Lockdown gegen Corona: unverhältnismäßig und verantwortungslos

Umfassende Kontaktsperren sind wenig wirksam, enorm schädlich und rechtlich fragwürdig – sie müssen umgehend aufgehoben werden

Der folgende Text ist die aktualisierte Langfassung mit Quellenangaben von kürzen Beiträgen, u.a. im Friedensjournal Mai – Juni 2020. Sie erschien leicht gekürzt in vier Teilen bei Sputnik
Letztes Update 21.5.2020
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Überblick über die wichtigsten Quellen: Corona Virus: Studien und Stellungnahmen

Die Corona-Pandemie stellt zweifellos eine ernste Bedrohung dar und wird weltweit auch von den unterschiedlichsten Regierungen entsprechend behandelt. Die dramatische Situationen in Hotspots wie Bergamo oder New York sind eine Mahnung dafür, was passiert, wenn nicht oder zu spät gegen eine ungebremste Ausbreitung des neuen Virus vorgegangen wird. Sie können aber nicht als Maßstab für die Einschätzung der Notwendigkeit von Maßnahmen in Ländern oder Regionen dienen, in denen die Lage weitgehend unter Kontrolle ist.
Die Verantwortlichen werten den Rückgang der Infektionen als Beweis für die Richtigkeit des „Lockdowns“. Statistiken zeigen jedoch, dass umfassende, landesweite Kontaktsperren nur wenig zur Eindämmung beitrugen und die gesellschaftlichen Schäden, die sie anrichten, ihren eventuellen Nutzen daher
bei weitem übersteigen.

Inhalt

Schockieren statt informieren
Soziale Folgen ‒ die vernachlässigte Seite der Gleichung
„Grundrechtskosten“
Gefährlichkeit überzeichnet
Zahlen mit geringer Aussagekraft
Sterblichkeit überschätzt
Hohe Dunkelziffer ‒ bis zu 50mal mehr Infizierte
Epidemie-Hotspots durch unerkannte Ausbreitung
Ansteckung selten im Laden oder beim Friseur
RKI-Statistik zeigt: kaum Eindämmung durch Lockdown
Erste Maßnahmen am effektivsten
Kontaktsperren, Schulschließungen zeigen wenig Nutzen
Beispiel Schweden
Realistische Zielsetzung
Schnell mit Grundrechtseinschränkungen, nachlässig mit gezielten Maßnahmen
Politik im Blindflug
Kontaktverfolgung erst, wenn alles vorbei ist?

Nicht nur die Ausbreitung der durch die neue Corona-Virus-Variante, SARS-CoV-2, ausgelöste Infektionskrankheit CoViD-19 hält die Welt im Atem, sondern auch die dagegen verhängten Maßnahmen. Nachdem die deutsche Politik zunächst sehr zaghaft auf die sich weltweit ausbreitende Pandemie reagiert hatte, wurden ab Anfang März, wie in den meisten europäischen Ländern, im Wochenrhythmus immer strengere Maßnahmen verordnet, bis hin zu strikten Kontaktsperren, dem sogenannten Lock- oder Shutdown. Dabei wurden Grundrechte so radikal abgebaut, wie es wohl niemand zuvor für möglich gehalten hatte – und dies auf umstrittener wissenschaftlicher Basis. Wie in den meisten Ländern, sah man sich nicht in der Lage, durch Testung und Nachverfolgung von Kontakten, einen ausreichenden Teil der Infizierten ermitteln und isolieren zu können und ging daher dazu über, die Kontakte aller per Gesetz auf ein Minimum zu beschränken.

Wie lange dieser faktische Ausnahmezustand anhalten soll, ist offen. Führenden Politikern zufolge könnte er, mit gewissen Lockerungen, solange dauern, bis ein wirksamer Impfstoff zu Verfügung steht. Dies wird frühestens in einem Jahr, vielleicht deutlich später oder auch nie der Fall sein – bisher gibt es gegen keines der zahlreichen bekannten Coronaviren einen Impfstoff.[1]

Angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich das neue Virus ausbreiten kann, müssen selbstverständlich Maßnahmen ergriffen werden, um seine Ausbreitung soweit abzubremsen, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet wird und möglichst viele schwere CoViD-19-Erkrankungen verhindert werden. Die wichtigsten sind, neben der Einhaltung von Hygieneregeln, die Isolierung Erkrankter und häusliche Quarantäne für Kontaktpersonen. Das ist unstrittig, wie auch die Verhinderung großer Menschenansammlungen, z.B. durch Untersagung von Großveranstaltungen. Auch Abstandsregeln und Aufrufe, Reisen, Besuche etc. zu reduzieren, können hilfreich sein. Dazu sollte der besondere Schutz von Personen mit einem hohen Risiko kommen, schwer an dem neuen Erreger zu erkranken.

Solche Maßnahmen sind auch eine längere Zeit durchführbar und verkraftbar. Fraglich ist jedoch, ob es sinnvoll, angemessen, verhältnismäßig und rechtlich zulässig war, darüber hinaus, das gesamte öffentliche Leben über einen langen, vorläufig nicht begrenzten Zeitraum weitgehend zum Stillstand zu bringen.

Schockieren statt informieren

Angesichts der massiven sozialen, gesundheitlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und rechtlichen Folgen des Lockdowns müsste es ständig eine breite Debatte über den spezifischen Nutzen einzelner Maßnahmen im Verhältnis zu ihren gesellschaftlichen Kosten geben. Eine solche offene Debatte fand bisher jedoch kaum statt, bzw. leidet, wie der Rechtsanwalt und Bürgerrechtsaktivist Rolf Gössner in seinen „Gedanken und Thesen zum Corona-Ausnahme­zustand“ feststellt, „unter Angst, Einseitigkeit und Konformitätsdruck, auch unter Diffamierung und Ausgrenzung.“[2] Sie wird sogar durch gezielte Kommunikationsstrategien regelrecht unterdrückt und das Vorgehen gegen die Epidemie vielmehr von Politik und Mainstreammedien als alternativlos hingestellt (mehr dazu in „Coronakrise: unterdrückte Debatte und Kommunikationsstrategien“).

Auch wenn durch das Hinzuziehen von Gesundheitsbehörden und Fachleuten der Anschein erweckt wurde, basieren die drastischen Einschränkungen keineswegs auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Alternative fundierte Einschätzungen und Empfehlungen wurden selbst dann ignoriert, wenn die Autoren den tonangebenden wissenschaftlichen Beratern der Regierung an beruflicher Stellung und Reputation völlig ebenbürtig sind. So erging es z.B. einem unter Federführung von Prof. Matthias Schrappe erstellten „Thesenpapier zur Pandemie“,[3] wie auch den von einer Expertengruppe aus 14 renommierten Wissenschaftlern erstellten Empfehlungen, „Die Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie tragfähig gestalten“, bei der u.a. Prof. Ansgar Lohse, Direktor der I. Medizinischen Klinik am Hamburger Uniklinikum Eppendorf (UKE), Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig und Hans-Georg Kräusslich, Direktor des Zentrums für Infektiologie der Uni Heidelberg mitwirkten [4] Ansgar Lohse ist auch beim Deutschen Zentrum für Infektionsforschung für „neu auftretende Infektionskrankheiten“ zuständig ist – gemeinsam mit dem medial sehr präsenten Christian Drosten.

Die über die Medien verbreiteten Zahlen waren von Beginn an nicht geeignet, sich ein realistisches Bild vom Infektionsgeschehen zu machen.[5] Gezeigt werden vor allem aufsummierte Gesamtzahlen gemeldeter Infektionen und Todesfällen. Da diese naturgemäß ständig steigen, wirken sie für sich schon bedrohlich. Aussagekräftig wären hingegen die relativen Zahlen der täglichen neuen Fälle bezogen auf die Bevölkerungsgröße und die prozentualen Differenzen zum Vortag, ergänzt um die relative Zahl der Tests. Um den Ernst der Lage einschätzen zu können, müssten auch die Zahlen der wegen CoViD-19 im Krankenhaus bzw. auf Intensivstationen behandelten Patienten den vorhandenen Kapazitäten gegenüber gestellt werden.

Stattdessen wurde mit der Präsentation rasant steigender Kurven und der Warnung vor drohenden Hundertausenden Toten, die Bevölkerung so in Angst und Schrecken versetzt, dass eine  Mehrheit auch die härtesten Maßnahmen begrüßte. Mit Verweis auf die dramatischen Situationen in den Hotspots der Pandemie ‒ ohne Hinweise auf deren spezifischen Ursachen und Vergleich mit den hiesigen Verhältnissen ‒ wurden Einwände vom Tisch gewischt. „Schau Dir doch die Zustände in Italien an, im Elsass oder New York“ wird Kritikern häufig entgegengeschleudert. Nur ein alles oder nichts im Blick, wird eine differenzierte Betrachtung einzelner Maßnahmen als überflüssig erachtet.

Durch den Fokus auf die Pandemie wurde maximaler Infektionsschutz zur offiziellen Leitschnur der Politik. Dabei war es für die Regierungen von Bund und Länder – wie anscheinend für die Regierungen der meisten Staaten, unabhängig ihres Charakters – einfacher, auf populistische Weise, flächendeckende Verbote und Beschränkungen zu verordnen, als gezieltere, aufwendigere Maßnahmen zu organisieren und diese sorgfältig durch Studien evaluieren zu lassen.

Für führende Politiker ist es, wie bei jeder Katastrophe, eine einmalige Chance sich als zupackende, verantwortungsbewusste Führer zu profilieren. Die Umfragewerte von Merkel, Söder und & Co. schnellten auch bald in die Höhe.
Da erfahrungsgemäß Politik und Wirtschaft keine Krise ungenutzt verstreichen lassen, werden im Windschatten von Corona sicherlich auch einige schon seit längerem gehegte Pläne auf den Weg gebracht, ausgelotet, was in einer Krisensituation geht, und versucht, die Grenzen des Machbaren zu erweitern, z.B. im Bereich Überwachungstechnik.
Auch wenn sicherlich die meisten Grundrechtseinschränkungen nach Abklingen der Pandemie wieder zurückgenommen werden, wird auch, wie die Erfahrung zeigt, das eine oder andere bestehen bleiben. Die nach 9. September 2001 eingeführten sogenannten Anti-Terrormaßnahmen ‒ von Kritikern als „Notstandsgesetze für den Alltag“ bezeichnet ‒ sind bis heute weitgehend in Kraft, ohne dass je eine Abwägung ihres Nutzen im Verhältnis zu dem mit ihnen einhergegangen Abbau von Grundrechten erfolgte.

Je länger der eingeschlagene Weg beschritten wurde und je höher seine Kosten, umso schwerer fällt es den Verantwortlichen natürlich, Kursänderungen vorzunehmen, die als Eingeständnis bisheriger Fehler gedeutet werden können.

Soziale Folgen ‒ die vernachlässigte Seite der Gleichung

Auch viele Linke befürworten einen maximalen Schutz vor Infektionen und wittern hinter Lockerungen nur wirtschaftliche Interessen, denen Vorrang vor dem der Schutz der Gesundheit eingeräumt werde. So reduziert die Vorsitzende der Partei, Katja Kipping das Ganze auf „die Frage, wie viel Menschenleben das Ankurbeln der Wirtschaft wert ist.“ In ihrem Engagement fürs Gemeinwohl schauen sie aber nur auf eine Seite der Gleichung.

Viele renommierte Fachleute haben früh davor gewarnt, dass die extremen Maßnahmen mehr Schaden als Nutzen anrichten werden, darunter Prof. John Ioannidis, einer der international anerkanntesten Epidemiologen, und Nobelpreisträger Michael Levitt.[6] Auch der deutsche Epidemiologe Gérard Krause beispielsweise warnte im ZDF früh davor, dass sie zu mehr Toten führen könnten als das Virus selbst,[7] wie auch der Epidemiologe, der Charité, Stefan Willich.[8] In den oben erwähnten Papieren der Expertengruppen, wurde dies auch ausführlich begründet.

Doch eine Abwägung der sozialen und gesundheitlichen Folgen ist nicht erfolgt, obwohl der Lockdown mit Sicherheit auch ‒ neben Stress, Leid und Elend ‒ Todesopfer fordert. So bedeutet für viele prekär Beschäftigte der Ausfall ihres Einkommens den Absturz in existenzielle Nöte. Mit der durch den verordneten Stillstand zwangsläufig zunehmenden Armut, verringert sich bekanntlich die Lebenserwartung der Betroffenen.[9] Versorgungsstrukturen für Obdachlose und sozial Schwache wurden durch den Lockdown großenteils stillgelegt.

[Der Finanzexperte Leonhard Fischer verweist in dem Zusammenhang auf das Beispiel von Griechenland, wo der Absturz der Gesellschaft zwischen 2010 und 2016 durch die kollektive Verarmung die Sterblichkeit nach oben trieb. [10] Gemäß eine „Lancet“-Studie stieg die Mortalitätsrate dort um 17,8 Prozent. Das wären auf Deutschland übertragen, 100.000 zusätzliche Todesfälle im Jahr.[11]]

Die Schließung von Schulen und Kindergärten treffen besonders stark die rund 2,6 Millionen Alleinerziehenden, die generellen Kontaktsperren die 3,4 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland.[12] Eine pädagogisch-medizinische Arbeitsgruppe aus Pädagogen, Kinder- und Jugendmedizinern weist auf massive „psychosozialen Gesundheits-und Entwicklungsgefährdungen“ für Kinder durch den Lockdown hin.[13]

Aus verbreiteter Angst und aufgrund der Maßgabe, Kontakte zu meiden, verzichten viele Kranke auf medizinische Versorgung. Klinikleiter berichten, dass die Anzahl von Patienten, die mit akuten Herzbeschwerden ins Krankenhaus kommen, sich seit Beginn der Corona-Krise fast halbiert hat. Ähnliches gelte für Blinddarmentzündungen und Darminfarkte. Hinzu kommt, dass Operationen und diagnostische Eingriffe vertagt werden. [14]Der hieraus resultierende medizinische Schaden ist schwer zu quantifizieren, wird aber wahrscheinlich mit zunehmender Dauer exponentiell wachsen und zu erheblich steigender Morbidität und Mortalität führen,“  heißt es im Papier der 14 Experten. „Auch hier gibt es Risikopopulationen, die unter Nicht-Betreuung besonders leiden: chronisch Kranke und arme Patienten zuvorderst.[15]

Im Zuge des Lockdowns werden zudem Depressionen, Alkoholismus, häusliche Gewalt und Selbstmorde zunehmen.[16] „Eine soziale Isolation über einen längeren Zeitraum kann das Risiko einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen erhöhen“, schreibt das Wissenschaftsmagazin Science. Dazu gehören Herzerkrankungen, Depressionen, Demenz und sogar Tod. Als in Folge der SARS-Epidemie 2003/04 die psychologischen Auswirkungen der Quarantäne in Toronto untersucht wurden, fanden Wissenschaftler der Universität Toronto heraus, dass ein Drittel der Befragten Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und einer Depression zeigten. Schätzungen gehen davon aus, dass z.B. die 2008 einsetzende Wirtschaftskrise in den westlichen Industriestaaten ‒ USA, Kanada und Westeuropa ‒ während der folgenden drei Jahre zu 10.000 zusätzlichen Suiziden führte.[17] Eine Metaanalyse von Julianne Holt-Lunstad, einer Forschungspsychologin an der Brigham Young University, ergab, dass chronische soziale Isolation das Sterblichkeitsrisiko um 29% erhöhe.[18] An der Berliner Charité wurden bereits „Corona-Suizide“ registriert. [19]

„Grundrechtskosten“

Die angeordneten Maßnahmen „bringen praktisch für die gesamte Bevölkerung der Bundesrepublik schwerwiegende Einschränkungen, teilweise sogar faktische Suspendierungen zentraler Grundrechte mit sich: so etwa der Freiheit der Religionsausübung und der Versammlungsfreiheit, der Freiheit des Berufs und des Eigentums, der Freizügigkeit und der allgemeinen Bewegungsfreiheit,“ hält die 14-köpfige Expertengruppe in ihrem Papier fest. „Das ist ein einmaliger und bis vor kurzem noch unvorstellbarer Vorgang, der zeigt, dass die Leben und Gesundheit vieler Menschen gefährdende Corona-Krise in der Folge nicht nur gewaltige wirtschaftliche und soziale Kosten, sondern auch beträchtliche „Grundrechtskosten“ mit sich bringt.“

Die rechtliche Grundlage viele Einschränkungen ist äußerst fraglich. Je gravierender die Kontaktbeschränkungen in das gesellschaftliche Leben eingriffen, je mehr Grundrechte eingeschränkt oder aufgehoben wurden, desto sorgfältiger hätten sie begründet und diskutiert werden müssen. Einschränkungen zum Schutz von Leben und Gesundheit sind legitim, aber nur dann, wenn sie sich tatsächlich auf das nötige beschränken, d.h. das jeweils mildeste Mittel darstellen.

Regierungen und Behörden berufen sich bei ihren Verordnungen auf Paragraph 28 des Infektionsschutzgesetzes. Dieser erlaubt, dass gegenüber Infizierten oder Verdachtsfällen besondere Schutzmaßnahmen ergriffen werden können. „Aber das kann nicht für 82 Millionen Menschen gelten, die „zum jetzigen Zeitpunkt in der Mehrheit gesund sind,“ stelllte u.a. Rechtsprofessorin Andrea Edenharter fest. Der Paragraph gestattet es Behörden, Personen zu verpflichten, bestimmte Orte nicht zu verlassen, „bis die notwendigen Schutzmaßnahmen durchgeführt worden sind“. Diese Passage so Edenharter „zielt jedoch ganz klar auf zeitlich und räumlich sehr eng eingegrenzte Beschränkungen. Vorstellbar ist zum Beispiel die Anordnung, ein Flugzeug zu verlassen, bis Infizierte isoliert und alles desinfiziert wurde. Aber eine wochenlange Einschränkung der Bewegungsfreiheit für ein ganzes Land lässt sich daraus auf keinen Fall ableiten – zumal es ja in Wirklichkeit gar keine Schutzmaßnahmen gibt. Das wäre vielleicht eine Impfung. Aber die gibt es ja nicht.“ [20]  

Fragwürdig ist auch die mangelnde parlamentarische Mitwirkung an den Verordnungen. Die „Humanistische Union“ fordert unter der Überschrift „Grundrechte gehören nicht in Quarantäne“ alle „Ermächtigungen der Exekutive“ ohne Mitwirkung parlamentarischer Körperschaften „wegen ihrer Verfassungswidrigkeit aufzuheben.“ Die Vereinigung demokratischer Juristinnen und Juristen“ (VDJ) mahnt unter der Überschrift „Demokratie – und Grundrechte-Abbau in der Corona Krise beenden!“, verfassungskonformer Gesundheitsschutz müsse „differenziert und Gefahren bezogen“ sein.[21]

Gefährlichkeit überzeichnet

Zahlen mit geringer Aussagekraft

Die politischen Verantwortlichen stützen sich bei der Rechtfertigung ihrer harten Maßnahmen auf den Verlauf der Zahlen gemeldeter Infektionen und Todesfälle. Diese haben jedoch nur eine geringe Aussagekraft. So stieg einerseits die Zahl registrierter Fälle zum guten Teil einfach aufgrund der Ausweitung der Tests und wird anderseits ein großer Teil der Infizierten überhaupt nicht erfasst. Das Robert Koch-Institut (RKI), die Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten in Deutschland, zählt zudem, wie die Gesundheitsbehörden der meisten Länder, alle positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Toten als Corona-Todesfälle, unabhängig von der tatsächlichen Todesursache.

Das Gesundheitsamt der Stadt Hamburg, das seit April nur noch die Fälle als Corona-Todesfälle zählt, bei denen CoViD-19 durch eine Obduktion auch als primäre Todesursache festgestellt wurde, wertete z.B. am 9. April nur acht der vom RKI für Hamburg gemeldeten 14 Corona-Todesfälle als solche. [22] Laut Prof. Klaus Püschel, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Hamburger UKE, litten von den rund 180 an Corona Verstorbenen, die untersucht wurden, alle unter schweren Vorerkrankungen. [23] Das stimmt mit einer Untersuchung des nationalen italienischen Gesundheitsamts (ISS) von 2000 Todesfällen, überein, die bei 99 Prozent der Verstorbenen eine oder mehreren Vorerkrankungen fand, bei 48,5 Prozent sogar drei.[24] Die Schwedische Gesundheitshörde schätzt, dass bei ihnen bis zu vier Fünftel nicht an, sondern mit dem Virus starben.[25] Weil die Todesursache oft nicht geklärt werden kann, wird für die Grippewellen die Exzess-Mortalität bzw. Übersterblichkeit ermittelt, indem nach Ende des Jahres berechnet wird, wie viele Menschen in einer Grippesaison mehr gestorben sind, als aufgrund der normalen Sterblichkeit zu erwarten gewesen wäre.

Natürlich können auch Menschen unbemerkt an CoViD-19 sterben. Die vom Präsidenten des RKI, Prof. Lothar Wieler, geäußerte Gegenthese, dass die Sterberate wahrscheinlich sogar unterschätzt werde, erscheint dennoch wenig plausibel. In Deutschland werden aufgrund des starken Fokus auf CoViD-19 mit Sicherheit die meisten schwerer Erkrankten schon bei leichtem Verdacht darauf getestet. Eine Sonderauswertung des Statistischen Bundesamt auf Basis noch nicht konsolidierter Daten, zeigt für die ersten Aprilwochen eine etwas höhere Übersterblichkeit in Deutschland als durch die gemeldeten Corona-Todesfälle zu erwarten wäre.[26] Sollte sich dies am Ende des Jahres bestätigen, so müsste dies keineswegs auf eine Unterschätzung von Corona-Todesfällen hindeuten. Sie könnte auch Folge der Zunahme von Todesfällen durch die Gegenmaßnahmen, wie aufgeschobene Operationen und Arztbesuche, Selbstmorde etc., sein. [27]

Der Rechtsmediziner Michael Tsokos, der an der Berliner Charité Ursachen von Selbstmorden untersucht, befürchtet eine Übersterblichkeit im Herbst, die nicht auf Corona-Tote, sondern auf „Corona-Suizide“ zurückgehen werde. „Ich bin mir sicher, wir werden auf die infektiologische Pandemie eine psycho-soziale Pandemie sehen, mit vermehrten Suizid- und Alkohol-Toten.“ [28]

Sterblichkeit überschätzt

Indem die Zahlen der Infizierten unter- und die der Todesfälle überschätzt werden, wird auch der daraus abgeleitete Prozentsatz von Infizierten, die an dem Virus sterben, stark überschätzt und damit auch die Folgen seiner Ausbreitung. Die als Quotient aus der Zahl der Toten und der Zahl der gemeldeten Fälle berechnete Fall-Verstorbenen-Rate (Case Fatality Ratio, CFR)[29] wird meist auch als Sterblichkeitsrate von Infizierten allgemein gewertet (Infection Fatality Ratio IFR), d.h. als Risiko von jedem, der sich angesteckt hat, daran zu sterben. Auf den aus den Meldedaten berechneten CFR-Werten von 4% und mehr, beruhen die Schätzungen, dass bei einer ungebremsten Ausbreitung des Virus, in Deutschland bis zu 2 Millionen Menschen sterben könnten, bis sie durch Eintritt der „Herdenimmunität“ zum Erliegen käme, die möglicherweise erst nach der Ansteckung von 60- 70% der Bevölkerung erreicht ist.

Das RKI bezifferte die CFR für Deutschland am 30. April noch mit 3,8 %. Die Johns Hopkins Universität gibt in ihrer Länderübersicht „Mortalitäten“ in einer Bandbreite aus, die von 0,1% in Singapur, über 4,4% in Deutschland und 6,0% in den USA, bis zu mehr als 14% in Frankreich und Belgien reichen. [30] Diese Prozentsätze sind offensichtlich nur ein Maß dafür, wie viel getestet wurde.

Für die meisten Betroffenen verläuft eine Infektion glimpflich. 80-90% entwickeln keine oder nur schwache Symptome. Dies führt dazu, dass die Gesamtzahl der Infizierten, die der registrierten um ein Vielfaches übersteigt und die Sterblichkeit entsprechend, abhängig von der Testhäufigkeit, massiv überschätzt werden.

Studien auf Basis von Bevölkerungsgruppen, bei denen weitgehend alle Infizierten erfasst werden konnten, wie bei den Passagieren auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess, deuteten schon Anfang März auf IFR von weniger als 0,5% hin. [31] Eine japanische Studie, die die tatsächliche Zahl der Infizierten in der chinesischen Corona-Hochburg Wuhan auf Basis japanischer Heimkehrer schätzte, die in 14tägige Quarantäne mussten, kam auf eine IFR von 0,12%. [32] Die erste repräsentative, wenn auch kleine Studie in Gangelt, im Kreis Heinsberg, ergab eine Sterblichkeit von 0,34%.[33]

Hohe Dunkelziffer ‒ bis zu 50mal mehr Infizierte.

Bereits Mitte März hatten Untersuchungen darauf hingewiesen, dass auf jeden bestätigten Corona-Fall vermutlich 5-10 unentdeckte Fälle kommen. [34] Neuere repräsentative Studien, kommen auf noch viel höheren Faktoren. So ergab eine Mitte April veröffentlichte Studie der Gesundheitsbehörde des Bezirks Los Angeles, dass bereits 2,8 bis 5,6 % der erwachsenen Bevölkerung des Bezirks Antikörper entwickelt haben und somit 221.000 bis 442.000 Erwachsenen infiziert worden waren – das 28- bis 55-fache der 7.994 zu dem Zeitpunkt erfassten CoViD-19-Fälle. [35] Im gleichfalls in Kalifornien liegenden Santa Clara County waren es sogar 50-85mal so viel.[36]

Nach den vorläufigen Ergebnissen einer ähnlichen Studie im Staat New York, hatte in der Hauptstadt bereits jeder Fünfte die Infektion hinter sich. Im gesamten Bundesstaat waren es 2,7 Millionen Einwohner, von denen die meisten keine Ahnung davon hatten. Dies sind 10 Mal so viel wie zu dem Zeitpunkt registriert waren, wodurch sich die IFR auch hier auf unter 0,2% verringert.

Antikörpertests haben sich bisher oft als recht unzuverlässig erwiesen. Die New Yorker Gesundheitsbehörde versichert jedoch, einen neuen Test entwickelt und unter Aufsicht der Bundesbehörde validiert zu haben. Sie hätten zudem ein hohes Niveau für ein positives Ergebnis gewählt. Doch selbst wenn ein Drittel der Tests daneben liegen würde, läge die Sterblichkeit unter 0,3%.

Zahlreiche andere Studien ergaben mittlerweile ebenfalls IFR unter 0,3%. [Swiss Policy Research hat eine Übersicht aller bekannter Studien zur CoViD-19-Sterblichkeit erstellt: https://swprs.org/studies-on-covid-19-lethality/]

Damit liegt sie in der Größenordnung der schweren Wintergrippe 2017/2018, für die eine Letalität von knapp 0,3% errechnet wurde. Dadurch wirkt der neue Erreger keineswegs harmlos. Während dieser Grippewelle mussten in Deutschland rund 9 Millionen Infizierte einen Arzt aufsuchen und ca. 45.000 in ein Krankenhaus eingewiesen werden, über 25.000 starben. [37]

Es ist daher keineswegs eine „verantwortungslose Verharmlosung“, wenn Experten wie Prof. Krüger, der Vorgänger von Prof. Drosten als Chef der Virologie an der Charité, „bisher keine höhere Gefährlichkeit“ des Virus als die „bestimmter Varianten des Grippevirus“  sehen, „zumindest im Vergleich mit solchen Killerviren wie Ebola.“ Wer generell jeden Vergleich mit der Influenza für unzulässig erklärt, stellt sich gegen den Versuch einer vernünftigen Einordnung des Risikos, die er für Betroffene darstellt und macht das Virus zu einer unvergleichlichen Gefahr.

Auch wenn es für Infizierte nicht wesentlich tödlicher ist als heftige Varianten des Grippevirus, kann das neue Virus wohl schwerere Krankheitsverläufe und unter Umständen auch Langzeitschäden verursachen, sowie andere Organe als die Lunge befallen. Eine größere Bedrohung stellt es vor allem dar, weil es sich aufgrund der anfänglich fehlenden Immunität rasch verbreiten und die Gesundheitssysteme überlasten kann, verschärft dadurch, dass diese in vielen Ländern im Zuge einer neoliberaler Sparpolitik drastisch abgebaut und in hohem Maße privatisiert wurden. Bei einer ungebremsten Ausbreitung könnte das neue Virus am Ende mehr als sechsmal so viele erwischen wie die Grippe in der Saison 2017/2018.

Da das Risiko, an einer SARS-CoV-2-Infektion zu sterben, eine Eigenschaft des Virus ist, abhängig vom Alter und von Vorerkrankungen, kann man auf Basis von realistischen IFR auch die tatsächliche Anzahl von Infizierten in anderen Ländern mit vergleichbarer Altersstruktur ungefähr berechnen. Legt man, wie die Autoren der Heinsberg-Studie, für eine Hochrechnung in Deutschland eine IFR von 0,34% und die Zahl von 6.700 Todesfällen Ende April zugrunde, hatten wir zu dem Zeitpunkt bereits ungefähr 1,8 Millionen Infizierte, mehr als 10 so viel wie gemeldet wurden und rund 2,25% der Bevölkerung. [38] Sollte sich 0,1% bestätigen, wären es schon dreimal so viel gewesen.

Die Gefahr, an Corona schwer zu erkranken und zu sterben, ist sehr ungleich über die Alters-gruppen verteilt. 87 Prozent der Gestorbenen in Deutschland sind 70 Jahre alt oder älter, obwohl nur 16 Prozent der Erkrankten in dieser Altersgruppe liegen.[38a] Während, wie eine ganze Reihe von Untersuchungen zeigt, unter 65jährige nur ein sehr geringes Risiko haben, nach einer Infektion zu sterben steigt es für über 80jährige auf 16% an.[38b] Gelingt es diese gut zu schützen, kann die Gesamtletalität von Covid-19 stark gesenkt werden.

Bei Kinder und Jugendlichen sind Todesfälle sogar extrem selten. Nach dem Register stationär behandelter Kinder der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) gab es bis 18.05.2020 nur einen einzigen, mit CoViD-19 assoziierten Todesfall, das RKI weist 3 Todesfälle zwischen 3 und 18 Jahren aus, die jeweils Vorerkrankungen hatten. Auch in anderen Ländern sind es, einer Stellungnahme der DGPI und drei weiterer deutschen medizinischen Fachgesellschaften zufolge, bislang wenige Einzelfälle.[38c]

Epidemie-Hotspots durch unerkannte Ausbreitung

Infizierte, die gar nicht erkranken, sind ‒ so u.a. die WHO ‒ auch kaum ansteckend, jedoch auch die, die nur milde Symptome entwickeln und dies auch schon einige Zeit davor.[39] Auch die meisten Menschen mit Symptomen scheinen die Krankheit kaum weiterzugeben, dafür manche, sogenannte „Superspreader“, umso mehr. Grund dafür ist vermutlich, wie Untersuchungen nahelegen, dass ein Erkrankter, nur kurze Zeit direkt vor und nach Ausbruch der Krankheit hoch ansteckend ist. Hat er genau in dieser Zeit engen Kontakt zu vielen Menschen, kann er einen erheblichen Teil von ihnen infizieren. Neuen Studien zufolge können so 10 Prozent der Infizierten für 80 Prozent der Ausbreitung verantwortlich sein.

Der Erreger kann sich so unter Umständen lange Zeit unbemerkt ausbreiten, insbesondere wenn in dichtbesiedelten Städten Hygieneregeln nicht ausreichend beachtet oder sich große Menschenmengen zusammenfinden. Das erklärt die heftigen Ausbrüche in Norditalien, New York und anderen Hotspots. [40] Wenn Hunderte Infizierte sich z.B. mit Zehntausenden anderen Fans in ein Stadion drängen, dann kann man sich den Boost gut vorstellen.

Das Entstehen kaum vorhersehbarer „Cluster“ mit hohen Infektionsraten durch „Superspreading Events“, wie Fußballspiele oder Karnevalsitzungen ist auch für andere Erreger typisch. [41] Durch die relativ lange Inkubationszeit und den geringen Anteil hochansteckender Infizierter ist der Effekt bei CoVD-19 besonders ausgeprägt. Meldungen über heftige lokale Ausbrüche werden daher auch nach Abklingen der Epidemie immer wieder für Aufsehen sorgen.

Ansteckung meist nur bei intensiverem Kontakt, geringere Ansteckungsrate bei Kindern und Jugendlichen

Wie u.a. Tests bei hochinfektiösen Personen im Kreis Heinsberg ergaben, sind Schmierinfektionen selten und ist die Gefahr, jemanden anderen beim Einkaufen oder Ähnlichem zu infizieren, gering. Die Leute hätten sich nicht im Supermarkt, im Restaurant, beim Metzger oder beim Friseur angesteckt, sondern auf den Partys beim Aprés Ski in Ischgl, beim Karneval und bei großen Fußballspielen. Eine Hauptursache für Ansteckung, so der Virologe Streeck, der die Untersuchungen leitete, sei ein enges Beieinandersein über einen längeren Zeitraum. [42] Auch die Schwere der Erkrankung scheint stark davon abzuhängen, genauer von der Menge an Viren, die bei der Ansteckung aufgenommen werden. Während die Personen, die sich im engen Raum auf der Karnevalsitzung angesteckt hatten häufig schwer erkrankten, verlief die Infektionen bei den von diesen angesteckten meist milde.

Andere Studien kommen ebenfalls zum Schluss, dass kurzzeitige Kontakte etwa beim Einkaufen, nur in geringem Maß für Infektionen verantwortlich zu sein scheinen und diemeisten Übertragungen innerhalb von Haushalten sowie anderen langen und engen Kontakten stattfinden. [43]

Auch die chinesische Geschäftsfrau, die vermutlich in München die ersten Deutschen infizierte, hat nur die vier Geschäftspartner angesteckt, mit denen sie – schon mit leichtem Fieber – stundenlang zusammensaß, aber weder jemanden im Hotel noch im Restaurant und auch keinen Taxifahrer.[44] In den Wochen darauf haben sich damals insgesamt 16 Personen in vier Generationen mit Sars-CoV-2 infiziert. Eine genaue Nachverfolgung ergab, dass nahezu alle Ansteckungen auf enge Kontakte im direkten Umfeld zurückgingen, vor allem innerhalb der Familie, während der gemeinsamen Quarantäne. Bei Kontakten außerhalb der Haushalte, also etwa bei der Arbeitsstelle, lag das Ansteckungsrisiko nur noch bei 5 Prozent.[45]

Dies deckt sich mit frühen Untersuchungen der Übertragungswege des Virus, denen zufolge er sich überwiegend durch Tröpfcheninfektion verbreitet. Auf deren Basis schätzt die WHO die Gefahr einer Infektion durch die Luft, d.h. über in der Luft schwebende und sich ausbreitende Partikel, als sehr gering ein. In einer Analyse von 75.465 CoViD-19-Fällen in China wurde bei keinem eine Übertragung über die Luft festgestellt.[46] Das bedeutet, dass Abstand halten, in Tücher oder Armbeuge niesen und Hände waschen, allein schon recht effektiv vor einer Ansteckung schützen.

Die vier medizinischen Fachgesellschaften DGKH, DGPI, DAKJ und bvkj haben für ihre oben erwähnte Stellungnahme, in der sie die rasche Öffnung von Schulen und Kitas fordern, alle weltweit verfügbaren Studien über die Ausbreitung von CoViD-19 unter Kinder und Jugendliche ausgewertet. Der Anteil von Kindern der Altersgruppe bis 10 Jahre an allen positiv getesteten Patienten liegt demnach bislang bei 1 bis 2% und erreicht maximal 6% bis zum Alter von 20 Jahren. In Deutschland lag der Anteil der Kinder < 10 Jahre bei 1,9% und von 10 – 19 Jahren bei 4,3%. Nach Lagebericht des RKI vom 17. Mai 2020 waren bis dahin insgesamt 174.355 Infektionen gemeldet, von denen nur 3.295 Kinder unter 10 Jahre und 7.524 Kinder und Jugendliche zwischen 10 bis 19 Jahren waren. Da die „übergroße Mehrzahl der Infektionen im Kindes- und Jugendalter“ ohne Symptome verläuft, könnten deren Zahlen allerdings auch stärker unterschätzt sein, als die von Erwachsenen.

Das Übertragungsrisiko durch Kinder scheint den bisherigen Studien zufolge gering. Sie „ergeben ein zunehmend schlüssiges Bild, dass Kinder in der aktuellen CoVid-19-Pandemie im Gegensatz zur Rolle bei der Influenza-Übertragung keine herausragende Rolle in der Ausbreitungsdynamik spielen.
Die Infektionsübertragung auf Kinder innerhalb von Familien erfolgt in der Regel durch infizierte Erwachsene … während Belege für eine Transmission auf mehrere Erwachsene durch ein infiziertes Kind bisher fehlen. Auch diese Übertragungssituationen wird es geben, aber sie scheinen von geringerer Relevanz zu sein.

RKI-Statistik zeigt: kaum Eindämmung durch Lockdown

Die verantwortlichen Politiker und wissenschaftliche Berater wollen den nun zu beobachtenden Rückgang der Infektionszahlen als Beweis für die Richtigkeit ihres gesamten Maßnahmen-Paketes gewertet sehen. Sie warnen vorsorglich vor dem sogenannten „Präventions-Paradoxon“, wonach eine Prävention gerade durch ihren Erfolg, d.h. dem Ausbleiben dessen, wovon sie bewahren soll, als überflüssig erachtet werden kann. Doch lässt sich umgekehrt mit dieser Logik auch jede staatliche Überreaktion als Erfolg verbuchen.

Realitätsnähere Darstellungen des Verlaufs der Infektionszahlen jedoch, die das RKI mittlerweile (leider eher nebenbei) veröffentlicht, zeigen, dass bereits die ersten Maßnahmen ausgereicht hatten, die Epidemie einzudämmen. Statt die täglichen Zahlen der Neuinfizierten, wie üblich, pro Meldedatum anzugeben, obwohl dieses 5-10 Tage nach dem Datum der Infektion liegt, werden sie hier zum Datum des Erkrankungsbeginns aufgetragen. Dies ist nicht trivial, da dieses Datum in gut einem Drittel der Fälle nicht mitgemeldet wird. Wo es fehlt, wird es nun mit gängigen statistischen Verfahren aus den verfügbaren Daten geschätzt. Da zum aktuellen Datum hin, immer mehr Fälle aufgrund des Meldeverzugs noch fehlen, versucht man den dadurch verursachten irreführenden Abfall der Kurve, mit einem statistischen Verfahren zu korrigieren, das in Anlehnung an die Forecasting genannten Vorhersagen, „Nowcasting“ genannt wird.

Anzahl neuer SARS-CoV-2-Fälle in Deutschland nach Datum des Erkrankungsbeginns RKI 7.5.2020
Anzahl neuer SARS-CoV-2-Fälle in Deutschland nach (teilweise imputiertem) Datum des Erkrankungsbeginns – RKI 07.05.2020

Die so ermittelten Verlaufskurven beginnen nach einen anfänglich exponentiellen Anstieg schon nach dem 9. März abzuflachen. Ab dem 19. März geht die Zahl der Neuinfektionen bereits stark zurück, d.h. schon 4 Tage bevor am 23. März die umfassenden Kontaktsperren in Kraft traten. Danach beschleunigte sich der Rückgang kaum noch.

Die auf Basis der Fallzahlen pro Erkrankungsdatum geschätzte Reproduktionszahl „R“, die angibt, wie viele Menschen im Durschnitt ein Infizierter ansteckt, sank schon ab dem 12. März stark ab und liegt seit dem 19. März unter 1,0.

Schätzung der effektiven Reproduktionszahl R für eine angenommene Generationszeit von 4 Tagen. (Robert Koch-Institut, Epid. Bulletin 17|2020, 15.4.2020, Abb. 4)

Auch die Aussagekraft dieser Statistiken wird durch die Dunkelziffer an Infizierten und der starken Abhängigkeit der Fallzahlen von der Testhäufigkeit beeinträchtigt. So dürfte das Abflachen des Rückgangs von R ab dem 15. März auf die massive Ausweitung der Tests zurückzuführen sein. In der Woche zuvor waren knapp 130.000 Tests durchgeführt worden, in der Woche danach rund 350.000, d.h. 2,7 mal so viel. Bei gleicher Testhäufigkeit wäre R damals schon weiter gefallen.

In ihrem Bericht zur Methodik weisen die RKI-Wissenschaftler auch auf diesen Effekt hin: „Durch stärkeres Testen“ werde „ein insgesamt größerer Teil der Infektionen sichtbar“ und „der dadurch bedingte Anstieg der Meldezahlen kann dazu führen, dass der aktuelle R-Wert das reale Geschehen etwas überschätzt.[47]

Erste Maßnahmen am effektivsten

Anfang März waren die ersten unstrittigen Maßnahmen ergriffen worden, wie das Verbot von Großveranstaltungen, Quarantäne für Erkrankte und Kontaktpersonen, betroffene Schulklassen etc., sowie Appelle, Hygieneregeln einzuhalten. Firmen begannen Teile der Belegschaft ins Homeoffice zu schicken. Schon eine Woche danach hatte die Reproduktionszahl zu sinken begonnen. Der Anstieg täglicher Infektionen war bereits gestoppt, als am 16. März u.a. der Betrieb an Schulen, Kindergärten und Hochschulen eingestellt sowie die Schließung von Kultureinrichtung, Sportstätten, Bäder etc. verfügt wurde.

Die ersten Maßnahmen waren somit schon sehr effektiv und offensichtlich auch wesentlich wirkungsvoller als die anschließend verordneten Einschränkungen.[48] Vermutlich trug auch, wie bei anderen Corona-Viren oder der Grippe, der Frühlingsbeginn zum Rückgang der Infektionen bei.[49] Auf einen saisonalen Einfluss der Ausbreitung deuten auch die Entwicklungen in Australien und Südamerika hin, wo vermutlich der beginnende Herbst die Infektionsraten in die Höhe treibt.

Berechnungen des Verlaufs der Reproduktionszahl an der ETH Zürich, die ebenfalls den Meldeverzug berücksichtigen, zeigen auch für die Schweiz einen Infektionsrückgang vor dem dortigen Lockdown.[50] Auswertungen von Professor Carl Heneghan, Direktor des Zentrums für evidenzbasierte Medizin der Universität Oxford, zufolge, hatten die meisten Länder den Peak der Epidemie schon vor dem jeweiligen Lockdown erreicht.[51]

Kontaktsperren, Schulschließungen zeigen wenig Nutzen

Aus den obigen RKI-Statistiken kann man nicht ersehen, wie stark die Infektionsraten auch ohne weitere Maßnahmen zurückgegangen wären. Das ursprünglich anvisierte Ziel, einen exponentiellen Anstieg zu stoppen, war jedoch auf jeden Fall schon ohne sie erreicht worden.

Den Eindruck, dass die am 16. März verordnete Schließung von Schulen, Kindergärten etc. nur noch geringe Auswirkungen hatte, wird durch einige Studien bestätigt. Eine Analyse von Wissenschaftlern der ETH Zürich und der Uni Basel, die die Wirksamkeit einzelner Maßnahmen auf Basis von Daten aus 20 westlichen Ländern untersuchten, ergab, dass Schulschließungen mit durchschnittlich 8% und Lockdowns mit 5% am wenigsten zur Eindämmung in diesen Ländern beigetragen haben. Auch eine im medizinischen Fachmagazin The Lancet veröffentlichte Studie kam zum Schluss, dass Schulschließungen nur wenig zur Eindämmung von Coronaviren beitragen, sie könnten nur 2-4% möglicher Todesfälle verhindern.[52]

In ihrer Stellungnahme kommen auch die bereits oben erwähnten vier Fachgesellschaften, DGKH, DGPI, DAKJ und bvkj e.V, nach Auswertung diesbezüglicher Studien zum Schluss, dass Schul- und Kita-Schließungen „wahrscheinlich nur eine geringe Effektivität auf die weitere Infektionsausbreitung“ haben, da „Kinder und Jugendliche bei der Virusübertragung auf andere Kinder und Jugendliche, aber auch auf Erwachsene eine untergeordnete Rolle spielen“.
Schweres COVID-19 ist nach derzeitigem Kenntnisstand in Deutschland bei Kindern keines-falls häufiger als viele andere potentiell schwer verlaufende Infektionserkrankungen bei Kindern, die nicht zur Schließung von Schulen und Kindereinrichtungen führen.

Das alles deckt sich interessanterweise auch mit der Mehrheitsmeinung befragter deutscher Experten aus den Fachgebieten Virologie, Mikrobiologie, Hygiene, Tropenmedizin, Immunologie, Inneren Medizin und Intensivmedizin. Während 70% der 176 TeilnehmerInnen die Abstandsregel und das Verbot von Großveranstaltungen als geeignete Eindämmungsmaßnahmen befürworteten und sogar favorisierten, hielten nur 5% Kitas- und Schulschließungen für sinnvoll. Knapp zwei Drittel kritisierten zudem das Fehlen konstruktiver Fachdiskussion in den Medien, ein Drittel sieht sogar die freie Meinungsäußerung in der Wissenschaft bedroht. Wissenschaftliche Belege für die Schutzwirkung von Masken, ob professionell oder selbst hergestellt, sehen nur wenige von ihnen, über 70 Prozent befürchten jedoch Risiken durch falsche Handhabung. Wohl eher aus dem Bauch heraus, so die Autoren der Studie, befürworten die meisten dennoch das Tragen an gewissen Orten, wie z.B. in Bussen und Bahnen. [53]

Beispiel Schweden

Letztlich bestätigen die aussagekräftigeren Statistiken des RKI und die genannten Studien nur, was sich am Beispiel Schweden auch empirisch ableiten lässt. Obwohl man dort, statt auf staatlich verordnete drastische Beschränkungen, auf freiwillige Einhaltung von Schutzmaßnahmen setzte, Schulen, Läden, Restaurants, Freizeitenrichtungen etc. geöffnet ließ, konnte die Epidemie dort ebenfalls soweit abgebremst werden, dass die tägliche Zahl der Infektionen und Toten nicht weiter steigt.

Auch wenn oft der Eindruck erweckt wird, geht Schweden dabei keinen völlig anderen Weg. Auch hier ist das Ziel, die Infektionskurve flach zu halten, um eine Überforderung des Gesundheitssystems zu verhindern. Die schwedische Regierung hat auch mehrfach betont, keineswegs, wie oft behauptet wird, „eine möglichst schnelle Herdenimmunität auf Kosten der bestmöglichen Gesundheitsversorgung erreichen.“ [54] Sie hätte anderseits auch, nach dem im Land geltendem Recht, gar nicht die Möglichkeit, so weitgehende Beschränkungen wie z.B. in Deutschland zu verordnen.

Als wichtigste Regeln gelten Händewaschen, Abstand halten und beim ersten Anzeichen von Erkrankung zu Hause bleiben. Versammlungen von mehr als 50 Personen wurden ab dem 29. März verboten. Bars und Restaurants müssen genügend Platz bieten, damit alle Kunden in der erforderlichen Entfernung voneinander sitzen können. Zudem haben die Schweden auch generell ihre Aktivitäten, wie von der schwedischen Gesundheitsbehörde empfohlen, stark reduziert. [55] Da viele Firmen wie Volvo ihre Werke geschlossen haben und z.B. auch der Tourismus durch die freiwillige Zurückhaltung der Schweden eingebrochen ist, ist auch ihr Land mit einem wirtschaftlichen Einbruch konfrontiert ‒ nur sind die gesamten gesellschaftlichen Auswirkungen, insbesondere die sozialen, längst nicht so drastisch wie in den meisten anderen Ländern.

Statt es wohlwollend als interessante Alternative zu beobachten, aus denen Lehren auch für das eigene Land gezogen werden können, wird das schwedische Modell in den Medien häufig als verantwortungslos angegriffen und immer wieder sein nahes Scheitern prophezeit (und wohl auch erhofft).

Kritiker verweisen vor allem auf eine wesentlich höhere Zahl von Toten pro Einwohnern als in den skandinavischen Nachbarländern oder in Deutschland. Tatsächlich lag sie in Schweden am 30.4.mit 250 pro einer Million Einwohner fast doppelt so hoch wie in Baden-Württemberg oder Bayern und fast fünfmal höher als in Norwegen. Andererseits ist die Rate in einer Reihe europäischer Staaten, in denen ein strikter Lockdown verordnet wurde, ähnlich hoch oder sogar noch wesentlich höher. So betrug sie Ende April z.B. in der Schweiz 200, in den Niederlanden 271 in Frankreich 360 und in Belgien 651 Tote pro Million. [56]

Letztlich lassen sich die Zahlen verschiedener Länder schwer vergleichen. So sind schon die Kriterien für die Registrierung von Todesfällen unter CoViD-19 unterschiedlich streng. In Schweden landen, ähnlich wie in Belgien, nicht nur bestätigte sondern auch bloß vermutete Corona-Todesfälle in der Statistik.[57] Vor allem sind die Ausgangsbedingungen unterschiedlich. Schweden gehört zu den Ländern, mit einem heftigeren Start der Epidemie. Am Anfang stiegen die Infektionen und in der Folge auch die Todesfälle wesentlich schneller als in Deutschland oder Norwegen.

Zudem war das Vorgehen in Schweden selbstverständlich nicht fehlerlos und fordern auch hier Sparmaßnahmen und Privatisierung im Bereich von Gesundheit und Pflege ihren Tribut. So räumen die schwedischen Verantwortlichen selbst gravierende Versäumnisse beim Schutz von Menschen in Pflegeheimen ein, wodurch relativ viel alte Menschen erkrankten. [58]
Rund die Hälfte der an oder mit Corona Verstorbenen war pflegebedürftig. Als eine wesentliche Ursache dafür gilt der massive Einsatz von schlecht bezahlten Zeitarbeiterinnen ohne feste Verträge in der Altenpflege, die es sich nicht leisten können, wegen leichten Erkrankungen zu Hause zu bleiben, und die zudem jeden Tag andere Menschen versorgen müssen. [59] Erst relativ spät wurden rigorosere Schutzmaßnahmen ergriffen.

[Mit dem hohen Anteil von Toten in Pflegeheimen steht Schweden keineswegs alleine da. In Frankreich lag er Mitte Mai bei 51%, in Irland bei 62%  und Kanada sogar bei 82%. In Deutschland beträgt er 37%. (Mortality associated with COVID-19 outbreaks in care homes: early international evidence, LTC Covid, London School of Economics, Stand 21.5.2020)]

Die Fehler in einzelnen Bereichen sprechen nicht gegen das schwedische Vorgehen insgesamt, durch das auf der anderen Seite viele der Härten vermieden wurden, die in anderen Ländern auch Opfer fordern. Wieviel Opfer die Pandemie in den verschiedenen Ländern insgesamt fordern wird, wird man erst nach ihrem Ende abschätzen können.

Das wesentliche Ziel, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, war nie in Gefahr, es kam nie in die Nähe seiner Kapazitäts-Grenzen. Der Unterschied zu anderen Ländern sei, so der schwedische Chef-Epidemiologe Dr. Anders Tegnell, dass sie „diese Art von Politik ohne weiteres monate-, vielleicht sogar jahrelang beibehalten könnten, ohne der Gesellschaft oder unserer Wirtschaft wirklichen Schaden zuzufügen.“[60]

Schweden bleibt auf einem höheren Infektionsniveau, erreicht dadurch jedoch schneller eine Immunisierung eines relevanten Teils der Bevölkerung. In Schweden könnte sie, wenn man von Fallsterblichkeiten zwischen 0,1 bis 0,3% ausgeht, Ende April schon bei 4 bis 12 % gelegen haben. Erste Testreihen mit einem neu entwickelten, zuverlässigen Antikörpertest ergaben für Stockholm Anfang Mai bereits 20%.[61] [s. auch As Europe emerges from lockdown, the question hangs: was Sweden right?, Guardian, 18.5.2020]
Das Land muss daher weniger eine neue Welle fürchten, als die Nachbarn, nach der unvermeidbaren Aufhebung vieler strikter Einschränkungen dort. Seinem Land drohe nicht, hielt Tegnell der Kritik aus dem Ausland entgegen, „das Risiko einer riesigen Infektionsspitze“ wie in den Nachbarländern. „Norwegen und Dänemark sind jetzt sehr besorgt, wie man diesen vollständigen Lock-Down beenden kann, ohne dass diese Welle sofort einsetzt, sobald die Lockerung beginnt.“  

Eine deutliche Mehrheit der Schweden steht nach wie vor hinter dem Umgang ihres Landes mit der Epidemie. Bei einer repräsentativen Umfrage des schwedischen Fernsehen bewerten ihn Ende April 80% mit gut oder sehr gut. (s.a. Sweden: Why people are happy with no-lockdown coronavirus plan, Business Insider, 10.5.2020)

Viele deutsche Experten raten zu Recht, die Entwicklung in Schweden genau zu beobachten und sich stärker an dessen Vorgehen zu orientieren.[62] Der Exekutivdirektor der WHO, Mike Ryan, der die weltweiten Maßnahmen gegen das Virus koordiniert, bezeichnete Schweden als „Vorbild“, aus denen Lehren gezogen werden könnte.[63] Wollte man das Infektionsniveau stärker drücken, könnte man das schwedische Vorgehen durch effektive Kontaktverfolgung ergänzen.

Realistische Zielsetzung

Konnte man zu Beginn der Epidemie noch Verständnis dafür haben, dass im Zweifel eher zu strenge als zu lasche Maßnahmen ergriffen wurden, gibt es mit dem jetzigen Kenntnisstand keine sachliche Grundlage mehr für ein längeres Festhalten an weitgehenden Kontaktbeschränkungen ‒  zumindest wenn man sich am ursprünglichen Ziel orientiert, die Ausbreitung des neuen Virus soweit einzudämmen, dass das Gesundheitssystem nicht überfordert wird. Tatsächlich war es in Deutschland nie auch nur annähernd am Limit.[64]

Befürworter der Aufrechterhaltung strenger Beschränkungen erwecken jedoch den Eindruck, es ginge darum, Neuinfektionen und Todesfälle möglichst auf null zu reduzieren. Dem Grundrecht auf Leben habe sich schließlich alles unterzuordnen.

Natürlich ist es wünschenswert, die Zahl derer, die schwer an CoViD-19 erkranken oder sogar daran sterben, so gering wie möglich zu halten, doch nicht um jeden Preis. Denn wenn es darum ginge, wie Merkel & Co. betonen, mit allen Mittel jeden vermeidbaren Todesfall zu verhindern, dann müssten auch, wie Oliver Lepsius, Professor für Verfassungstheorie, treffend bemerkte, „alle Kraftfahrzeuge verboten werden.“[65] Auch müssten sofort ähnlich drastische Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung mit Feinstaub, Stickoxiden etc. ergriffen werden, durch die jährlich Zigtausend Menschen sterben und die offensichtlich auch maßgeblich zu schweren Verläufen bei Coronakranken führt.[66] Wenn es der Politik generell um den maximalen Schutz von Menschenleben ginge, so gäbe es ein weites Feld, wo sie dies ohne gefährliche Nebenwirkungen tun könnte, von der Umwelt, über die Flüchtlinge im Mittelmeer und Europas Grenzen, bis zu den Wirtschaftsblockaden gegen missliebige Länder.

Im Grunde sind sich alle Experten einig, dass es nicht realistisch ist, die weitere Ausbreitung des Virus völlig aufzuhalten. Davon geht u.a. die erwähnte 14-köpfige Expertengruppe aus, [67] wie auch RKI-Chef Lothar Wieler, der Ende April feststellte, dass das Virus „noch monatelang in unserem Land bleiben“ werde. Es „aus der menschlichen Population auszurotten“ werde nicht gelingen.[68]

Aus diesem Grund müssen die Maßnahmen zu seiner Eindämmung so angepasst werden, dass sie über längere aufrechterhalten werden können. Statt allein der „Logik eines maximalen Infektionsschutzes“ zu folgen, muss dazu eine Gesamtabwägung der Auswirkungen einzelner Verbotsmaßnahmen inklusive ihrer Nebenwirkungen erfolgen.

Sechs Prominente, die in einem Spiegelartikel an die Politik appellieren, den Lockdown so rasch wie möglich zu beenden, verweisen auf den Umgang mit der Grippe, durch die in Deutschland bis zu 25.000 Menschen jährlich sterben. „Dieses Risiko nehmen wir als Gesellschaft hin, ohne über Lockdowns oder auch nur eine Impfpflicht nachzudenken.[69]

Auch Pneumologie-Professor Santiago Ewig plädiert dafür, da Neuinfektionen vorläufig nicht verhindert werden können, sich am Umgang mit der Influenza zu orientieren und „ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass CoViD-19 ein Risiko ist, das in Relation zu anderen Risiken gesehen und gehandhabt werden sollte. …Wie das Beispiel Influenza zeigt, sind die Menschen sogar mitunter recht sorglos hinsichtlich der Bedrohung ihrer Gesundheit durch Infektionen. Obwohl es einen Impfstoff gegen Influenza gibt, verzichten 85 Prozent der Deutschen auf diesen Schutz.“ [70]

Da ein Impfstoff frühestens in einem Jahr, vielleicht aber auch viel später oder auch gar nicht kommen wird, wird das wirksamste Mittel gegen CoViD-19 auf absehbare Zeit die sukzessive Immunisierung sein. „Erst wenn die sogenannte Durchseuchung der Bevölkerung bei 60 bis 70 Prozent“ liege, so, neben vielen kritischen Wissenschaftlern, auch RKI-Chef Wieler, sei „die Pandemie unter Kontrolle“.

Ob tatsächlich ein so hoher Prozentsatz nötig ist, ist nicht sicher, manche Epidemiologen rechnen mit deutlich weniger. Eine deutlich bremsende Wirkung auf die Ausbreitung des Virus tritt jedenfalls auch schon bei einer Immunisierung von 10 oder 20% der Bevölkerung ein. Je größer der Anteil derer ist, die schon gegen das Virus immun sind, desto schwächer werden die, bei einer Aufhebung der Beschränkungen befürchteten zweiten und dritten Wellen oder die plötzlichen lokale Ausbrüche durch „Superspreader“ ausfallen.

Auch aus diesem Grund ist ein maximaler Infektionsschutz nicht sinnvoll. Ein zu starkes „Abflachen der Kurve“ sei kontraproduktiv erklärten z.B. auch die sechs Autoren des „Thesenpapiers“. Wie viele anderen Experten plädieren sie daher dafür, eine größere Zahl von Infektionen zuzulassen, vorwiegend in jüngeren Teilen der Bevölkerung. Wie gezielte Untersuchungen bestätigen, haben unter 65-Jährige, ohne problematische Vorerkrankungen, ein sehr geringes Risiko schwer an CoViD-19 zu erkranken oder gar zu sterben.[71]  Gleichzeitig müssen Menschen über 70 und andere Risikogruppen, so gut wie möglich geschützt werden, sowie gezielte Strategien für das Auftreten von „Clustern“ mit hohen Infektionsraten entwickelt werden, die immer wieder auftreten können.

Auch das erwähnte14-köpfige Expertenteam empfahl schon Anfang April, die Ausbreitung des Erregers so zu beschränken, dass „die natürliche Immunität in der Bevölkerung langsam ansteigt“ und gleichzeitig Gruppen mit hohem Risiko zu schützen. Parallel dazu soll „das Gesundheitssystem gestärkt werden, um bestmögliche Therapien für möglichst viele Erkrankte – mit COVID-19 ebenso wie mit anderen schweren Erkrankungen – gewährleisten zu können“.

„Soziale und psychische Härten bei der Pandemiebekämpfung“ müssten „so weit wie möglich“ vermieden, „Grundrechtseingriffe dem Verhältnismäßigkeitsprinzip gemäß auf das erforderliche und angemessene Maß“ beschränkt werden.

Statt möglichst bundesweit einheitlichen Regelungen, sollen sich alle Beschränkungen am tatsächlichen örtlichen Risiko orientieren, d.h. an regionalen Infektionsraten, Verbreitungspotential, freien Klinik-Kapazitäten und erreichter natürlicher Immunität. Zuerst sollen Sektoren mit niedriger Ansteckungsgefahr und „weniger vulnerablen Personen“, wie Kindertagesstätten und Schulen, geöffnet werden – dies auch weil sonst viele Menschen mit Kindern nicht zur Arbeit gehen können.

Für gezielte Kontrollen müssten möglichst bald Schnelltests flächendeckend und für jedermann verfügbar sein. Mit ihrer Hilfe könnte auch ein besonderer Schutz älterer Menschen in Alters- und Pflegeheimen sichergestellt werden, ohne sie zu isolieren, indem zu strengen Hygienevorschriften, auch Schnelltest für Besucher am Eingang kommen könnten, wie auch häufige Virustestungen bei Gesundheits- und PflegearbeiterInnen .

Schnell mit Grundrechtseinschränkungen, nachlässig mit gezielten Maßnahmen

Politik im Blindflug

Für genauere Einschätzungen der Epidemie-Entwicklung in Deutschland fehlen nach wie vor, die von vielen Fachleuten von Beginn an geforderten Studien an genügend großen repräsentativen Stichproben aus der Bevölkerung, einer „nationale CoViD-19-Kohorte“. Dies würde nicht nur endlich ein genaueres Bild liefern, wie viele Menschen tatsächlich infiziert wurden, wie viel davon, wie schwer erkrankten, sondern durch begleitende Befragungen z.B. auch Hinweise auf die häufigsten Wege der Ansteckung.

Sie würden auf Sicht fahren, hört man oft von den politisch Verantwortlichen. Tatsächlich ignorierten sie beharrlich alle Forderungen, in der herrschenden Dämmerung endlich Scheinwerfer anbringen zu lassen.

Angesichts der drastischen Maßnahmen, die derart Grundrechte einschränken oder außer Kraft setzen und viele Menschen in existenzielle Not bringen, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, so rasch wie möglich die Datenbasis für weitere Entscheidungen zu verbessern und sowohl die Wirksamkeit wie auch die Folgen der Maßnahmen umgehend begleitend durch entsprechende Studien auf zuverlässige Weise zu evaluieren. Es ist ein absoluter Skandal, dass hier so wenig geschehen ist. Schon im März war die Zahl der Tests von anfänglichen 87.000 auf rund 350.000 pro Woche gesteigert worden. Einen Teil, z.B. 30.000, hätte man sicherlich auch damals schon für eine Studie abzweigen können.[72]

So blieb es der Eigeninitiative von Wissenschaftlern überlassen, die Datenbasis zu verbessern, vorneweg Prof. Streeck und seinen Kollegen von der Uni Bonn, die im Kreis Heinsberg die erste, wenn auch kleine repräsentative Studie durchführten. Eine weitere hat in München unter Federführung von Michael Hölscher, dem Direktor des Tropeninstituts begonnen. In einer Antikörper-Studie sollen rund 4500 Teilnehmern in 3000 Haushalten daraufhin untersucht werden, ob sie bereits infiziert wurden, um so auch für Deutschland die Dunkelziffer besser abschätzen zu können. Anfang Mai waren aber erst 1500 Haushalte rekrutiert worden. Mit dem Abschluss der Testungen und ersten Ergebnissen kann man frühestens Ende Mai rechnen ‒ sechs Wochen nach Abschluss ähnlicher Studien in den USA.[73]

Das RKI hat nun zwar eine Studie in Planung, mit der die Verbreitung von Antikörpern in einer bundesweiten repräsentativen Stichprobe ermitteln werden soll, sowie die Teilnehmer zu klinischen Symptomen, Vorerkrankungen, Gesundheitsverhalten etc. befragt werden. Allerdings sollen dazu nur noch 15.000 Personen statt der ursprünglich vorgesehen 100.000 untersucht werden. Studienbeginn ist frühestens Mitte Mai, erste Ergebnisse erwarten die Wissenschaftler im Juni 2020.[74] Gleichzeitig wurde Anfang Mai nur die Hälfte der vorhandenen Testkapazitäten ausgenutzt.[75]

Kontaktverfolgung erst, wenn alles vorbei ist?

Ähnlich verschleppt wird auch die strikte Nachverfolgung aller Infektionsketten, durch die Ausgangsbeschränkungen und Schließungen auf betroffene Personenkreise, Schulklassen, Firmen-Abteilungen usw. beschränkt werden könnten. Dies wird allgemein als beste Maßnahme gesehen, um auch über Monate und Jahre hinweg die Ausbreitung kontrollieren zu können. Von Politikern wird sie oft als Voraussetzung für weitgehende Lockerungen bezeichnet.

Umso unverständlicher ist es daher, dass Bund und Länder erst am 25. März verabredeten, pro 20 000 Einwohnern ein Kontaktnachverfolgungsteam aus fünf Personen einsetzen zu wollen. Den Ausführungen von Bundeskanzlerin Merkel am 20. April zufolge, war dies vier Wochen später noch nicht richtig im Gange. [76]

Dann hieß es, eine flächendeckende Nachverfolgung sei erst möglich, wenn die Zahl der Neuinfektionen pro Tag auf wenige Hundert gesunken sei, und auch nur mit einer Smartphone-App. Dies ist schwer nachzuvollziehen. In Hochzeiten waren zwar bis zu 6.000 Infektionen am Tag gemeldet worden, bei rund 380 Gesundheitsämtern waren dies im Schnitt jedoch nur etwa 16 pro Amt. Hätte man hier sofort ein bis zwei Dutzend Leute pro Amt angestellt, die die Infizierten befragt und die Kontaktpersonen vom Kollegen bis zum Barkeeper oder Taxifahrer nachrecherchiert und informiert hätten, so hätte man sicherlich schon früh einen guten Prozentsatz aufspüren und in häusliche Quarantäne schicken können – auch ohne fragwürdige Überwachungstechnik.

So wird Kontaktverfolgung zwar durchaus in gewissem Umfang durchgeführt, aber nur bei einem kleinen Teil der Infizierten und oft zu langsam um die Betroffenen zu informieren, bevor sie ansteckend sind. Dabei geht es auch hier nicht um hundertprozentigen Schutz. Es wäre schon viel gewonnen, wenn nur 50% rechtzeitig erreicht würden. Da auch dadurch die Reproduktionsrate bereits massiv gedrückt würde, könnten die meisten flächendeckende Einschränkungen, aufgehoben werden. Angesichts deren enormer Kosten sollte Geld für mehr Personal und Ausrüstung dabei keine Rolle spielen.

Auch Anfang Mai, als die täglichen Infektionszahlen schon unter 1000 gefallen waren, hatten die Gesundheitsämter, einer Umfrage von NDR und dem WDR zufolge, immer noch zu wenige Mitarbeiter, um die Kontakte aller Infizierter ausreichend nachverfolgen zu können. Gerade einmal 21 der 119 Ämter, die geantwortet haben, testen nachweislich alle Kontaktpersonen auf das Virus.[77] Baden-Württemberg will bis Ende Mai endlich knapp 3000 Menschen im öffentlichen Gesundheitsdienst dafür eingestellt haben.[78]


[1] Riskanter Wettlauf – Impfstoffentwicklung gegen Sars-CoV-2 zwischen Renditehoffnung und Sicherheitsbedenken, Neues Deutschland, 23.03.2020

[2] Rolf Gössner, Gedanken und Thesen zum Corona-Ausnahmezustand, Ossietzky“ Nr. 8 v. 18.04.2020

[3] Matthias Schrappe et al., Thesenpapier zur Pandemie durch SARS-CoV-2/Covid-19 ‒ Datenbasis verbessern Prävention gezielt weiterentwickeln Bürgerrechte wahren, Springer Pflege, 06.04.2020
[Upd: die Autoren haben eine aktualisierte Version vorgelegt: Thesenpapier 2.0, v. 3.5.2020]

[4] Fuest, Lohse, Kräusslich et al., Die Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie tragfähig gestalten – Empfehlungen für eine flexible, risikoadaptierte Strategie, Ifo-Institut, 2.4.2020

[5] Corona-Zahlen: Kritik am RKI, ZDF, 10.5.2020,

[6] John P.A. Ioannidis, A fiasco in the making?  In the coronavirus pandemic, we’re making decisions without reliable data,. STAT, 17.3.2020, Why this Nobel laureate predicts a quicker coronavirus recovery, Los Angeles Times, 23.3.2020

[7] Kontaktsperre und Co gefährlicher als Corona?, ZDF, 29.03.2020

[8] Epidemiologe warnt vor noch schärferen Maßnahmen: Gibt keinen Grund, das ganze Land in häusliche Quarantäne zu schicken“, Tagesspiegel, 24.3.2020

[9] s. z.B. Job Displacement and Mortality: An Analysis Using Administrative Data, The Quarterly Journal of Economics, Volume 124, Issue 3, August 2009,

[10] The burden of disease in Greece, health loss, risk factors, and health financing, 2000–16: an analysis of the Global Burden of Disease Study 2016, The Lancet, 25.7.2018,

[11] Auch die Politik des Lockdown produziert Tote – man sieht sie nur nicht gleich, FOCUS Online, 29.03.2020. Siehe auch New Food Foundation Survey: Three Million Britons are going hungry just three weeks into Lockdown, Food Foundation, April 2020

[12] Bulgan Molor-Erdene, Soziale Folgen des „Social Distancing“, Telepolis, 23.3.2020

[13] Stellungnahme zur Situation von Kindern und Jugendlichen in der Corona-Pandemie 2020, pädagogisch-medizinische Arbeitsgruppe Witten/Herdecke, 5.5.2020

[14] Gerd Gigerenzer, „Mit unberechenbaren Risiken rechnen“ ‒ Was Corona-Zahlen sagen – und was nicht, FR, 12.05.2020,  Angst vor Corona-Virus: Wenn Patienten ihre Gesundheit riskieren, FR, 18.04.2020

[15] Die Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie tragfähig gestalten a.a.O.

[16] Folgen durch Corona: Experten befürchten mehr Suizide und Depressionen durch Coronakrise, SWP, 02.04.2020

[17] Economic suicides in the Great Recession in Europe and North America, The British Journal of Psychiatry Volume 205, Issue 3, September 2014, pp. 246-247

[18] Greg Miller, Social distancing prevents infections, but it can have unintended consequences, ScienceMag, 16,3.2020

[19] Charité-Rechtsmediziner: Wir sehen mittlerweile „Corona-Suizide“, FOCUS Online, 18.05.2020

[20] Ausgangssperre und Kontaktverbot: Ein verfassungswidriger Eingriff in Freiheitsrechte“, FR, 25.03.20, s.a. Rolf Gössner, Gedanken und Thesen zum Corona-Ausnahmezustand a.a.O.

[21] Coronakrise: Eine bedrohliche Entwicklung für die Grundrechte, Interview mit RA Eberhart Schultz, Telepolis, 3..5.2020

[22] Zweifel an RKI-Todeszahlen Merkur, 10.04.2020

[23] Coronavirus News aktuell: Experten halten Corona-Lockdown für einen „Riesenfehler“, News.de, 8.5.2020, Rechtsmediziner Püschel: „Angst ist überflüssig“, NDR 28.04.2020 | 19:30 Uhr,

[24] Corona-Pandemie: Warum sterben in Italien so viele?, FAZ, 20.03.2020

[25] Coronavirus: Why the Swedish experiment could prove Britain wrong, The Telegraph, 3.4.2020

[26] Sterbefälle und Lebenserwartung Sonderauswertung zu Sterbefallzahlen des Jahres 2020, Statistisches Bundesamt , Stand 15.5.2020

[27] RKI-Chef zu Corona: „Wir sehen, dass die Übersterblichkeit steigt in Deutschland“, Welt, 30.04.2020, Coronavirus: Übersterblichkeit – Wie tödlich ist das Coronavirus wirklich?, Deutschlandfunk, 1.5.2020

[28] Charité-Rechtsmediziner: Wir sehen mittlerweile „Corona-Suizide“, FOCUS Online, 18.05.2020

[29] SARS-CoV-2 Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19), 30.4.2020

[30] https://coronavirus.jhu.edu/data/mortality

[31] John Ioannidis , A fiasco in the making? As the coronavirus pandemic takes hold, we are making decisions without reliable data, STAT, 17.3.2020

[32] Kenji Mizumoto, Katsushi Kagaya, Gerardo Chowell, Early epidemiological assessment of the transmission potential and virulence of coronavirus disease 2019 (COVID-19) in Wuhan City: China, January-February, 2020, medRXiv, 13.3.2020

[33] Zwischenergebnis zur Coronavirus-Übertragung – Das sind die ersten Lehren der Heinsberg-Studie, Tagesspiegel, 09.04.202

[34] s. u.A. Heimliche Ausbreitung: Auf jeden bestätigten Corona-Fall kommen bis zu zehn unentdeckte, SPIEGEL,18.03.2020 u COVID-19: Wo ist die Evidenz?, Stellungnahme des Netzwerkes „Evidenzbasierte Medizin“ EbM  vom 20.03.2020)

[35] LA County Study: Antibody Testing Suggest Number of COVID-19 Infections Far Exceeds Number of Confirmed Cases, L.A. County Department of Public Health, 20.4.2020 

[36] COVID-19 Antibody Seroprevalence in Santa Clara County, California, medRxiv, 17.4.2020

[37] Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland Saison 2017/18,  RKI, 18.9.2018,, RKI Saisonbericht 2018/2019), 27.9.2019

[38] Ergebnisse der „Heinsberg-Studie“ veröffentlicht, Pressemitteilung Uni Bonn, 04.05.2020

[38a] Täglicher Lagebericht des RKI zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19), RKI, 27.4.2020

[38b] Global Covid-19 Case Fatality Rates, Centre for Evidence-Based Medicine, 17.4.2020, John Ioannidis et. Al, Population-level COVID-19 mortality risk for non-elderly individuals overall and for non-elderly individuals without underlying diseases in pandemic epicenters, medRxiv, 08.4.2020.

[38c] Kinder und Jugendliche in der CoVid-19-Pandemie: Schulen und Kitas sollen wieder geöffnet werden.  ‒ Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), der Deutschen Akademie für Kinder und Jugendmedizin (DAKJ) und dem Berufsverband der Kinder und Jugendärzte in Deutschland (bvkj e.V.), 18.5.2020

[39] Corona: Die meisten Ansteckungen im direkten Umfeld, MDR, 16.5.2020

[40] Hans-Georg Kraeusslich, Das Coronavirus – was wir wissen und was wir nicht wissen, 5.4.2020

[41] Thesenpapier zur Pandemie …, a.a.O.

[42] Hendrik Streeck: „Einzelne Übertragungen im Supermarkt sind nicht das Problem“, Die Zeit, 6.4.2020

[43] Corona: Die meisten Ansteckungen im direkten Umfeld, MDR, 16.5.2020

[44] Hendrik Streeck: „Einzelne Übertragungen …“, a.a.O.

[45] Corona: Die meisten Ansteckungen im direkten Umfeld, MDR, 16.5.2020

[46] Modes of transmission of virus causing COVID-19: implications for IPC precaution recommendations Scientific brief, WHO, 29.3.2020

[47] Schätzung der aktuellen Entwicklung der SARS-CoV-2-Epidemie in Deutschland – Nowcasting, RKI, Epidemiologisches Bulletin 17 | 2020

[48] s. dazu meinen Artikel: RKI-Corona-Studie: Lockdown kaum Einfluss auf Ausbreitung des Virus, Sputnik, 25.4.2020, sowie Corona: Neue Daten stellen Epidemie-Verlauf infrage, NDR Info, 25.04.2020)

[49] So u.a. Prof. Ulrich Keil, ehem. WHO-Berater und Vorsitzender der Europ. Region des Internat. Verbands der Epidemiologen, Coronavirus: Epidemische Lage von nationaler Tragweite?, NachDenkSeiten, 45.2020 u. Corona in Barcelona: „Ich glaube, die Sonne hilft uns jetzt“, FR, 08.05.2020

[50] Monitoring COVID-19 spread in Switzerland, ETH Zürich, 22.4.202

[51] ‚Damage done by lockdown could outweigh that of coronavirus‘, warns professor, Yahoo News UK, 20.4.2020

[52] School closure and management practices during coronavirus outbreaks including COVID-19: a rapid systematic review, The Lancet, 6. April 2020

[53] Experteneinschätzungen zu Covid-19, Uni-Klinikum Tübingen, 8.5.2020

[54] Das Missverständnis vom schwedischen Sonderweg, Der Spiegel, 26.04.2020, Schwedens Corona-Stratege im Interview: „Schulen zu schließen, ist überflüssig“, Johan Carlson, Generaldirektor der schwedischen Behörde für Volksgesundheit. Der Spiegel, 12.05.2020

[55] No state of emergency, just personal responsibility — The Swedish experiment, Le Monde diplomatique, 7.5.2020

[56] http://91-divoc.com/pages/covid-visualization/

[57] Corona-Eindämmung in Schweden: Holz- oder Königsweg?, taz, 3. 5. 2020

[58] Schwedens alternative Strategie im Corona-Kampf scheint aufzugehen, DWN, 20.04.2020

[59] Corona-Tote in Schweden: Jeder Zweite hat zuvor in einem Seniorenheim gelebt, tagesspiegel, 7.5.2020

[60] Sweden coronavirus rates easing up despite loose rules, top official says, The Washington Times  15.4.2020

[61] Corona-Eindämmung in Schweden: Holz- oder Königsweg?, taz, 3. 5. 2020

[62] Corona in Hamburg UKE-Experte lobt Schweden – und fordert Öffnung der Schulen, Hamburger Morgenpost, 9.4.2020

[63] s. u.a. Die Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie tragfähig gestalten, a.a.O – , Coronavirus: WHO nennt Schweden ein Vorbild, Nau.ch, 30.4.2020

[64] UKE: Corona-Lage „stabil, kontrolliert und ruhig“, NDR, 08.04.2020

[65] zitiert nach Arno Luik, Risiken und Nebenwirkungen, NachDenkSeiten, 15.4.2020

[66] s. dazu u.A. Arno Luik a.a.O., Georg Eckert und Leonard Novy  Wann kommt der nächste Ausnahmezustand? ‒ Warum das Corona-Risiko nicht absolut gesetzt werden darf, Tagesspiegel, 17.04.2020

[67] Die Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie tragfähig gestalten a.a.O.

[68] RKI-Chef zu Corona: „Wir sehen, dass die Übersterblichkeit steigt in Deutschland“, Welt, 30.04.2020

[69] Sechs Prominente appellieren an die Politik: Raus aus dem Lockdown – so rasch wie möglich, Spiegel, 24.04.2020

[70] Mediziner kritisiert Corona-Einschränkungen: „Die Reaktion der Politik hat den Rahmen gesprengt“, Spiegel, 6.5.2020

[71] John P. A. Ioannidi et. al., Population-level COVID-19 mortality risk for non-elderly individuals overall and for non-elderly individuals without underlying diseases in pandemic epicenters, medRxiv, 08.4.2020.

[72] Coronavirus: Hintergrundimmunität durch frühere Infektionen?, FAZ, 24.04.2020

[73] Coronavirus:Wie Münchner Forscher der Pandemie ein Ende setzen wollen, Süddt. Zeitung, 9.5.2020

[74] Robert Koch-Institut startet bundesweite Antikörper-Studien, RKI, 9.4.2020

[75] Wohin mit den Testkapazitäten? – So bleiben bisher Infizierte unerkannt, SWR, 13.5.2020

[76] Pressekonferenz Bundeskanzlerin Merkel vom 20.04.2020

[77] Probleme bei Kontakt-Nachverfolgung : Gesundheitsämter beklagen Personalmangel in der Corona-Krise, RP-Online, 14.5.2020

[78] Baden-Württemberg: 3000 Mitarbeiter sollen Corona-Kontakte nachverfolgen, dpa, 12.5.2020

One thought on “Lockdown gegen Corona: unverhältnismäßig und verantwortungslos”

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