese Meerenge fließen 12 Prozent des Welthandels.
Mit der Blockade der Straße von Hormus, ist das Rote Meer zur Lebensader für die saudische Ölindustrie geworden. Saudische Tanker, die vom Saudischen Verladehafen Yanbu auslaufen, befinden sich nun aber innerhalb kurzer Distanz für Angriffe der Huthis. Dadurch sind die saudischen Ölexporte durch das Bab el-Mandeb drastisch eingebrochen. Die Saudis mussten ihre Ölproduktion lauf Bloomberg auf 6,2 Millionen Barrel am Tag und damit auf den niedrigsten Stand seit den 1990er-Jahren zurückgefahren.
Am 30. Juli kündigte Riad eine aus 14 Ländern bestehende Marinekoalition zur Verteidigung des Roten Meeres an, zu der unter anderem die Türkei, Pakistan, Ägypten, der Sudan und Dschibuti gehören. Bislang waren deren Erfolge aber eher dürftig. Eine entscheidende militärische Lösung für die Bedrohungen durch die Huthis ist, so eine Einschätzung in den Foreign Affairs, nicht zu erwarten.[17]
Ein weiteres potentielles Schlachtfeld in diesem Krieg ist der Irak. Pro-iranische Milizen, die Teil der irakischen Streitkräfte sind, hatten aus Empörung über den Überfall auf und zur Unterstützung des Iran US-Stützpunkte im Irak und Ziele in Saudi-Arabien angegriffen, darunter wichtige Ölpipelines, die saudisches Öl zu Anlagen am Roten Meer transportieren. Auf der anderen Seite führten die USA auf massive Luftangriffe auf weite Teile Iraks aus, bei denen Dutzende Mitglieder der Milizen getötet wurden.
Regionale Umbrüche – weg von US-Dominanz
So angespannt die Lage auch bleibt, hat der erfolgreiche Widerstand des Iran schon erhebliche Umwälzungen verursacht. Trumps ungezügeltes, gewaltsames Vorgehen, das völkerrechtliche Regeln völlig missachtet, hat auf alle Fälle einen massiven Dämpfer bekommen. Die Stellung der USA in der Region ist stark ramponiert
Die iranischen Angriffe haben eine tiefe Vertrauenskrise in den Golfstaaten gegenüber der Vormacht ausgelöst. Die USA haben die arabischen Golfstaaten in einen Krieg gezogen, den sie vehement abgelehnt haben, sie aber nicht vor den iranischen Angriffen schützen können. Alle erlitten erhebliche Schäden und verzeichnen schwere Verluste. Die Verärgerung über das rücksichtlose Vorgehen der Vormacht ist groß, das Vertrauen in die USA als Schutzmacht dahin, die Beziehungen schwer angeschlagen. Die Golfmonarchien haben ihre Volkswirtschaften in der Erwartung aufgebaut und modernisiert, dass ihre Länder als stabile Standorte für Investitionen gelten würden. Die Drohnen- und Raketenangriffe des Iran haben dies zunichte gemacht.
Dieser Vertrauensbruch wird den Krieg überdauern. Es ist daher durchaus offen, wie viele US-Stützpunkte wiederaufgebaut werden, nachdem, die arabischen Verbündeten nun sicher mehr Risiken als Nutzen darin sehen werden.
Die meisten Golfstaaten verstärken ihre Bemühungen, sich von den USA abzukoppeln und sich bündnismäßig mehr nach Asien zu orientieren, in Richtung dortiger islamischer Länder, wie Pakistan, aber auch mehr in Richtung China, den BRICS.
Ein deutliches Zeichen dafür ist das „Mekka-Abkommen“, ein Militärpakt Saudi Arabiens mit Pakistan und der Türkei, der die USA außen vorlässt. Das Verteidigungsabkommen, das ähnliche Verpflichtungen wie Artikel 5 des NATO-Vertrags enthält, ist keineswegs, wie es hierzulande dargestellt wird, primär gegen den Iran gerichtet, sondern gegen Israel. [Die Türkei sieht sich in Syrien direkt mit Israel konfrontiert und wird von israelischen Politiker und Militärs bereits als der „„neue Iran“ bezeichnet. Pakistan sieht mit Sorge die immer engere militärische Zusammenarbeit Israels mit Indien, inklusive gemeinsamer Manöver.]
Hochrangige Vertreter der drei Staaten trafen sich Ende Oktober in Teheran, um über „Frieden und Sicherheit in der Region“ zu beraten. Sie streben offenbar an, dies zukünftig ohne die USA zu regeln.[18] Ägypten schloss sich diesen Gesprächen an und schließlich trafen sich Vertreter dieser bereits „R4“ genannten Regionalmächte in Istanbul mit Vertreter der vier bedeutendsten Mächte Westeuropas – Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien („E4“) – um über die Eindämmung der Kriege und Konflikte im Nahen und Mittleren Osten zu beraten, insbesondere erneute Großangriffe der USA und Israels auf den Iran. Auch dies sind deutliche Bestrebungen durch engere Kooperation mit anderen Mittelmächten die Abhängigkeit von den USA zu überwinden und zu einer neuen Sicherheitsordnung zu kommen. [19]
Ähnliche Bestrebungen sieht man auch bei den anderen arabischen Golfmonarchien. Auch sie intensivieren ihre Beziehungen mit China, Russland und dem BRICS-Bündnis und beteiligen sich an den verbreiteten Bemühungen, sich vom dollarbasierten internationalen Finanzsystem abzukoppeln.
Eine Ausnahme sind die Vereinigten Arabischen Emirate, die mittlerweile sehr eng mit USA und Israel verbündet sind. Auch darin steckt erhebliches Konfliktpotential, nicht nur im Jemen, wo sie in direkte Konfrontation mit den Saudis stehen.
Die gewisse Neuorientierung der anderen Golfmonarchien bedeutet noch lange keinen Bruch mit den USA. Eine zunehmende Abkehr vom Petrodollar-System wird aber auch so die Stellung des Dollars als Leitwährung und als Mittel für Finanzblockaden weiter schwächen.
Schließlich hat der Krieg die Zusammenarbeit zwischen dem Iran, Russland und China weiter erheblich verstärkt ‒ auch auf militärischer Ebene.
Unabhängig wie der Konflikt zwischen USA und Iran weitergeht, ist jetzt schon sicher, dass sich im Nahen und Mittleren Osten eine neue regionale Ordnung herausgebildet hat, auf die USA weit weniger Einfluss haben wird als zuvor. Gestärkt wurde die Position Chinas und neue Regionalmächte wie Pakistan und die Türkei werden nun gewichtigere Rolle spielen. Und der Iran wird, sofern er weiter Stand hält, ein ganz zentraler Akteur sein.
Die Schwächung der USA bedeutet jedoch noch lange keine besseren Aussichten dafür, dass die Region zur Ruhe kommen kann. Die USA und die ehem. Kolonialmachte Frankreich und Großbritannien, wie auch die BRD werden noch lange nicht bereit sein, ihren Verlust an Einfluss und vorteilhaften Wirtschaftsbedingungen einfach zu akzeptieren. Und vor allem wird es keinen Frieden geben, solange Israel freie Hand und Unterstützung aus den USA, Deutschland und anderen EU-Staaten erhält.
Die BRD steht bei den Kriegen und Konflikten im Nahen und Mittleren Osten auf der Seite derer, die sie führen und verschärfen. Berlin trägt daher eine erhebliche Mitverantwortung für die Gewalt. Hier müssen wir als Friedensbewegung ansetzen. Dies können wir in der Diskussion bereden und auch warum es kaum Proteste gegen den Irankrieg gab.
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Warum blieb Protest gegen den Krieg weitgehend aus?
Wenn man die Brisanz der völkerrechtswidrigen Aggression sieht, die gravieren weltweiten Folgen und die Eskalationsgefahren, stellt sich die der Frage, warum die Proteste gegen den Irankrieg derart schwach blieben. Während gegen den Irakkrieg 2003 auch in Deutschland Hunderttausende demonstrierten, brachte der erneute Krieg gegen den Iran nur noch wenige Kriegsgegner auf die Straße. Die Dämonisierung des Landes wirkt offensichtlich weit in die Linke und die Friedensbewegung hinein. Trotz Ablehnung der Aggression wollen viele den Anschein vermeiden, das „Mullah-Regime“ zu verteidigen.
Auch in der Linken wird unkritisch das herrschende Feindbild einer finsteren theokratischen Gewaltherrschaft übernommen, der die Mehrheit der Iranerinnen und Iraner unversöhnlich gegenübersteht. Dieses Bild wurde durch jahrzehntelange Propaganda geschaffen und stützt sich auf die Stimmen der iranische Auslandsopposition, die andere iranische Stimmen in der Diaspora oder im Land selbst, völlig übertönt.
So ist die Islamische Republik, auch wenn Geistliche auf verschiedenen Ebenen führende Positionen haben, weniger eine Theokratie als ein hybrides Gesellschaftssystem: eine Republik, basierend auf der konstitutionellen Revolution von 1906, mit demokratischen Elementen westlicher Prägung, eingeschränkt durch das Prinzip der religiösen Vormundschaft. In der täglichen Politik spielen Geistliche allerdings keine dominierende Rolle. In vielerlei Hinsicht ist die Politik im Iran weniger von der Religion beeinflusst als in Israel oder in den USA wo der zionistische Messianismus von Evangelikalen, wie dem Kriegsminister Hegseth, erheblichen Einfluss hat.
Sicherlich wird das Land autoritär regiert, gibt es patriarchalische Machtstrukturen, Repression, Beschränkung von Meinungsfreiheit etc.. Doch unterscheidet sich der Iran dabei nicht von den arabischen Verbündeten des Westens. Er ist in vielem sogar, wie der Schweizer Iran-Kenner Patrick Ringgenberg betont, wesentlich moderner und demokratischer – obwohl das Land seit Jahrzehnten Destabilisierungsbemühungen und terroristischen Angriffen feindlicher Mächte ausgesetzt ist. [20]
Könnte sich das „Regime“ tatsächlich nur mit Gewalt gegen eine überwiegend ablehnende Bevölkerung an der Macht halten, hätte es kaum den Krieg mit dem Irak überstanden, nicht jahrzehntelange Wirtschaftsblockaden und auch nicht den aktuellen Krieg.
Bei der Beurteilung eines Landes sollte man zudem sich zunächst auch die Lage bzgl. der sozialen Menschenrechten anschauen. Der Iran ist diesbgzl. den anderen Staaten der Region voraus – ähnlich wie früher auch der Irak und Libyen.
Durch eine Wirtschaftspolitik auf Basis der Nationalisierung der Rohstoffe hat der Iran seit 1979 durchaus einen enormen Fortschritt zu verzeichen. Trotz vieler Probleme wies der Iran über lange Zeit eine positive Handelsbilanz und ein relativ stabiles Wachstum zwischen fünf und sieben Prozent auf.
Die enorme Armut, die unterm Schah herrschte, wurde Jahr für Jahr reduziert. Berichte des UNDP zeigen, dass der Iran zwischen 1990 und 2017 einen enormen Fortschritt beim Human Development Index (HDI) erzielte. Er ist mittlerweile mit 0,799 höher als der von deutlich wohlhabenderen Ländern wie Thailand oder Mexiko und das trotz der umfassenden Wirtschaftsblockaden.[21] Dies beruht u.a. auf enorme Verbesserungen in der Gesundheitsversorgung und der Bildung. So sank die Müttersterblichkeit seit der Schah-Zeit von über 160 pro 100.000 Geburten auf 16, weniger als in den USA (17) und halb so viel wie in Argentinien (33).
Unterm Schah nahm nur ein Drittel der Mädchen im schulpflichtigen Alter am Grundschulunterricht teil, mittlerweile sind es 99 Prozent Die Schulbesuchsdauer von Kindern stieg von 2,2 Jahren auf 11,9 Jahre für Jungen und 11,8 Jahre für Mädchen.. Der Anteil von Mädchen und jungen Frauen unter den Studierenden an Hochschulen stieg von 3 Prozent im Jahr 1978 auf heute 60 Prozent.
Frauen haben sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr Rechte erkämpft. Sie sind längst im Parlament und in Regierungsämtern vertreten, sind Professorinnen an Universitäten, arbeiten als Ingenieurinnen, in den Medien und auch in nahezu allen anderen Arbeitsbereichen, inklusive Militär und Polizei. Die Vorschriften für Kopftücher wurden gelockert, Bilder von iranischen Märkten in den Großstädten zeigen nicht weniger Frauen ohne Kopftuch als welche aus Ankara.
Zum Schluss noch aus dem vorher erwähnten Appell, der einen anderen Blick präsentiert, einen der mehr von fortschrittlichen Kräften des Globalen Süden geprägt ist aber auch von renommierten westl. Kennern der Region wie Richard Falk und Hans von Sponeck unterzeichnet wurde:
Der Exzeptionalismus der USA und Israels hat die Welt in eine epochale Entscheidung zwischen Macht und Recht, Souveränität und Unterwerfung, Würde und Schande gestürzt. Dieser Moment muss der Menschheit als Weckruf dienen, damit sie erkennt, dass es einen anderen Weg geben muss. Er muss die Menschen überall dazu bewegen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die [zugrunde liegenden] Strukturen in Frage zu stellen, ….
Der Iran ist die letzte Bastion. Wenn er fällt, stirbt mit ihm die Hoffnung auf eine bessere, aufgeklärte Zukunft für die Welt. Das dürfen wir nicht zulassen. Die Aggression gegen den Iran ist Teil eines globalen Machtsystems, das uns alle unterdrückt. Wir können es uns nicht leisten, tatenlos zuzusehen, wie arroganter Autoritarismus Amok läuft.[22]
Leider blieben die Proteste hierzulande extrem schwach
[1] Iran’s New Grand Strategy – How a Remade Islamic Republic Will Reshape the Middle East, Foreign Affairs, July/August 2026
[2] J. Guilliard, Iran nach dem Zwölf-Tage-Krieg, UZ 26.12.2025
[3] ausführlich in J. Guilliard, Der schwankende Hegemon – die US-Politik in der Golfregion, in Baraki/Edlinger (HG), „Krise am Golf“, Abdruck Rubikon 9..6.2020 bei
[4] mehr dazu in J. Guilliard, Der Wirtschaftskrieg gegen den Iran: Aufstieg der Belagerten, Unsere Zeit, 23.6.2023
[5] How Iran’s precision strikes picked apart Gulf infrastructure , Reuters, 15.10.2026, Iran targeted US air defenses then hit aircraft and buildings on Mideast bases, analysis finds, The Associated Press, 31.10.2026, How Iran Battered U.S. Bases and Caused Billions in Damage, Wall Street Journal, 30.10.2026
[6] U.S. Intelligence Shows Iran Retains Substantial Missile Capabilities, New York Times 12.05.2026
[7] From drones to rocket fuel, China and Russia are helping Iran through supply chains, Atlantic Council, 25.3.2026,
Chinese Eyes, Iranian Missiles: Intelligence Cooperation in the US/Israel–Iran War 2026, Small Wars Journal, 20.03.2026
[8] Karin Leukefeld, Umbruch in Westasien – Wie der Krieg der USA und Israels gegen den Iran eine ganze Region verändert, ZLV, 17. Oktober 2026
[9] Iran Turns to China Rail Link to Try to Bypass U.S. Blockade, Bloomberg, 8.05.2026
[10] Transporting Oil to China by Rail Will Not Solve Iran’s Export, The Diplomat, 28.05.2026
[11] Iran’s Theory of Victory, Tehran’s Fight for Great-Power Status in the Post-American Middle East, Foreign Affairs, 9.10.2026
[12] Iran’s New Grand Strategy – How a Remade Islamic Republic Will Reshape the Middle East, Foreign Affairs, 3.06.2026
[13] John Mearsheimer, Trump’s Big Bluff on Iran, 4.10.2026
[14] Spannungen mit dem Iran: Khamenei warnt Trump: „Wenn Sie uns angreifen, werden wir ohne Grenzen antworten, L’Unione Sarda, 31.10.2026
[15] Größte nichtatomare Waffe im Arsenal: USA erwägen offenbar Einsatz der „Mutter aller Bomben“ gegen den Iran, Tagesspiegel, 15.10.2026
[16] The Mother of all Bombs‘: 21,500-Lb. Monster meant to Shock Iraq into Surrender, The New York Post, 12.3.2003
[17] Iran’s Second Front, The Houthis’ Bold Advance Has Transformed the Middle East’s Wars, Foreign Affairs, 11.9.2026
[18] Iran, Saudi Arabia, Turkiye and Pakistan agree to continue talks for peace, Al Jazeera, 26.10.2026
[19] Joint Press Release on the R4 Ministerial Meeting with Counterparts from France, Germany, Italy and United Kingdom, Istanbul, 23 October 2026. gov.uk, 24.10.2026
[20] Patrick Ringgenberg, Warum der Iran den Krieg bereits gewonnen hat, GlobalBridge, 8.03.2026
[21] Human Development Report 2025, UNDP, 06.05.2025
[22] A Declaration to the Conscience of Humanity – Six Non-Negotiable Terms From International Scholars and Former Officials From 30 Countries to End the U.S. War, CounterPunch, 10.04.2026
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