zu Simon Assaf, Aufständische trotzen Assads blutiger Repression

Für journalistische Sorgfalt spricht es jedenfalls nicht. Hättet Ihr Assaf nach einigermaßen überzeugenden Belegen durch unabhängige Quellen gefragt, so hätte er wohl kaum für zehn Prozent seiner Ausführungen etwas liefern können. Und schon die Überprüfung einiger Stichproben hätte gezeigt, dass der Text in vielen Fällen selbst zu dem quer liegt, was Mainstream-Medien und Experten berichten, die Assafs Ziel, den Sturz Assads, teilen.
Wenn man diesen Bericht über die tolle „Revolution“ so liest, dann fragt man sich, wo für Euch wohl das Syrien liegt, über das sonst von unterschiedlichsten Quellen berichtet wird. Das Syrien, wo die Opposition von den Muslimbrüder und anderen islamistischen Kräften dominiert wird; wo die bewaffneten Gegner der Assad-Regierung überwiegend aus islamistischen Kämpfer bestehen, die zum guten Teil aus Libyen, Irak und anderen islamischen Ländern kommen; Wo solche Kämpfer gewaltsam gegen Alawiten, Christen und andere Minderheiten vorgehen und aus ihren Stadtteilen und Dörfern vertreiben; Wo die Freischärlertruppen von den arabischen Feudalherren und einigen Nato-Staaten, finanziert, ausgebildet und mit enormen Mengen Waffen und sonstigem Equipment ausgerüstet werden; Wo Umfragen und den letzten Urnengängen zufolge, die Mehrheit der Bevölkerung an Assad festhalten oder zumindest keinen Umsturz will.
Da Euch Artikel in der junge Welt wahrscheinlich nicht überzeugen können, solltet Ihr z.B. mal die Syrien-Reports der International Crisis Group, die einer positiven Einstellung zum „Assad-Regime“ oder einer allgemeinen antiimperialistischen Gesinnung ja absolut unverdächtig sind, neben den Text legen oder besser noch Stellungnahmen von unabhängigen Experten, wie dem Mainzer Prof. Günter Meyer, u.a. Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient. (z.B. in seinem sehr ausführliche Interview „Zu Syrien und weit darüber hinaus“, NachDenkSeiten, 27.9.2012, )
Hilfreich wären auch Berichte von Syrern vor Ort, die keiner oppositionellen Gruppe angehören. Beispielsweise von Vertretern christlicher Gemeinden, die man u.a. beim Presseorgan der Päpstlichen Missionswerke, Agencia Fides findet, unter ASIEN/SYRIEN sogar auf Deutsch. Hier liest man z.B.: Minderheiten und Zivilisten werden Opfer salafistischer Banden: ein Krieg zwischen Konfessionen muss verhindert werden oder Augenzeugen berichten: Christen sind Zielscheibe islamistischer Banden.
Dann würde auch Euch die unerträgliche Ignoranz Assafs deutlich, wenn er schreibt, Damaskus habe bisher „weniger Glück gehabt“ als Aleppo, da die Armee, die „nur leicht bewaffneten Rebellen zurückdrängen“ konnte.
Dafür würden ihm wohl die meisten Bürger Aleppos an die Gurgel gehen. Sie konnten ihre Stadt lange weitgehend aus den Unruhen heraushalten und müssen nun hilflos mit ansehen, wie Stadtviertel von ungerufenen „Befreiern“ militärisch besetzt und in Schachtfelder verwandelt werden. Sie selbst wurden zu Geiseln von in- und ausländischen Kämpfern, die ihren Krieg ohne Rücksicht darauf führen, was der Rest der Bevölkerung will. (siehe z.B. Bericht eines einheimischen Priesters: „In Aleppo leben Christen in der Hölle“ )
Sympathie mit fortschlichen Gruppen und ihren Zielen ist das Eine, aber man sollte auch in Syrien zwischen Wünschen und Realität unterscheiden, auch befreundeten Kräften nichts unbesehen glauben und verantwortungsbewusst auf Faktenbasis analysieren, welche Möglichkeiten eine historische Situation tatsächlich bietet, welche Kräfte am Werk sind und wie das Kräfteverhältnis zwischen den diversen inneren und äußeren Akteuren aussieht.
Viele Grüße,
Joachim Guilliard

3 Gedanken zu „zu Simon Assaf, Aufständische trotzen Assads blutiger Repression“

  1. Mangel an Antiimperialistische Haltung Ein sehr guter Artikel und wie so oft wird darauf nicht eingegangen.

    Marx 21, welches eine Abspaltung der trotzkistischen Linksruck ist bedient hier die bürgerliche Hetzkampagne und die mediale Kriegsvorbereitung gegen Syrien, Assad und der syrischen Bevölkerung. Vergessen wird, dass es hier auch teilweise um Klassenkampf geht. Wofür ja Marx 21 ja anscheinend steht. Warum für Klassenkampf?

    Ganz einfach. Syrien steht im Visier des Imperialismus, allen voran der USA, Frankreich, England, Deutschland und des zionistischen Israel welches starke Interessen am Fall von Assad haben. Nicht weil er ein Diktator, ein Blutsauger oder Kindermörder ist und die Bevölkerung unterdrückt, denn das ist er nicht, wäre er das wären die imperialistischen Staaten die letzten die damit ein Problem hätten. Wer heute noch daran glaubt, dass der Westen hier die Menschenrechte verteidigen will, der hat aus der Geschichte nicht gelernt. Es geht einzig und allein darum, dass Assad sich dem Imperialismus nicht beugt, ihm keinen freien Lauf lässt und somit die Ausbeutung des Landes und der Bevölkerung verhindert und natürlich die Besetzung Syriens welches geostrategisch eine wichtige Rolle spielt, gerade um Iran völlig zu isolieren um dann angreifen zu können. Hier geht es also auch darum, um weitere Kriege oder sogar den 3. Weltkrieg zu verhindern. Klassenkampf ist es halt eben, weil der Imperialismus seine wirtschaftlichen Interessen auf Kosten der syrischen Arbeiter und Bauern durchsetzen will, logischerweise geht es also darum dem Imperialismus einen tiefen Schlag zu versetzen. Denn jeder Schlag gegen den Imperialismus ist ein Sieg für Arbeiterbewegung sowohl im In wie auch Ausland. Die Niederlage würde auch in Deutschland den Charakter des Krieges und ihre Gründe entschleiern und somit Bewusstsein bei der Bevölkerung erwecken und somit klar den Kampf gegen den Kapitalismus vereinfachen. Es handelt sich also um einen Kampf zwischen Unterdrückten und Unterdrückenden zwischen Ausbeuter und Ausbeutenden.

    Doch wie stehen die fortschrittlichen Gruppen zu Assad? Umfragen ergeben, dass die Mehrheit der Bevölkerung hinter Assad steht, dass sich sogar Christen und Armenier Assad bzw. der Armee angeschlossen hätten und sogar die Kurden haben es endlich begriffen und Kämpfen gegen die FSA haben also auf die richtige Seite gewechselt.

    Quellen dazu:

    https://www.facebook.com/photo.php?v=111616529001462&set=vb.177044182306453&type=2&theater

    http://www.kommunistische-initiative.de/krieg/1305-christen.html

    http://www.badische-zeitung.de/ausland-1/armenier-kaempfen-an-der-seite-assads–63889077.html

    Aber wie stehen die eigenen Genossen, also die Kommunistische Partei Syriens zu der Frage? Hier die Stellungnahme:

    Wichtig ist, dass es hierbei um die Syrische Kommunistische Partei handelt die sich dem Marxismus-Leninismus verpflichtet ist und nicht um die trotzkistische Partei des Volkswillens die sich auch kommunistisch nennt und mit der rechtsextremen SSNP ein Bündnis geschlossen hat.

    Wer Assad verteufelt aber die FSA, SNC und andere Hunde der Imperialisten als Revolutionäre bezeichnet oder nicht über ihre Gräueltaten, ihre Wurzeln und Ziele aufklärt ist alles aber nicht kommunistisch.

    Denn hier sind einige Taten der Revolutionären die Trotzkisten, Maoisten und andere selbsternannten Kommunisten in Deutschland abfeiern oder außer Acht lassen:

    http://haber.sol.org.tr/dunyadan/suriyede-teroristler-kurtleri-kursuna-dizip-videoya-cekti-haberi-63395

    http://www.dailymotion.com/video/xtkuzl_yyyyyy-yyyyy-yyyyy-yyyy-yyyyy-yyy-yyyyyyy-yyyy-18_news#.UMd_Knd9RMV

    Zuletzt möchte ich einen guten Beitrag auf Englisch verlinken, von der RAWA (Revolutionäre Vereinigung der Frauen Afghanistans)

    http://www.rawa.org/temp/runews/2012/09/10/syria-s-eerie-parallel-to-afghanistan-and-the-pro-imperialist-pseudo-left.html .

    RAWA erwähnt sehr gut die Parallelen zwischen den Kriegen gegen Syrien heute (was schon auf Libyen zutraf) und dem Krieg der Mudschaheddins die ebenfalls Hunde der Imperialisten waren allen voran der USA die eine sozialistisch gerichtete und sowjetnahe Regierung bekämpfte und alle Errungenschaften auf jede Ebene ausmerzte und mehrere Städte dabei die Hauptstadt in Schutt und Asche legte.

    Sollte der Imperialismus auch in Syrien siegreich davongehen blüht den Syrern das gleiche oder ein härteres Schicksal, da Genozide an Alewiten und andere Minderheiten höchstwahrscheinlich weiterhin verübt werden.

    Die Kommunisten in Deutschland müssen daher endlich ihrer Pflicht bewusst werden und kommunistische Analyse betreiben, denn nur diese Art der Analyse die Marxistisch-Leninistische stellt eine Gefahr für die Bourgeoisie und den Kapitalismus weltweit dar. Anti-Imperialistische Kampf ist ein Kampf für die Arbeiter und muss konsequent geführt werden dafür ist aber mutiges Handeln und Gegensteuern gegen die bürgerliche Lügenpropaganda, Hetzkampagne und Kriegsvorbereitung nötig!

    DAHER: VIEL ERFOLG BEI DER WEITEREN BEKÄMPFUNG DER TERRORISTEN/ISLAMISTEN IN SYRIEN! FÜR DEN BALDIGEN UND ENDGÜLTIGEN SIEG!

    Anti-Imperialistische Grüße

    Maxx Os

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  2. Danke für die Links, Maxx Os, insbesondere zum Beitrag von RAWA.
    Du hast den fast gleichen Kommentar zweimal gepostet. Ich habe den ersten, kürzen gelöscht.
    Gruß, Joachim

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