Leserbrief: Die Stilllegung des öffentlichen Lebens – mehr Schaden als Nutzen

zu: Nur noch zu Zweit und Kommentar „Vernünftig“, RNZ v. 23.3.2020

Dass die massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens, vernünftig sind, kann durchaus bezweifelt werden. Die extremen Maßnahmen, wie Ausgangsbeschränkungen oder das Verbot von Zusammenkünften von mehr als zwei Menschen, erfolgen ohne wissenschaftliche Grundlage, sogar gegen ausdrückliche Empfehlungen namhafter Experten. Sie scheinen im wesentlichen rein politisch motiviert zu sein, z.T. um nicht zu zaghaft zu erscheinen z.T. aber auch aus Populismus, weil sich Entscheidungsträger als Macher zu profilieren suchen, wie vorneweg der bayrische Ministerpräsident Markus Söder.
(Und dies auch mit Erfolg, angesichts einer verbreiteten Hysterie bei der jeder Andere schon als lebensbedrohend angesehen wird, obwohl weniger als einer von Tausend infiziert ist und bei Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen auch nur ein Bruchteil der Kontakte mit Infizierten zur Ansteckung führen würde.)

Hat man nur die Ausbreitung des neuen Virus im Blick, ist natürlich keine Maßnahme zu viel. Auf der Strecke bleibt jedoch die Frage nach ihrer Verhältnismäßigkeit und eine Abwägung ihrer humanitären Folgen. Viele der Maßnahmen werden sicherlich auch Menschenleben kosten — z.B., da Armut die Lebenserwartung drastisch senkt, durch den Absturz vieler prekär Beschäftigter in existenzielle Nöte oder durch Ausbreitung von Depressionen oder häuslicher Gewalt.

Viele Experten, wie die renommierten Epidemiologen Prof. Ioannidis (Uni Stanford) und Prof Katz (Yale) oder Prof. Hendrik Streeck (Bonn), warnen daher eindringlich, dass mit den überzogenen Maßnahmen mehr Schaden als Nutzen angerichtet werde — vor allem weil unklar ist, wie lange sie aufrechterhalten werden sollen. Schließlich ist eine Änderung der Situation erst mit der Verfügung über wirksame Medikamente und Impfstoffen zu erwarten, also frühestens Ende des Jahres.

Die schwedische scheint eine der wenigen  Regierungen zu sein, die sich solche Gedanken macht. Sie sah z.B. von Schulschließungen ab, da dadurch u.a. die Zahl einsatzfähiger Ärzten und Pflegekräften verringert würde und konzentrierte sich auf den Schutz der Gefährdetsten. Obwohl in Schweden keine Ausgangsbeschränkungen verhängt wurden und z.B. auch Restaurants noch geöffnet haben, ist dort keine raschere Ausbreitung der Cornoavirus-Infektionen und -Todesfälle zu beobachten als in Deutschland.

Südkorea hat die Epidemie ebenfalls ohne Stilllegung des öffentlichen Lebens in den Griff bekommen, durch wesentlich intensiveres Testen und gezielte Isolation von Infizierten sowie den Kreisen, mit denen sie Kontakt hatten. Solche Maßnahmen lassen sich auch ein Jahr lang durchhalten, die in Deutschland verhängten nicht.

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