Kategorie: Nordafrika

NATO-Bomben als »exzellente Investition« – Ossietzky

Ohne Einhaltung einer Schamfrist haben Politiker und Medien der beteiligten Länder sogleich Ansprüche an den zukünftigen Öl- und sonstigen Geschäften angemeldet. Der Anteil daran müsse sich selbstverständlich nach dem Anteil am Krieg richten, tönte es aus England und Frankreich. Der »Nationale Übergangsrat«, die unter der Ägide von Paris, London und Washington gebildete Führung der Aufständischen, hat Frankreich bereits Anfang April den Zugriff auf ein Drittel des libyschen Öls zugesichert.
Den Startschuß für die britischen Firmen hat, wie die Zeitung Guardian berichtete, der britische Militärminister Philip Hammond abgefeuert, indem er sie drängte »ihre Koffer zu packen«, nach Libyen zu eilen und sich Wiederaufbau-Aufträge zu sichern. »Libyen ist ein relativ wohlhabendes Land mit Ölreserven, und ich erwarte, daß es Möglichkeiten für britische und andere Konzerne gibt, sich am Wiederaufbau Libyens zu beteiligen«, so Hammond in einem BBC-Interview. Die 150 Milliarden Dollar Auslandsguthaben Libyens, die nun wieder freigegeben werden, bilden, so das Blatt, einen »ziemlich großen Topf«.
Vermutlich ist der aufzuteilende Kuchen noch viel größer. Das britische Handelsministerium schätzt das gesamte Auftragsvolumen im kommenden Jahrzehnt, summiert über alle Bereiche – von der Ölförderung bis zu medizinischer Ausrüstung, Wohnungen und Erziehung –, auf umgerechnet 250 Milliarden Euro (Daily Mail). Libyen könnte eines der größten Wachstumsgebiete britischer Firmen werden, frohlocken englische Zeitungen.
Der britische Handelsminister hat im Verein mit den Öl-Multis Shell und BP bereits entsprechende Verhandlungen aufgenommen, ihre französischen Pendants ebenfalls. Die Aktienwerte von Shell und BP gingen nach Gaddafis Tod in froher Erwartung der Anleger ordentlich in die Höhe.
»Die NATO beendet möglicherweise ihre Operationen in Libyen, die Präsenz des Westens ist aber noch lange nicht zu Ende, wobei die großen Konzerne nun die Kampfflugzeuge ersetzen werden«, stellte die Londoner Journalistin Laura Smith sarkastisch fest (RT). »Die Länder, die den ölreichen Staat zusammengebombt haben, erhalten nun lukrative Aufträge, um ihn wieder aufzubauen.«
Den offiziellen Angaben zufolge war dieser Krieg recht billig. Washington gibt seine Gesamtkosten mit rund zwei Milliarden Dollar an. Die Briten beziffern die Ausgaben für ihre 2.100 Luftangriffe auf Libyen, mit denen sie rund 900 Ziele zerstörten, auf nur 300 Millionen Pfund, also rund 350 Millionen Euro. Angesichts der relativ geringen Kosten erweise sich der Krieg für die britische Regierung als »exzellente Investition«, so der Malta Star.
Berechnungen unabhängiger Experten zufolge betragen die tatsächlichen Kosten zwar das Fünf- bis Siebenfache. Doch auch dann wäre es aus dieser Sicht ein gutes Geschäft. Allerdings ist der Erfolg in Libyen noch lange nicht gesichert. Auch zwei Monate nach der Liquidierung Gaddafis herrscht im Land keine Ruhe.
Der Nationale Übergangsrat wird zwar von den maßgeblichen Ländern als neue Führung Libyens anerkannt, hat das kriegszerstörte Land aber keineswegs unter Kontrolle. Neben dem anhaltendem Widerstand gaddafitreuer Gruppen und dem Unwillen der Mehrheit im Westen des Landes, sich den neuen Herren unterzuordnen, die ihnen NATO-Bomben und Zerstörung brachten, mangelt es ihm vor allem auch an Autorität, um sich gegen die verschiedenen Kräfte innerhalb der Anti-Gaddafi-Koalition durchzusetzen. Besonders die Rebellenmilizen sind keineswegs bereit, nun die Waffen abzugeben oder sich der Übergangsregierung unterzuordnen. Nahezu täglich liefern sich rivalisierende Einheiten Feuergefechte um Macht- und Einflußbereiche. Hinzu kommen massive Auseinandersetzungen zwischen säkularen pro-westlichen und den militärisch starken islamistischen Kräften.
Erbittert ist besonders der Kampf um den internationalen Flughafen von Tripolis, der von Rebellenbrigaden aus Zintan kontrolliert wird. Die noch relativ schwache neue Armee unter dem Kommando des langjährigen CIA-Mannes Khalifa Heftar scheiterte mehrfach beim Versuch, ihnen die Kontrolle zu entreißen. Die Auseinandersetzung hat noch an Schärfe gewonnen, weil hier in Kürze laut Spiegel online fünf Frachtflugzeuge mit Bargeld eintreffen sollen. Der Wert der in Deutschland gedruckten Dinar-Scheine beträgt mehrere Milliarden Euro. Wer deren Transport vom Flughafen zur Zentralbank in der Innenstadt absichert, kann mit erheblichen Provisionen rechnen.
Der Streit darum dürfte jedoch erst das Vorspiel viel intensiverer Auseinandersetzungen um die enormen Reichtümer des Landes sein. Nachdem die NATO-Staaten nun die zu Kriegsbeginn eingefrorenen Auslandsguthaben des libyschen Staates wieder freigeben, fallen 112 Milliarden Euro in die Verfügungsgewalt der zusammengewürfelten, durch nichts legitimierten neuen Führung des Landes.
Was mit den bisher schon freigegebenen 18 Milliarden Dollar geschah, hat sich offenbar weitgehend der öffentlichen Kontrolle entzogen. Ein Mitarbeiter des Übergangsrates berichtete, daß es in seinem Ministerium kein einziges Schriftstück gebe, das den Verbleib der Gelder dokumentiere. Alles würde ausschließlich übers Telefon und in persönlichen Gesprächen abgewickelt.
Insofern ist die Sorge vieler Experten, daß Libyen bald in Chaos und neuem Bürgerkrieg versinken könnte, nicht übertrieben. »Libyen als Staat ist verloren und wird immer weiter ins ökonomische und politische Chaos gleiten«, meint der russische Wissenschaftler Sergej Demidenko in Voice of Russia. Die Ermordung Gaddafis könnte der Anfang des totalen Zerfalls des Landes gewesen sein, befürchtet auch der Spiegel.
Wenn die NATO-Staaten die Früchte ihres Krieges nicht verlieren wollen, werden sie nach Einschätzung vieler Experten um den Einsatz regulärer Bodentruppen, den »boots on the ground«, nicht herumkommen. Die Situation ähnelt der in Afghanistan im Januar 2002. Auch dort waren es einheimische Verbündete (die Nordallianz) und NATO-Spezialeinheiten, die mit Hilfe massiver Luftangriffe das Taliban-Regime stürzten. Und auch hier setzte man eine pro-westliche Regierung mit zweifelhafter Legitimation ein, die zwar international anerkannt wurde, im Land jedoch kaum Rückhalt hatte. Erst als sich abzeichnete, daß sich die neue Regierung angesichts rivalisierender Warlords und eines wachsenden Widerstands nicht würde halten können, folgte eine jährlich steigende Zahl von »internationalen Stabilisierungskräften« (ISAF) und US-Kampftruppen für die »Operation dauerhafte Freiheit«.
In Afghanistan und im Irak begannen die großen Schwierigkeiten erst nach dem Sturz des alten Regimes. Die direkten Kriegskosten der USA in Afghanistan stiegen seither auf über 300 und im Irak auf 800 Milliarden Dollar.
Nach einer »ungeheuer erfolgreichen britischen Mission in Libyen«, so Hammond gegenüber der BBC, müsse Britannien nun die »Befreiung des Landes« in eine »erfolgreiche Stabilisierung umwandeln, so daß Libyen zukünftig ein Leuchtturm des Wohlstands und der Demokratie in Nordafrika werden kann«.
Finstere Aussichten für Libyen: Das letzte Land, das so ein »Leuchtturm« werden sollte, war der Irak.

Luigi Ambrosi: Geostrategische Anmerkungen zur Besetzung Libyens

Was die Gründe Russlands und China betrifft, das Mandat zum Krieg gegen Libyen im UN-Sicherheit passieren zu lassen, so erscheinen mir die Überlegungen des ehemaligen indischen Botschafters M. K. Bhadrakumar einleuchtender. Er vermutet, dass ihnen Libyen, trotz der zu erwartenden Verluste, schlicht nicht so wichtig war, wie ein gutes Verhältnis zu den ölreichen Golfmonarchien, die sowohl geostrategisch wie wirtschaftlich ein wesentlich größeres Gewicht haben. (Die NATO lässt sich in Libyen nieder, Asia Times, 1.11.2011)
Die Bedeutung des Ausscherens Deutschlands aus der Kriegsfront wird von Ambrosi etwas überschätzt (Anm. 3). Deutschland ist dadurch keineswegs isoliert worden. Zum einen beteiligten sich nur 8 Nato-Staaten mit Truppen direkt am Krieg, zum anderen unterstützte Deutschland den Krieg politisch wie logistisch. Treibende Kraft waren diesmal auch nicht die USA sondern Frankreich und Großbritannien.
Bzgl. der Auswirkungen auf Italien (Anm. 4) übersieht er, dass ENI und UniCredit schon bald nach Beginn des Krieges in Bengasi die Führung beim Umbau der libyschen Wirtschaft übernommen haben. Praktischer Weise ist der Vizepräsidenten von UniCredit, Farhat Omar Bengdara, noch bis April gleichzeitig Gouverneur der Libyschen Zentralbank gewesen. Seine Beziehungen zur italienischen Regierung waren exzellent. Man muss sich also um Italiens Firmen wenig Sorgen machen, allerdings könnten in der Tat zukünftig französische und britische und die führende Rolle in Libyen streitig machen.
Ich halte es auch nicht für hilfreich, alle Strömungen des politischen Islams von den salafitischen, sog. „al-Qaeda“-nahen Gruppierungen bis zu den ägyptischen Muslimbrüder oder der Ennahda-Partei in Tunesien in einen Topf zu werfen (Anm. 8). Der Hinweis darauf, dass die Nato-Staaten sich in den gegnerischen Staaten ungeniert mit Kräften verbündet, gegen die sie in anderen Staaten Krieg führt ist natürlich trotzdem richtig und wichtig.
Schließlich ist zwar die Kritik wichtig, dass es Libyen nicht honoriert wurde, vollständig auf alle sogenannten Massenvernichtungswaffen zu verzichten. Der Schluß, dass ohne diesen Verzicht der Überfall hätte verhindert werden können, ist aber abwegig. Der Versuch sich Atomwaffen zu verschaffen, wäre von den NATO-Mächten sofort zum Anlaß für einem Angriff genommen worden. Schließlich stand Libyen ab 2001 ganz oben auf der Abschußliste.
Der Grund warum Nordkorea nicht direkt im Visier ist, liegt nicht an seinen mutmaßlichen Atomwaffen, sondern an seiner Nachbarschaft zu China. Und der unter intensiver Überwachung stehende Iran ist klug genug, den imperialistischen Staaten nicht durch tatsächliches Betreiben eines Atomwaffenprogramms einen Kriegsvorwand zu liefern. So schmerzlich es ist, die einzig wirksame Verteidigung liegt im Widerstand der Bevölkerung – gegen diesen kamen sie im Irak und in Afghanistan nicht an und werden ziemlich sicher auch auch in Libyen scheitern.
Geostrategische Anmerkungen zur Besetzung Libyens
von Luigi Ambrosi, ComeDonChisciotte.org, 26.10.2011
Luigi Ambrosi promovierte am Fachbereich für Moderne und zeitgenössische Geschichte der La Sapienza-Universität in Rom, ist Buchautor und Verfasser vieler Artikel für wissenschaftliche Zeitschriften.

Original: 10 osservazioni geopolitiche sull’occupazione della Libia
Übersetzung aus dem Italienischen: Bernd Duschner
Mit der Hinrichtung Gaddafis und der Besetzung Libyens unter Zuhilfenahme der Marionettenregierung des Übergangsrates, endet zunächst eine weitere imperialistische Operation der Hauptmächte des früheren Kolonialismus. Das gesamte Bündnis der westlichen Sieger im 2.Weltkrieg (USA, GB, Frankreich) findet sich wieder vereint, um sich die Ressourcen eines souveränen Staates einzuverleiben.
Einige geopolitische Anmerkungen sind dazu angebracht. Dabei verstehe ich unter Geopolitik die Analyse der internationalen Kräfteverhältnisse. Obwohl frühere historische Ereignisse (vom Wiener Kongress bis zur Konferenz von Yalta) es nahelegen sollten, geopolitischen Zusammenhängen besondere Aufmerksamkeit zu widmen, werden sie in den Analysen noch nicht angemessen berücksichtigt.
Erste Anmerkung: Die „Rückeroberung“ Libyens bedeutet einen Sieg der Nato und des westlichen Imperialismus auf internationaler Ebene.

Sie bekräftigt ihre politische und militärische Vormachtstellung auf dem Planeten. Sie ist eine Warnung an alle souveränen Staaten, sich den wirtschaftlichen und politischen Interessen der Länder der westlichen Allianz nicht entgegenzustellen. Trotz ihrer Wirtschaftskrise verfügen sie über ein militärisches Potential, die ihnen die Überlegenheit sichert. Iran, Venezuela, Bolivien und vor allem die BRICS Staaten sind gewarnt. Wir haben eine offen neokoloniale Operation der alten Kolonialmächte erlebt. Wir können sie als einen ersten Sieg der Nato im neuen Weltkrieg, dem Weltkrieg gegen die BRICS Staaten mit China an der Spitze, ansehen. Der Präsident der USA Barack Obama hat erklärt, der Tod Gaddafis bedeute, dass „wir jetzt in der ganzen Welt die Macht der amerikanischen Führung sehen“. Dazu hat er dieses Mal erreicht, dass zahlreiche europäische Staaten an dem Krieg teilgenommen haben.
Zweite Anmerkung: Die BRICS Staaten und ihr wachsender politischer (und wirtschaftlicher) Einfluss als Gegenpol zum westlichen Imperium und der Nato haben einen spürbaren Rückschlag erhalten.

Der Großteil der Länder der Welt dürfte von diese Machtprobe, der Vernichtung eines souveränen Staates, der Hinrichtung eines Staatsoberhauptes, der Zerstörung seiner Infrastruktur und der Beschlagnahme seiner Rohstoffe als Ergebnis eines acht Monate dauernden Krieges eingeschüchtert sein. Falls hinter der Entscheidung Russlands und Chinas nicht eine wohldurchdachte Strategie steckt, dürfte ihr Verzicht auf ihr Veto in der UNO ein schwerer Fehler gewesen sein. Die USA setzen ihrerseits seit Jahrzehnten bei Resolutionen über den Staat Palästina ihr Veto ein.
Wir wollen nicht glauben, dass sich China allein mit den Erklärungen des US Vizepräsidenten über die Anerkennung der Souveränität Chinas über Taiwan und Tibet zufriedenstellen ließ. Mit Sicherheit braucht China Zeit und vermeidet Fallstricke, die zu einer offenen Konfrontation führen können. In Russland hat jetzt der Wahlkampf begonnen. Er dürfte zur Ablösung von Medwedew durch Putin führen. Medwedew hatte sich stärker mit dem Westen eingelassen. Tatsache bleibt, dass beide Mächte einen Rückschlag und spürbaren wirtschaftlichen Schaden erlitten haben (30.000 chinesische Arbeiter wurden aus Libyen evakuiert, große Verträge Russlands über militärische Lieferungen und die Ausbeutung von Öl- und Erdgaslagerstätten wurden annuliert usw).
Ebenso schwer wiegt für die BRICS Staaten, dass Libyen unter die Kontrolle des westlichen Imperialismus geraten ist, der die Kontrolle über Afrika und das Mittelmeers im Auge hat. Die mögliche Verlagerung des Sitzes von Africom (der Nato in Afrika) [eigentlich das US-Oberkommando für Afrika J.G.] von Deutschland nach Libyen, ermöglicht es, mit größerer Wirksamkeit in Afrika mit seinen Rohstoffen tätig zu werden. Das Land grenzt an den Sudan an, der mit China zusammenarbeitet. Man rückt näher an den Congo und Angola. Dort finanzieren multinationale Konzerne seit über einen Jahrzehnt Separatismus und schreckliche Kriege mit dem Ziel, diese Länder wieder voll in ihren Besitz zu nehmen.
Afrika ist ein Gebiet, wo alle BRICS Staaten, von Indien über Rußland bis Südafrika und Brasilien investieren. Zum Mittelmeer ist zu bemerken: Wenn es der westlichen Allianz gelingt, in Syrien das zu wiederholen, was sie in Libyen erreicht hat und sie die russische Flotte als letzten Störfaktor vertreiben kann, wird dieses Meer vollständig unter ihrer Kontrolle sein.
Wir leben im Westen. Hier war die Propaganda für den Krieg erdrückend stark. Der übrigen Welt konnte nicht verborgen bleiben, dass dieser Krieg für die BRICS Staaten und alle souveränen Staaten in der Welt einen Rückschlag bedeutet. Folglich haben China, Indien, Rußland, die gesamte Afrikanische Union, große Teile der arabischen Liga und Lateinamerikas von Anfang an gegen die Intervention der Nato und das Überschreitung der Grenzen der UN-Resolution Stellung bezogen. In dieser Hinsicht dürfte die Nato trotz ihres militärischen Sieges in den Augen der Welt politisch noch stärker isoliert sein.
Dritte Anmerkung: Beim Libyenkrieg kommt es zu einer politischen Spaltung der EU
Den USA ist es gelungen, Europa politisch zu spalten und Deutschland, das am Krieg nicht teilgenommen hat, zu isolieren. In diesem Hinsicht ist es ihnen zum ersten Mal gelungen, die Front der westlichen „Sieger“ im 2. Weltkrieg wieder herzustellen.
Das ist ein weiterer Erfolg der USA in ihrem Kampf gegen die Europäische Union und den Euro. Wie stark sich diese Spaltung und die Isolierung Deutschlands auf den Zusammenhalt der EU auswirken werden, werden wir bald sehen. Das Konzept bei diesem Krieg scheint so gewesen zu sein: die USA forcieren gemeinsam mit Quatar und mit Unterstützung von Saudi Arabien den Angriff auf Libyen. Anschließend überlassen sie den Krieg Frankreich. Dem Land werden wichtige ökonomische Interessen zugebilligt. Diese hat Frankreich mit britischen und amerikanischen Unternehmen zu teilen. Die USA begnügen sich in wirtschaftlicher Hinsicht mit der Erneuerung der Ölkonzessionen für Chevron und Exxon. Ihr Interesse ist mehr politischer Natur: Die Vorherrschaft der USA in der Welt zu behaupten, eine Militärbasis für Africom zu erhalten, Europa zu spalten. Deutschland (und auch Italien) bezahlen dafür, dass sie mit Russland direkt Verträge über Energielieferungen abgeschlossen haben. Sie müssen zusehen, wie ihre eigenen Investitionen in Libyen beschnitten werden.
Vierte Anmerkung: Italien erleidet durch den Krieg erheblichen Schaden.
Gemeinsam mit Rußland und China ist Italien das Land, das durch diesen Krieg am meisten verliert. Das betrifft sein Ansehen in der Welt: Es ist der Staat, der einen erst kürzlich abgeschlossenen Bündnisvertrag mit Libyen bricht. Die ehemalige Kolonialmacht hatte als einzige unter den früheren Kolonialmächten vor kurzem die eigenen Verbrechen während der faschistischen Besetzung eingeräumt hatte und geplant, in bedeutenden Umfang wirtschaftliche Wiedergutmachung zu leisten (auch wenn mit öffentlichen Geldern und verbunden mit Aufträgen an Unternehmen aus dem Umfeld Berlusconis).
Es wird Einbussen bei seinen Interessensphären und beim Handelsaustausch hinnehmen müssen. Frankreich hat Italien bereits gewarnt: Ihr seid nicht mehr der erste Wirtschaftspartner. Kaum war Gaddafi tot, da verkündigte der französische Verteidigungsminister: „Frankreich ist der Hauptpartner für Libyen. Wir haben uns nicht erst spät, halbherzig und unsicher engagiert (soll heißen: im Gegensatz zu Italien). Libyen muß wieder ausgerüstet werden und wir können das gut tun.“
Der Minister ließ den Übergangsrat den gleichen Vertrag gegen Immigration unterschreiben, den bereits zu seiner Zeit Berlusconi hatte unterschreiben lassen. Air France wird die zerstörte libysche Luftflotte ersetzen. Total hat bereits neue Förderverträge unterschrieben und der französische Unternehmerverband eröffnet im Januar eigene Büros, um im Sektor Energie, Gesundheitswesen, Sicherheit und bei den Infrastrukturinvestitionen mitzuwirken. Unterschrieben sind bereits Verträge für ein Kraftwerk in Sirte, das Kommunikationsnetz (Alcatel und France Telecom), die Hochspannungsleitungen und die Ausbeutung der gewaltigen Trinkwasser-Lagerstätten. Areva verlangt das exklusive Ausbeutungsrecht der Uranlagerstätten.
Die russischen Aufträge für Waffenkäufe wurden bereits zugunsten der Franzosen storniert. Die Vorzeigeunternehmen des italienischen Kapitalismus werden zugunsten der französischen und angloamerikanischen Firmen beschnitten. Total, Chevron werden ENI verdrängen, die französische Rüstungsindustrie wird Finmeccanica ersetzen, und bei Infrastrukturinvestitionen werden statt Impregilound Partner französische Unternehmen Zuge kommen. Es sollte beachtet werden, dass gerade die großen italienischen Firmen betroffen sind, für die es Interessenten gibt und die bereits unter dem Druck amerikanischer Multis (kürzliche Herabstufung) und der EU stehen (sie sollen mit Zustimmung von Prodi und Draghi gemeinsam mit den Goldreserven als Pfand Sicherheit für die Eurobonds dienen).
Das erneuerte siegreiche atlantische Bündnis kann zum Sturz Berlusconis führen (oder besser formuliert, zum Ende des halbherzigen dritten Weges Italiens. Er bestand darin, die Außenpolitik von ENI, Andreotti und Craxi weiterzuführen und zu Rußland und den arabischen Ländern ebenso gute Beziehungen zu unterhalten), zur Marginalisierung Italiens und zur Isolierung Deutschland. Damit verknüpft wäre der Zerfall der EURO Zone.
Fünfte Anmerkung: Auch Europa übernimmt den Kriegskeynesianismus.
In diesem neuen Jahrtausend war der Krieg als Mittel zur Ankurbelung der Wirtschaft bisher ein Vorrecht der USA. Der Krieg zur Zerstörung des Irak hat nicht nur der Rüstungsindustrie (die öffentliche Hand übernahm die Kosten) und der Ölindustrie (Förderkosten von 1-4 Dollar pro Barrel) Impulse gegeben, sondern auch den Unternehmen im Bausektor und den Sicherheitsunternehmen. Die Devise heißt: einen Konkurrenten oder Feind zerstören, um wieder aufzubauen (Keynes) zu können.
Mit dem Libyen Krieg hat auch Europa diese Strategie übernommen: Libyen musste erleben, wie seine Infrastruktur bei 20.000 Bombenangriffen zerstört wurde. Wie der Irak wurde es hinsichtlich seiner Infrastruktur um 20-30 Jahre zurückgeworfen. Jetzt werden westliche Unternehmen mit den beschlagnahmten staatlichen libyschen Geldern und Mitteln aus der Plünderung seiner Rohstoffe den Wiederaufbau übernehmen.
Falls Libyen vollständig befriedet wird (aber das steht keinesfalls fest), können wir einen kleinen Aufschwung für die französische und englische Wirtschaft erwarten. Aber ebenso wenig wie die Plünderung des Irak 2008 die Wirtschaftskrise in den USA verhindert hat, ist dies für den europäischen Kapitalismus zu erwarten, der an diesem Krieg teilgenommen hat. Angesichts der acht Monate ununterbrochener Bombardierungen versteht man endlich, warum sich die Nato-Staaten seit einem Jahrzehnt Hunderte von Jagdbombern anschaffen: Sie hatten ein solches Kriegszenario gegen die Völker der Welt bereits geplant: Bombardierungen von oben, wenige eigene Verluste, Geschäfte beim Wiederaufbau, Einschüchterung der nicht-westlichen Bevölkerungen. Die Bombardierung von Belgrad hat Schule gemacht.
Sechste Anmerkung: Die neuen Formen des Krieges des westlichen Imperiums
Der Architekt der amerikanischen Außenpolitik Vizepräsident Joe Biden hat erklärt:„In diesem Fall hat Amerika 2 Milliarden Dollar ausgegeben und keinen einzigen Toten gehabt. Das ist die Messlatte, wie im Unterschied zur Vergangenheit in Zukunft in der Welt vorgegangen werden muss.“ Kriege ja, aber zu reduzierten Kosten für das Imperium. Wir sind in einer Zeit, in der an der Spitze des Imperiums der Friedensnobelpreisträger Obama steht. Er wurde mit der Losung „Wir können es anders machen“ gewählt.
Die imperialistischen Kriege können deshalb nicht mehr die plumpen ideologischen Rechtfertigungen eines Bush vom „Neuen amerikanischen Jahrhundert“, einer „göttlichen Mission“ oder, noch simpler, vom „Export der Demokratie“ haben. Sie waren von rechten Intellektuellen ausgearbeitet worden. Anspruchsvollere Begründungen sind gefordert. Dafür haben sich sogleich „linke“ Intellektuelle, zur Verfügung gestellt, allen voran der Franzose Bernard Levy: Die Verteidigung der Menschenrechte der örtlichen Bevölkerung gegen Despoten und Diktatoren. Dieses Argument, das bereits im Afghanistankrieg langsam auftauchte (von der Rache an Bin Laden ging man zum Argument von der Verteidigung der Frauen gegen die Burka und ihrem Recht auf Ausbildung über. Mit dem tatsächlichen großen Spiel in Asien haben diese Rechtfertigungen nichts zu tun), wurde für den Krieg gegen Libyen herangezogen.
Man wird es auch bei zukünftigen Kriegen des westlichen Imperialismus verwendet können. Es war ein großer Erfolg für die USA, dass die UNO dieses Argument unter Verletzung des Prinzips der Souveränität der Nationalstaaten übernommen hat. Natürlich hat man vergessen, dieses Argument bei den zahllosen Fällen (die Tragödie der Desaparicidos in ganz Lateinamerika oder die Palästinenser als Beispiel) vorzubringen, bei denen es um proimperialistische Staaten ging.
Diese Strategie von der „Verteidigung der Menschenrechte“ wird von den Medien mit Kampagnen unterstützt, die vor allem aus Lügen bestehen. Im Fall Libyens waren es spektakuläre Lügen. Entscheidend war die Unterstützung durch Al Jazeera. Der Fernsehsender stand wegen der Rolle, die sein Eigentümer, der Scheich von Katar, bei der bewaffneten Auseinandersetzung spielte, in einem offenkundigen Interessenskonflikt. Skrupelloser Einsatz der Medien und des Internets verbunden mit massivem Einsatz von Drohnen sind die neuen Elemente dieser neuen Art der Kriegsführung. Dazu kommt die beachtliche aktive Mitwirkung von Intellektuellen der imperialistischen „Linken“ und von Pseudopazifisten. Sie erinnerten an die Graffiti der Indignados in Barcellona (im Übrigen glänzten diese, abgesehen von New York, beim Thema Krieg durch Abwesenheit): „Wo ist die Linke? Rechts, im Hintergrund“. Wir kennen es aus der Geschichte: Wenn es um nationale koloniale und imperiale Interessen geht, hat sich die Linke in den kapitalistischen Ländern gespalten.
Menschenrechte + Lügen = Beschlagnahme der Auslandsguthaben + Krieg. Besonders gefährlich an dieser Strategie ist, dass ein Präzedenzfall geschaffen wurde. Vorbereitet wird dieses Vorgehen, indem in souveränen Staaten Spaltungen auf ethnischer, religiöser Grundlage und Autonomiebestrebungen gefördert werden. Im Irak war es die religiöse Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten, und die ethnische Abtrennung gegenüber den Kurden. In Libyen ist es die Aufspaltung mittels der Autonomiebestrebungen in der Kyrenaika. Es überrascht, dass sie mit dieser Strategie auch heute noch Erfolg haben, obwohl das Konzept des „Divide et impera“ berüchtigt und bekannt ist.
Diese Vorgehensweise, zu der auch der skrupellose Einsatz von Nicht-Regierungs-Organisationen gehört, kann zu jeder Zeit und gegen jeden angewandt werden: In Darfur, um den Sudan anzugreifen, in Cabinda, um Druck auf Angola auszuüben, in Kiwu für den Kongo, die grüne Revolution und die Kurden für den Iran (und die Türkei), die mutmaßliche Unterdrückung der Opposition in Syrien, der ökologische Protest der Indios in Bolivien und Ekuador bis zum reizvollsten Leckerbissen, Tibet für China. Wenn das nicht genügt, bleibt immer noch die Option Staatsstreich, wie beim versuchten Putsch in Venezuela. Selbstverständlich ist in den westlichen Staaten Separatismus verboten.
Die Operation Libyen war ein Verwirrspiel mit drei Karten: Proteste in Tunesien, in Ägypten und der Kyrenaika. Wo würde das Imperium intervenieren? Gab es Zweifel? Jetzt ist Libyen besetzt. Ägypten und Tunesien werden wahrscheinlich unter islamischer Kontrolle geraten. Saudi Arabien, das mit den USA verbündet ist, hält die Fäden in der Hand. Arabischer Frühling : Ändern, damit sich nichts ändert, außer dort, wo dies in unserem eigenen Interesse ist (Libyen).
Siebte Anmerkung: Wer ist jetzt an der Reihe?
Das „Große Spiel“ lehrt: Wer das Zentrum Asiens kontrolliert, kontrolliert Asien, wer Asien kontrolliert, kontrolliert die Welt. Der westliche Imperialismus bahnt sich seinen Weg. Er führt ihn immer weiter, bis sein tödlicher Atemhauch China, den wichtigsten Konkurrenten in dieser Zeit, erfasst. Afghanistan war dafür der erste Hinweis, die Invasion im Irak der zweite, der ständige Druck und die Drohungen gegen den Iran der dritte, die Ausdehnung der Kriegsoperationen gegen Pakistan der vierte. Die Besetzung Libyens und im erneuerten Bündnis mit Saudi-Arabien, die Androhung einer „Flugverbotszone“ westlicher Prägung gegen Syrien zur Kontrolle des Mittleren Orients, der Fünfte Hinweis. Dazu kommen alle mehr oder minder verdeckten Operationen in verschiedenen zentralasiatischen Ländern.
Weil das westliche Imperium aber weltweit herrschen möchte, wird es auch die Menschenrechte in Afrika nicht aus den Augen verlieren: die großen Vorkommen an Rohstoffen und landwirtschaftlichen Flächen mit Algerien, Sudan, Somalia, Congo und Angola stehen ganz oben auf der Liste. Und warum sollte man die Menschenrechte in den Staaten der ALBA in Lateinamerika vergessen, allen voran in Venezuela, Cuba, Nikaragua, Bolivien und Ekuador? Unter dem Vorschein internationaler Zusammenarbeit machen sich Nicht- Regierungsorganisationen schon daran, dafür den Boden vorzubereiten. Endziel des westlichen Imperialismus: die wachsende Bedeutung der BRICS Staaten zu beenden und jeden Staat zu beseitigen, der seine Souveränität in Anspruch nimmt.
Achte Anmerkung: Das heimliche Bündnis mit dem islamischen Integralismus [1]
Libyen hat uns das scheinbar nicht bekannte Bündnis zwischen westlichen Imperialismus und islamischen Integralismus gezeigt. Es stammt aus der Zeit des gemeinsamen Kampfes gegen die russische Präsenz in Afghanistan und wurde erneuert. Al Kaida ist nicht zufällig der Name der Datenbank der CIA, mit der in Afghanistan islamischen Kämpfer gegen die Sowjets rekrutiert und ihre Namen festgehalten wurden.[2] Während das Imperium behauptet, in Afghanistan gegen den „islamischen Integralismus“ zu kämpfen, verbündet es sich gleichzeitig im Mittelmeerraum mit ihm, um den Umsturz in verhassten Staaten zu erreichen. (Es ist eine Tatsache, dass sich die Milizen des Übergangsrates zum großen Teil aus radikalen Islamisten zusammensetzen).
Das gilt für Libyen und Syrien. Man sollte beachten, dass dieses Bündnis es radikalen Islamisten ermöglich, die Zerstörung der letzten noch verbliebenen laizistischen Staaten in dieser Region in Angriff zu nehmen. Der erste dieser Staaten war Irak, jetzt ist die Reihe an Libyen und Syrien. Mit dem voraussichtlichen Sieg der Moslembrüder in Ägypten (dank Saudi Arabien) und ähnlicher Kräfte in Tunesien entsteht ein gemeinsamer Block des islamischen Integralismus, der das ganze Nordafrika umfasst. Der Westen hat dazu entscheidend beigetragen. Die Frauen sind die ersten, die die Folgen tragen werden: Der Übergangsrat hat bereits verkündet, dass er das islamische Gesetz in Kraft setzen und die Heirats- und Scheidungsgesetze revidieren will.
Neunte Anmerkung: Die Prüfung der ökonomischen Motive des Krieges
Der Marxismus lehrt, bei historischen Ereignissen die dahinterstehenden wirtschaftlichen Beweggründe und Herrschaftsinteressen zu erforschen. Der Krieg in Libyen wurde zur Verteidigung der Menschenrechte der Demonstranten in Bengasi verkünde. Die wirklichen Interessen werden sofort klar, wenn man sich die Erklärungen der französische Regierung und den Jubel der Clinton und von Obama ansieht: Interesse am Erdöl, Interesse an Infrastrukturaufträgen, Interesse am Wasser, Interesse, die Einführung einer Goldwährung in Afrika als Gegenstück zum Dollar einzuführen, zu verhindern, politische Interesse an der Vorherrschaft.
Alles scheint mit dem Vertrag zwischen ENI und der italienischen und libyschen Regierung begonnen zu haben: ENI akzeptierte, dass sein Anteil an den Erlösen des gewonnen Erdöls und Erdgases von bisher 30-40% auf 12,5% gesenkt wurde. Als Gegenleistung hätte Italien angemessene Aufträge bei der Infrastruktur erhalten. Diese Vereinbarung führte zu heftigen Reaktionen der französische (Total), englischen (BP) und amerikanischen(Chevron, Exxon) Ölgesellschaften. Sie befürchteten, dass es auch bei ihnen zu einer entsprechenden Reduzierung auf 12,5% bei den Erträgen aus dem gewonnenen Erdöl kommen würde. [J.G.: Die anderen Konzerne mussten parallel zu ENI dieselben Nachbesserungen akzeptieren, siehe Der Krieg gegen Libyen und die Rekolonialisierung Afrikas – Teil 2]
Wir werden die neuen Verträge mit der Marionettenregierung sehen. Die Aufträge für den Bau von Infrastrukturen und der Ausbeutung neuer Lagerstätten hatte die libysche Regierung unter Gaddafi Italienern, Russen und Chinesen anvertraut (zum kleinen Teil auch Deutschen). Die atlantischen Mächte waren ausgeschlossen geblieben. Schon jetzt ist der Übergangsrat dabei, die Aufträge an Frankreich zu geben, das ihm seine Rechnung präsentiert hat und für sich den Wiederaufbau der Infrastruktur und die Waffenlieferungen (bisher aus Rußland und Italien) einfordert.
Auch an den gewaltigen Wasservorkommen unter der Sahara zeigt Frankreich Interesse. Sie hatte die libysche Regierung zur Schaffung der größten Bewässerungsinfrastruktur, die jemals von Menschen errichtet wurde, genutzt. Über die Goldwährung, die im Zahlungsverkehr für die afrikanischen Völker den Papierdollar ersetzen sollte, wird man selbstverständlich nicht mehr sprechen. Eine Sache verbindet Gaddafi und Saddam: beide hatten ihre Absicht zu erkennen gegeben, nicht mehr den Dollar als das einzige Geld für den Verkauf ihrer Rohstoffe zu akzeptieren. Das läßt vermuten, dass die USA Angst haben, die souveränen Staaten könnten den mittlerweile nicht mehr gedeckten Dollar aufgeben. Am Ende werden wir sehen können, ob die USA vorhaben, den Sitz von Africom nach Libyen zu verlagern und ob es in den nahegelegenen Ländern Sudan und Algerien eine Zunahme kriegerische Auseinandersetzungen geben wird. Mit Sicherheit werden wir in kürze die Streitigkeiten der atlantischen Geier um die Verteilung der libyschen Beute beobachten können.
Zehnte Anmerkung. Die Notwendigkeit für souveräne Staaten, Abschreckungswaffen zu haben.
Auch wenn man es nicht will, muss man feststellen, dass Libyen, das auf nukleare und ähnliche Waffen verzichtet hatte, angegriffen und zerstört wurde, während das Imperium bei Nordkorea seine Befürchtungen hat und zögert. Hätte Gaddafi Atomwaffen gehabt, würde er noch leben und Libyen wäre ein souveräner Staat. Die Staaten außenhalb der westlichen Front können deshalb nur sagen: „Vorwärts Iran“.
Die Verteidigung der Menschenrechte in Libyen und anderswo überlasse ich den Naiven und der neuen Gattung Art gebildeter proimperialistischen Intellektueller.
Ich schließe mit einer Verneigung vor Gaddafi. Er versprach, mit der Waffe in der Hand bei der Verteidigung seines Landes zu sterben. Das hat er getan. Kann mir jemand den Namen eines italienischen oder westlichen Politikers nennen, der dazu, wie er, bereit wäre?
————————
1) Anm. J.G.: Unter Integralismus versteht man eine Weltanschauung, die alle Lebensbereiche nach religiösen Maßstäben deuten und gestalten will. Im Unterschied zu dem im angelsächsischen gebräuchlichen „Fundamentalismus“ deutet der aus dem Französischen kommende Begriff nicht zwangsläufig radikale Bibel- bzw. Korantreue, Ablehnung moderner Wissenschaft oder „rückwärtsgewandte“, extrem-traditionalistische Ideologie an. Er passt daher besser zu dem, was oft ungenau und auch diffamierend Islamismus genannt wird.
2) Anm. J.G.: so beschreibt z.B. der ehem. britische Außenminister Robin Cook den Ursprung des Namens. Bin Laden erklärte im Oktober 2001 gegenüber dem Al Jazeera Journalisten Tayseer Alouni jedoch, der Name “al-Qaeda‘ (dt. Basis, Fundament, Stützpunkt) käme davon, dass sie in den 80er Jahren die Trainingslager der gegen die Sowjets kämpfenden Mudschaheddins so gennannt hätten.

NATO-Bomben auf Libyen: „Exzellente Investition“

Den Startschuss für die britischen Firmen hat, so der Guardian, der britische Militärminister Philip Hammond abgefeuert, indem er sie drängte „ihre Koffer zu packen“, nach Libyen zu eilen und sich Wiederaufbau-Aufträge zu sichern (British firms urged to ‚pack suitcases‘ in rush for Libya business, Guardian, 21.10.2011).
“Libyen ist ein relativ wohlhabendes Land mit Ölreserven und ich erwarte, dass es Möglichkeiten für britische und andere Konzerne gibt, sich am Wiederaufbau Libyens zu beteiligen,“ so zitieren Smith und der Guardian aus einem BBC-Interview mit ihm (Hammond: Libya ‚holds business opportunities‘ for UK, BBC-Video, 21.10.2011).
Der „Nationale Übergangsrat“, die unter der Ägide Paris, Londons und Washingtons gebildete Führung der Aufständischen, hat schon früh versichert, dass die verbündeten Länder, vorneweg Frankreich und Britannien, dafür ordentlich belohnt würden. Erwartet werden daher, so der Guardian, gute Gewinne sowohl beim Öl als auch bei anderen Geschäften. Die 150 Mrd. Dollar Auslandsguthaben Libyens, die nun wieder freigegeben werden, seien ein ziemlich großer Pott.
Das britische Handels- und Investitionsministerium schätzt das gesamte Auftragsvolumen, summiert über alle Bereiche, von der Ölförderung bis zu medizinischer Ausrüstung, Wohnungen und Erziehung, im kommenden Jahrzehnt auf 300 Milliarden Dollar (200 Mrd. Pfund) und will nun alles daransetzen, für britische Unternehmen das größte Stück des gigantischen Kuchens zu sichern (British companies to rush for £200bn in Libya contracts, Daily Mail, 22.11 2011).
Libyen könnte einer der größten Wachstumsgebiete britischer Firmen werden, so frohlocken britische Zeitungen (Rush for Libya goldmine as £200bn comes up for grabs, London Evening Standard, 21.11.2011)
Der britische Handelsminister, Shell und BP haben bereits, wie ihre französischen Pendants, entsprechende Verhandlungen aufgenommen. Die Zahl der Leute des Ministeriums vor Ort, die britischen Firmen den Weg ebnen, soll rasch verzehnfacht werden. Die Aktien von Shell und BP gingen in froher Erwartung der Anleger ordentlich in die Höhe. Der Erfolg britischer Firmen in Libyen wird, so heißt es, als großer Sieg von Premier David Cameron gesehen werden.
„Exzellente Investition“
Auf dem Höhepunkt des Krieges waren offiziell 2.300 reguläre britische Soldaten, vier Kriegsschiffe und 32 Kampflugzeuge und -hubschrauber im Einsatz. Diese flogen über 2.100 Kampfeinsätze gegen Libyen und zerbombten dabei ca. 640 Ziele. (UK military starting Libya return, BBC, 29.10.2011)
Die Kosten dafür beziffert BBC mit 160 Millionen Pfund. Ingesamt kostete der Krieg die Briten offiziell 300 Millionen Pfund, also rund 350 Millionen Euro. (Die Kosten des verdeckten Teils des Krieges, d.h. Spione und Spezialeinheiten am Boden, insgeheime Waffenlieferungen etc. sind darin sicherlich noch nicht enthalten.)
Angesichts der relativ geringen Kosten erweise sich der Krieg für die britische Regierung als exzellente Investition, so u.a. der Malta Star
„Zuerst hauen es britische Bomben in Stücke, nun werden britische Firmen bezahlt, um es wieder zusammenzusetzen,“ brachte es Laura Smith auf den Punkt.
„Wir bomben, wir zerstören und dann bekommen wir die Aufträge, es hinterher wieder aufzubauen“ so charakterisiert auch John Hilary, Geschäftsführer der gegen Armut kämpfenden Hilfsorganisation “War on Want” treffend die Politik seines Landes und deutet in Smiths Beitrag auch auf die Parallelen zur Irak-Besatzung hin. In der Tat, auch hier füllten die Firmen aus den kriegführenden Ländern nach der Invasion mit Milliardenaufträgen ihre Taschen – oft ohne erkennbare Gegenleistung zu hinterlassen. (siehe Kontrollierte Plünderung – Die Ökonomie des Irak-Krieges)
Daniel Kawczynski, ein konservativer Abgeordneter und Vorsitzender der britischen Parlamentarier-Gruppe zu Libyen, geht noch einen Schritt weiter und möchte, dass Libyen die offiziellen Kriegskosten in Höhe von 300 Millionen Pfund direkt ersetzt. Schließlich habe man nicht nur die Libyer befreit, sondern auch eine Wirtschaft, die reich an Rohstoffen ist.(Time for Libya to repay the British taxpayer?, Publicservice.co.uk, 21.10.2011. Daneben wirbt er noch eifrig dafür, Libyen wieder zur Monarchie zu machen.)
Nach einer „ungeheuer erfolgreichen britischen Mission in Libyen“, so Hammond zu BBC, werde Britannien nun benötigt, die „Befreiung des Landes“ in eine „erfolgreiche Stabilisierung umzuwandeln, sodass Libyen zukünftig ein Leuchtturm des Wohlstands und der Demokratie Nordafrika werden kann.“
Finstere Aussichten für Libyen: Das letzte Land, das so ein „Leuchtturm“ werden sollte, war der Irak. Das Ergebnis sind über eine Million Tote, über vier Millionen Flüchtlinge, eine zerstörte Infrastruktur, eine US-abhängige, autoritäre, militarisierte, korrupte Regierung, die absolut unfähig ist, die grundlegendsten staatlichen Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. (siehe Irak – Die vergessene Besatzung)

Super Bilanz: NATO feiert „erfolgreichste Mission“

Dabei fällt diese, wenn man sie an den offiziellen Zielen misst, vernichtend aus.
Erinnern wir uns: Die besagte UN-Resolution, die den Willigen die Tür zum Krieg einen Spalt weit öffnete, forderte einen Waffenstillstand, Verhandlungen über eine politische Lösung und Schutz der Zivilbevölkerung. Geschehen ist jedoch genau das Gegenteil. Die NATO torpedierte alle Vermittlungsbemühungen, die Zahl der bisherigen Opfer des Krieges wird auf 60.000 geschätzt. 60.000 Libyer haben als ihren Schutz nicht überlebt – R2P („Responsibility to Protect) durchschlagend umgesetzt. (Biggest success? NATO proud of Libya op which killed thousands, Russia Today, 28.10.2011)
Oder besteht der gefeierte Erfolg womöglich doch nur in der Liquidierung des unbequemen Gegenspielers Muammar al-Gaddafi? Dann sind natürlich 60.000 Tote für die westliche Allianz vernachlässigbar.

Libyen nach dem NATO-Mord an Gaddafi

Lynchmorde
Zuverlässige Informationen über die Umstände von Gaddafis Ermordung gibt es wie immer kaum. Doch wer genau ihn liquidierte ist zweitrangig. Sicher scheint, dass französische Kampfjets und US-amerikanische Killerdrohnen seinen Konvoi zusammenbombten und damit die siebenmonatige Jagd der NATO auf das faktische Staatsoberhaupt eines einst souveränen Staates erfolgreich abschlossen. Ihre Bodentruppen, die libyschen Rebellen-Milizen, mussten – wie immer – das Werk nur noch vollenden.
Als der Oberst ihnen in die Hände fiel war er noch am Leben, wenn auch durch die Luftangriffe verwundet. Wenig später war er tot – getötet allem Anschein nach durch einen aufgesetzten Kopfschuss.[1] Sein Sohn Mutassim wurde offenbar auf ähnliche Weise getötet.
Die NATO sagt nach Mafia-Art, sie habe nicht gewusst, wer alles im Konvoi ist und nur– als eine Art rabiate Verkehrspolizei – auf dessen hohe Geschwindigkeit reagiert. Der BND, der auch Anspruch auf einen Anteil am Erfolg anmeldet, steckte dem Spiegel jedoch, dass ihm der Unterschlupf Gaddafis in Sirte „seit Wochen“ bekannt gewesen sei.[2] Das klingt nach Prahlerei, vermutlich hatten die deutschen Spione nur Hinweise darauf, dass er sich in einem Teil von Sirte aufhielt. Plausibler sind die Meldungen, dass die NATO durch Erfassen von Funktelefonsignalen den ungefähren Aufenthaltsort ermitteln konnte. Als sich aus dem mutmaßlichen Stadtviertel Fahrzeuge in Bewegung setzten, wurden sie durch Kampfbomber und Drohnen gestoppt und größtenteils zerstört. [3] Die NATO berichtet, von einem Konvoi von anfänglich 75 Fahrzeugen, der durch eine erste Angriffswelle auf die führenden Fahrzeuge gestoppt wurde. Weitere 11 Fahrzeuge wurden dann in einer zweiten Welle mit Raketen unter Beschuss genommen.[4])
Mit ziemlicher Sicherheit waren dann auch schon Spezialeinheiten der NATO-Armeen zusammen mit Rebellen-Milizen in der Nähe des Geschehens.[5] Dem israelischen Militärinformationsdienst DebkaFile zufolge, legen „Berichte militärischer Quellen“ sogar nahe, dass es NATO-Spezialeinheiten waren, die Gaddafi aufspürten und gefangen nahmen. Sie hätten ihm in beide Beine geschossen und anschließend den Misrata-Milizen übergeben, überzeugt, diese würden ihn umbringen.[6]
Es handelt sich somit bei der Aktion zunächst um ein weiteres Kapitel des extrem ungleichen Kampfes zwischen den Verteidigern der libyschen Souveränität und den angreifenden NATO-Mächten. Letztere verfügen über die stärksten Streitkräfte der Welt und brachten das modernste Arsenal an Waffen, Aufklärungssystemen und Mittel der psychologischen Kriegsführung zum Einsatz. Satelliten, Kampfjets und Drohnen ermöglichen es ihnen aus der Luft nahezu jede größere Bewegung des Gegners zu entdecken und alles, was verdächtig erscheint, ohne Gefahr für sich selbst anzugreifen und – auch rein prophylaktisch – mit ihrer ungeheuren Feuerkraft auszulöschen. Spezialeinheiten kundschafteten und markierten zu zerstörende Gebäude und Infrastrukturanlagen, leiteten die Aktionen der Rebellenmilizen und steuerten das Eingreifen von Kampfjets und -hubschrauber in die Bodenkämpfe. Dass sich Sirte unter diesen Bedingungen zwei Monate halten konnte, wird in Afrika vermutlich in die Heldengeschichten des afrikanischen Unabhängigkeitskampfes eingehen.
Nicht nur der DekbaFile-Bericht legt nahe, dass es wahrscheinlich Milizen aus Misrata waren, die Muammar al-Gaddafi und seinen Sohn liquidierten. Dafür spricht auch, dass die Leiche nicht in die Hauptstadt, sondern nach Misrata geschafft und dort zur Schau gestellt wurde.[7] Die Misrata-Rebellen, die bereits durch ihr brutales Vorgehen in den Nachbarorten berüchtigt wurden, zeigen wenig Neigung, sich denen aus Bengasi, die nun die Führung des ganzen Landes beanspruchen, unterzuordnen.
Auf das Konto dieser Milizen ging vermutlich auch die Exekution von 53 Gaddafi-Anhängern im Hotel Mahari. An dessen Eingang und an Wände im Innern gemalt, fand man die Namen von fünf bekannten „Brigaden“ aus Misrata, die in diesem Hotel wohl ihre Basis hatten: die „Tiger Brigade (Al-Nimer), die „Unterstützungs-Brigade” (Al-Isnad), die Jaguar-Brigade (Al-Fahad), die Löwen-Brigade (Al-Asad) und die Zitadellen-Brigade (Al-Qasba). [8]
Man sollte sich die Namen merken. Es steht zu befürchten, dass man auch in Zukunft noch von ihnen hören wird.
NATO für kurzen Prozess
Viele Beobachter sind überzeugt, dass der Mord unmittelbar auf das Konto der NATO geht. Schließlich hatte Hillary Clinton zwei Tage zuvor bei ihrer Hubschrauber-Blitzvisite in Tripolis praktisch zu seiner Ermordung aufgerufen, indem sie als ihren Hauptwunsch nannte, „dass Gaddafi bald festgenommen oder getötet“ werde. „Ich denke die Ermordung war von den NATO-Ländern organisiert“, meint unter anderen auch Sam Nujoma, der langjährige Präsident Namibias, der den Überfall auf Libyen als Auftakt für neokoloniale Angriffe auf den ganzen Kontinent sieht.[9]
Ob nach der Gefangennahme eine direkte Anweisung zur Ermordung Gaddafis aus Paris oder den Washington kam, ob Spezialtruppen direkt vor Ort waren oder ob die Milizionäre ihn selbsttätig killten, ist nicht so entscheidend. Fakt ist, dass die Ermordung des charismatischen Revolutionsführers von Anfang an eines der wichtigsten Ziele der Bombenangriffe war. Interesse daran, ihn lebend in die Hände zu bekommen, hatten die Aggressoren sicherlich nicht.
Bei einer Gefangennahme hätte ein öffentlicher Prozess gedroht, der für die Beteiligten sehr viel Unangenehmes zu Tage gefördert hätte. Er hätte insbesondere deutlich werden lassen, dass es für die Behauptungen, mit denen der Krieg gerechtfertigt wurde, keine Beweise gibt. Wie u.a. Stellungnahmen des Pentagon oder der Bundesregierung zeigen, waren die wichtigsten ja schon zum Zeitpunkt der Verabschiedung der UN-Resolution haltlos gewesen. Ein solcher Prozess hätte leicht zum Tribunal gegen die NATO-Staaten werden können, in dem gezeigt wird, dass das militärische Eingreifen auf der Seite verbündeter Rebellengruppen gerade nicht  – wie von der UN-Resolution gefordert – einer politischen Lösung und dem „Schutz der Zivilbevölkerung“ diente, die NATO vielmehr jegliche Vermittlungsbemühungen torpedierte und einen Krieg entfesselte, dem vermutlich bereits weit über 50.000 Libyer zum Opfer fielen.
Die NATO-Mächte sind, wie in Afghanistan und Irak, sehr bemüht, die Zahl der Opfer ihrer als „wohltäterisch“ verkauften Intervention zu verschleiern. Tönte General Tommy Franks beim Überfall auf Afghanistan schlicht „Wir machen keine Leichenzählung“ so entgegnet nun die NATO auf Meldungen über zivile Opfer stets listig und verlogen, sie habe „keine Truppen am Boden in Libyen und folglich keine zuverlässige Methode, die Vorwürfe ziviler Opfer zu verifizieren.[10] Und was die NATO nicht bestätigt, das bleibt auch für die meisten Medien nur ein Gerücht oder Feindpropaganda.
Westliche Party-Laune und Scheinwelten
Denn nicht nur der verbrecherische Krieg ist ein Rückfall ins 19. Jahrhundert, in die Zeit der Kolonialkriege. Auch die westlichen Medien fallen auf die moralischen Standards dieser Zeit zurück. So herrschte auch auf allen Fernseh-Kanälen und im größten Teil der Printmedien unverhohlene Freude über den Tod Gaddafis. Nicht wenige Kommentatoren sahen Vorteile darin, dass das libysche Staatsoberhaupt liquidierte wurde, für fast alle stand die Freude im Vordergrund, dass er ein für allemal ausgeschaltet ist und erachteten es als nebensächlich, wie er zu Tode kam.
Zu den besonders widerlichen Beispielen gehört der Leitartikel von Julia Gerlach „Ein Grund zu feiern“ in FR und BerlZ in dem sie verkündet: „Der Tod von Muammar al-Gaddafi ist erst einmal ein Grund für eine Party.“ Dass der Gefangene liquidiert wurde, habe „auch etwas Gutes: Gaddafi im Gefängnis und vor Gericht hätte sicherlich keine Gelegenheit ausgelassen, weiter Unruhe zu stiften und für Verwirrung zu sorgen.“
Auch sogenannte „Experten“ begrüßen seine Ermordung. „Der große Vorteil“ sei, dass nun kein Gerichtsverfahren stattfinden müsse, meint der Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt an der Universität Mainz, Günter Meyer, im „Deutschlandfunk“.[11]
Wer so in Party-Laune ist, wie Gerlach und Kollegen, den juckt es natürlich nicht, dass dem Angriff auf Gaddafis Konvoi eine zweimonatige Bombardierung und Belagerung der Küstenstadt Sirte vorausgegangen war, durch die sie weitgehend zerstört und mehrere Tausend Bewohner getötet wurden.[12] „Die Heimatstadt Gaddafis wurde ins finstere Mittelalter gebombt,“ meldet z.B. BBC-Reporter Wyre Davies direkt aus dem Ort.[13] Davies und sah die Leichen von über 50 Gaddafi-Anhängern die gefesselt liquidiert wurden. Auch Menschenrechtsorganisationen hatten Dutzende Opfer von Massenhinrichtungen an Gegnern der Rebellen entdeckt. [14] Peter Bouckaert, der Leiter der Notfall-Abteilung von Human Rights Watch, sieht diese „als Teil eines Trends des Tötens, Plündern und anderen Misshandlungen durch bewaffnete Anti-Gaddafi-Kämpfer, die sich über dem Gesetz stehend dünken.“ [15]
Afrikanische Kommentatoren vergleichen Sirte bereits mit dem irakischen Falludscha oder dem baskischen Gernika. Tatsächlich wurde an Sirte wie an diesen Städten ein Exempel statuiert, das als Warnung weit über das angegriffene Land hinaus dienen soll.
Die meisten Medien bauen sich in ihren Berichten eine hübsche Scheinwelt vom „befreiten Libyen“ zusammen, indem sie alles ausblenden, was nicht zum Bild passt –  z.B. auch die Gräueltaten der aufständischen Milizen bei der brutalen Verfolgung aller, die man der Loyalität zum bisherigen Regime verdächtigt. [16]
Verfrühte Siegesfeiern
Die moralische Verkommenheit der Berichterstattung wird dabei meist noch durch Dummheit und Ignoranz übertroffen. Jetzt, wo der ehemalige Machthaber tot ist, so tönen die Kommentatoren, würden seine Anhänger aufgeben. Der Krieg sei nun vorüber und ein neues, freies und glückliches Zeitalter könne nun endlich in Libyen anbrechen.
Doch nur wer den Krieg in Libyen auf einen Kampf der Aufständischen gegen Gaddafi reduziert, oder gar das Bild „Diktator gegen das Volk“ für bare Münze nahm, kann glauben, dass er nun zu Ende ist. Es gibt jedoch weder Grund zur Annahme, dass der Widerstand gegen die NATO und ihre libyschen Verbündeten nun vorbei ist, noch dass die neuen Herren dem Land eine fortschrittliche Entwicklung bescheren werden – ganz im Gegenteil.
Die Rebellen haben offensichtlich nur einen kleinen Teil der Libyer, vor allem im Osten, hinter sich. Ohne das militärische Eingreifen der NATO wäre der Aufstand nur eine kurze und räumlich begrenzte Episode geblieben. Auch heute könnten sich nicht alleine behaupten. Der als neue Regierung fungierende Übergangsrat verfügt über keine echte Legitimation und selbst unter den Rebellen über wenig Autorität. Die gestürzte Regierung wiederum hätte ohne starke Unterstützung der Bevölkerung nicht solange der NATO trotzen können. „In Libyen gibt es vielleicht Millionen Menschen, die Gaddafi nicht mögen, aber sehr wohl seine Errungenschaften schätzen“ meint zu Recht der prominente norwegische Friedensforscher Johan Galtung.
Diese werden sicherlich nicht die Kräfte, die für die Zerstörung ihres Landes verantwortlich sind, nun ohne weiteres als neue Herren akzeptieren und auch nicht dem Ausverkauf der libyschen Ressourcen an die Sieger einfach zusehen. Insbesondere die Frauen, die bisher eine für arabische Verhältnisse sehr weitgehende rechtliche Gleichstellung genossen, dürften nicht nur wegen der angekündigten Wiedereinführung strikten, islamischen Rechts alarmiert sein, sondern auch durch die Dominanz islamistischer Kräfte unter den Aufständischen.[17] Diese kommandieren nicht nur die Milizen, die nun die libyschen Städte kontrollieren, auch der Chef des Nationalen Übergangsrats, Mustafa Abd el-Dschalil trägt das für Islamisten ehrenvolle Mal derer, die das Beten mit emphatischem Aufschlagen der Stirn auf den Boden der Moschee verbinden.[18]
Der größte Teil der Opposition, die nun von der NATO an die Macht gebombt wurde, ist geprägt durch den Hass auf die liberale religiöse Ausrichtung der libyschen Dschamahirija und die Entmachtung religiöser Autoritäten, die faktisch eine Trennung von Staat und Religion bedeutete. Verworfen wurden die brutalen Strafen im islamischen Recht und schließlich wurde auch der in der Scharia verankerte absolute Schutz des Privateigentums als inkompatibel mit einer auf das Gemeinwohl ausgerichteten Ökonomie erklärt.[19] Für die im Osten relativ starken religiös-konservativ bis radikal-islamistischen Kräfte, wie auch für die arabischen Monarchen, war daher das libysche Gesellschaftsystem reine Blasphemie. (Der libysche Großmufti Scheich Said al Ghiryani machte dies vor kurzem erneut deutlich, indem er Kritik islamischer Gelehrter am Umgang mit Gaddafis Leichnam mit der Begründung zurückwies, dieser sei kein Moslem mehr gewesen.) Die angekündigte Annullierung aller Gesetze, die der Scharia widersprechen, wird in vielen Bereichen massive Rückschritte bringen, vom Familienrecht, bis zur Bildung und Gesundheitsversorgung.[20] Für viele Frauen in den „falschen“ Berufen, könnte es das berufliche Aus bedeuten.
All dies wird sicherlich auf vehementen Widerstand stoßen. Diesem werden die neuen Herren mit brutaler Repression begegnen, die, wie im Irak, alles was es vorher gab, weit in den Schatten stellen wird.
Bisher hatte Libyen den höchsten Lebensstandard in Afrika. Damit ist es nun auf absehbare Zeit vorbei. Die ehemalige Agentin des britischen Mi5 Annie Machon z.B. wirft der NATO vor, Libyen zurück in die Steinzeit gestürzt zu haben. „Sie hatten freie Bildung, Gesundheitsversorgung, sie konnten im Ausland studieren. Wenn sie heirateten bekamen sie einen gewissen Geldbetrag.“ Zogen sie bisher den Neid anderer Afrikaner auf sich, so werden sie diesen Lebensstandard nicht wieder erreichen und die Frauen werden den bisherigen hohen Grad an Emanzipation einbüßen, so Machon.[21]
„Willkommen im neuen Libyen. Intolerante islamistische Milizen werden das Leben libyscher Frauen in eine lebende Hölle verwandeln“, befürchtet auch Pepe Escobar von der Asia Times. „Hunderttausende sub-saharaische Afrikaner […] werden unbarmherzig verfolgt. Libyens natürlicher Reichtum wird geplündert,“ so Escobar weiter. „Es wird Blut fließen, Bürgerkriegsblut, weil Tripolitanien sich weigern wird von der rückschrittlichen Kyrenaika regiert zu werden.“[22]
Besatzung und Widerstand
Auch wenn viele westlichen Experten die eine oder andre Widrigkeit gesellschaftliche Risse im Land durchaus erwähnen und von der Notwendigkeit reden, die diversen Kräfte, inklusive Anhänger des alten Regimes einzubinden, zeigen die meisten einen großen Optimismus, dass der Übergangsrat dies schon bewerkstelligen könne – mit massiver Hilfe der NATO natürlich, wenn das auch selten offen gesagt wird. Eine solche Einheitsregierung ist jedoch nur eine Politologen-Illusion. Die verschiedenen Rebellen-Fraktionen versuchen sich schon gegenseitig heraus zu drängen und denken im Traum nicht daran, Kräfte des bisherigen Regimes einzubeziehen und auch die NATO wird sich schwerlich mit solchen Ideen anfreunden, solange sie mit starkem Widerstand gegen ihre Libyen-Pläne konfrontiert sind.
Bisher hat der Übergangsrat es noch nicht einmal geschafft, eine Übergangsregierung zusammenzustellen – zu heftig sind die Differenzen zwischen den neoliberalen Exil-Libyer und den Abtrünnigen des alten Regimes, die ihre Autorität durch ihre Beziehung zu den NATO-Mächten beziehen auf der einen sowie den Warlords der Rebellenmilizen und den islamistischen Führungsfiguren auf der anderen Seite. Hinzu kommen noch die vielen ausländischen Herren, denen es der Übergangsrat recht machen muss, neben den dominierenden Nato-Mächten mischen auch Katar, das sehr viel in den Krieg investierte [23] und die Türkei eifrig mit. Mahmut Dschibril, Chef des Exekutivrates des NTCs wurde z.B. fotografiert, nachdem er dem türkischen Premier Erdogan die Liste der Ministerkandidaten gezeigt hatte. Ein Teil der Namen ist zu lesen.
Der Übergangsrat, „die Dachorganisation, die zusammengebastelt wurde, um die Aufständischen unter Kontrolle zu bringen, ist mit keiner Ideologie in der Lage Libyen zu regieren, ganz zu schweigen von einer konstitutionellen Demokratie,“ meint George Friedman, der stets recht nüchtern analysierende Chef des privaten US-amerikanischen Nachrichtendienstes Stratfor. Die einzigen Leute mit Regierungserfahrung seien die ehemaligen Mitglieder der libyschen Regierung. Um diese herum, so Friedman weiter, gruppierten sich eine Reihe von Stämmen, die in unterschiedlichen Graden der Feindschaft gegeneinander stehen und radikale Islamisten, deren Stärke und Fähigkeiten noch unbekannt sind, die aber Zugang zu erheblichen Mengen an Waffen haben.[24]
Auch nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Jochen Hippler droht Libyen zu zersplittern. Wer das Land durchreist, der sieht, so Hippler, dass das Land bereits in verschiedene Machtzonen aufgeteilt ist, die auch militärisch gegeneinander abgesichert werden.[25]
Der Politologe Timo Behr hofft, dass es durch die Ermordung Gaddafis „einen schnelleren Heilungsverlauf“ im Land gibt, sieht aber ebenfalls die Gefahr eines „Dezentralisierungs- und Zerfallsprozess“. Im Lauf der Bürgerkriegs (den er „Revolution“ nennt), hätten sich gravierende Trennlinien ergeben. „Wir sehen, dass die größten Probleme für die Bildung einer Übergangsregierung die Konflikte darstellen, die es zwischen Bengasi im Osten, dem Zentrum um Misrata und der Nafusa-Bergregion im Nordwesten gibt.“ [26]
Lisa Anderson, die an der American University in Kairo zu Libyen forscht, sagt dem Land in der New York Times eine "schreckliche Zukunft"  vorher. Lange Zeit sei eine „morbide Faszination“ für Gaddafi das einzige gewesen, was die Libyer vereint hätte. [27]
Noch steht auch das Territorium nicht vollständig unter nomineller Kontrolle der NATO und des Übergangsrats. In vielen Gegenden weht weiterhin die grüne Fahne der Dschamahirija und der Widerstand der Gaddafi-loyalen Kämpfer wird auch dann nicht zu Ende sein, wenn diese erobert sind. Die Rebellen haben auch Tripolis längst noch nicht vollständig im Griff. Die große Siegesfeier nach dem Tod Gaddafis, bei der sie das Land als „befreit“ erklärten, wurde daher nicht in der Hauptstadt des Landes, sondern in Bengasi abgehalten.
„Gaddafi hat nicht 42 Jahre regiert ohne erhebliche Unterstützung zu haben, das legt auch das Durchhaltevermögen derer nahe, die für ihn kämpften“ meint auch George Friedman. „Gaddafi ist tot, aber nicht alle seiner Anhänger. Und es gibt auch noch andere Elemente im Land, die vielleicht keine Gaddafi-Unterstützer sind, aber nicht weniger interessiert daran, sich denen zu widersetzen, die nun versuchen die Macht zu übernehmen – und sich Allen entgegenstellen, die als vom Westen gestützt angesehen werden.“
Evgeny Minchenko, Direktor des russischen International Institute for Political Expertise, ist überzeugt, dass man, um den Widerstand zu stoppen, alle Anhänger Gaddafis ausrotten müsse. An den indirekten Mordaufruf Hillary Clintons kurz vor seiner Ermordung erinnernd, fragt sich Minchenko in Russia Today, ob sie nun auch noch zum Mord der restlichen Familie aufrufe. „Es wird interessant sein, zu beobachten, ob der sogenannte ‚Humanismus‘ der amerikanischen Führung so weit gehen wird.“ [28]
Friedman sieht Parallelen zum Irak, wo eine Vielfalt von Gruppen nach dem Fall Bagdads entstand und gegen die neue Führung einen Guerillakrieg führten. Die Lehre aus dem Irak sei, dass man nur durch den Einsatz einer überwältigenden Streitmacht die Opposition ausschalten könne. Angesichts der großen Zahl derer, die sich vermutlich gegen die Pläne der Kriegsallianz für Libyen stellen werden, lässt sich seiner Meinung nach, das Land nur durch eine massive Besatzung durch die NATO („innoffiziell natürlich“) stabilisieren, die Alternative sei „enormes Chaos“.  Am wahrscheinlichsten sei jedoch, eine Präsenz von NATO-Truppen, „die groß genug ist, das libysche Volk in Wut zu versetzen, aber nicht ausreicht, sie einschüchtern.“  [29]
Viele Experten gehen davon, dass die Ermordung Gaddafis und der entwürdigende Umgang mit seiner Leiche den Widerstand nicht eindämmen, sondern anheizen wird. Der „Machtkampf zwischen Pro- und Anti-Gaddafi-Kräften“ wird einfach weitergehen, so z.B. das israelische Portal Debka-File, ergänzt durch das Streben nach „Blutrache“ von Gaddafis Clan und dessen Verbündeten. „Ihr eigener Gaddafah-Stamm und seine Verbündeten, die Warfalla, Al-Awaqir and Magariha, werden nicht ruhen bis den Tod ihres Führers gerächt werden.“ Diese Stämme würden außerdem niemals dulden, dass ihr „Territorium vom Übergangsrat und den Kyrenaika-Stämmen, die der Übergangsrat repräsentiert, regiert werde.“ [30]
Jeremy Keenan, Professor für soziale Anthropologie an der School of Oriental and African Studies in London, befürchtet, dass sich insbesondere im Süden Libyens ein sehr starker Widerstand von Gaddafi-Anhängern etablieren könnte, mit der Sahelzone als Hinterland würde und getragen vor allem von militärisch ausgebildeten und erfahrenen Tuareg-Kämpfern aus Libyen und den Sahel-Ländern – für ihn ein „Alptraumszenario“.  Ausgangspunkt könnten die bestehenden Widerstandsnester mit ihren Festungsanlagen sein, u.a. rund um Sebha, den Traghan Oasen, dem Wadi al-Ajal, Oubari und Ghat.
Der „Premierminister“ des Übergangsrates, Mahmud Dschibril, hatte kurz vor Gaddafis Tod ebenfalls die Befürchtung geäußert, die Tuareg-Stämme des südlichen Libyen, Niger, Süd-Algerien und Mali könnten den Oberst und seine Getreuen im Kampf um die Rückeroberung der Macht unterstützen.[31] Diese Gefahr ist für die Rebellen und ihre Mentoren keineswegs gebannt. Interviews mit Tuareg-Kämpfern die aus Libyen zurückkehrten legen nahe, das eine erhebliche Zahl von ihnen bereit wäre, weiter zu kämpfen, insbesondere wenn genügend Geld dafür zur Verfügung stünde. Viele Tuareg in Niger und Mali würden sich nach wie vor Gaddafi verpflichtet fühlen, angesichts dessen, was er für sie getan hat. Da Gaddafi auch unter den übrigen Völkern der Sahelzone viele Anhänger hat, hätte eine Befreiungsbewegung gegen das von der NATO eingesetzte Regime gute Rückzugsgebiete in dieser Region, gegen die die dortigen Regierungen schwer vorgehen könnten. Die Regierung Nigers hat bereits angekündigt, sie würde keine Gaddafi-Anhänger, die ins Land geflohen sind, wieder zurückschicken.
Die Menschen hier mussten nach dem Wegfall der libyschen Investitionen und Hilfeleistungen durch den NATO-Krieg viele Hoffnungen in Entwicklungsprojekte begraben. Die Länder haben seither monatliche Milliardenverluste durch den Wegfall des Handels und der Überweisungen von Arbeitsmigranten aus Libyen zu verkraften und mussten ihre Haushalte drastisch zusammenkürzen. Hunderttausende Arbeiter, die aus Libyen vertrieben wurden, sind ohne jede Perspektive. Die Wut auf die NATO und ihre libyschen Handlanger ist dementsprechend groß. [32]
Entwickelte sich der Widerstand in Afghanistan und Irak erst einige Monate nachdem die US-geführten Truppen das ganze Land unter Kontrolle gebracht hatten, so hat in Libyen der Guerillakampf schon lange vorher begonnen. Und es ist leicht vorauszusehen, dass Muammar al-Gaddafi dabei als Märtyrer weiterleben wird.


[1] Range, Obduktion ergab: Gaddafi wurde hingerichtet, hintergrund.de 24.10.2011, Obduktion von Gaddafi-Leiche – Libyscher Übergangsrat trotzt Uno-Forderungen, Spiegel Online, 22.10.2011

Übergangsrat will Leiche Gaddafis nicht obduzieren, DiePresse.com, 22.10.2011, "Niemand wird den Körper öffnen", stellte der Militärrat in Misrata klar
[4] Drohnen und Kampfjets – Wie der Nato-Luftschlag auf Gaddafis Konvoi ablief, Standard, 21.10.2011, Operational Media Update, NATO AJF-Kommando Neapel, 20.10.2011
[5] ‚NATO had boots on ground in Libya‘, An  Israeli intelligence source says US and British forces had surrounded the hideout of former Libyan ruler Muammar Gaddafi two weeks before he was captured and killed., PRESS TV, 25.10.2011
[6] After helping to kill Qaddafi, NATO prepares to end Libya mission, DEBKAfile, 21.10.2011

Mit der Übergabe hätten sie zum einen zu vermeiden gesucht, dass ihre UN-Mandats-widrige Anwesenheit aufflog. Zum anderen wollten sie den Rebellen „einen „psychologischen Sieg“ verschaffen, vor allem nachdem diese selbst dabei scheiterten, ihn im Kampf um Sirte zu fassen
[7] Gaddafi-Leiche – Eine Trophäenschau, wie bei erlegten Tieren, WELT Online, 22.10.2011
[9] Nujoma condemns Gaddafi killing, New Era (Windhoek), 26.10.2011
[10] Civilian cost of NATO victory in Libya, RT (Russia Today), 20.10.2011
[12] Moussa Ibrahim, Sprecher der weggebombten Regierung, schätzte bereits am 19. September die Zahl der durch NATO-Angriffe getöteten Einwohner auf von 2.000, siehe Civilian cost of NATO victory in Libya, RT (Russia Today), 20.10.2011
[18] Sabine Kebir, Libyen: Die Lebenden und der Tote,  Der FREITAG, 28.10.2011.
[19] Dirk Vandewalle, A history of modern Libya, Cambridge University Press, 2006
[21] Civilian cost of NATO victory in Libya, RT (Russia Today), 20.10.2011
[22] How the West won Libya, Asia Times, 21.10.2011
[23] Katar unterstützte nicht nur finanziell und logistisch, sondern auch mit mehreren „hundert Soldaten in jeder Region“:  Qatar admits it had boots on ground in Libya, Daily Star, 26.10.2011
[24] George Friedman, Libya and Iraq: The Price of Success, STRATFOR, 25.10.2011
[25] „Libyen droht zu zersplittern“, Interview mit Jochen Hippler über den Tod Gaddafis, tageschau 16:00 Uhr, 20.10.2011
[26] „Ich hoffe auf einen schnelleren Heilungsverlauf“, Interview mit Timo Behr, Der Standard, 21.10.2011
[27] Zitiert nach Matthias Kolb, Nach dem Sieg ist vor dem Kampf – Gaddafis Tod und die Folgen für Libyen, Süddeutsche Zeitung, 21.10.2011
[28] Gaddafi’s end is not the end of the war, RT (Russia Today), 20.10.2011
[29] George Friedman, Libya and Iraq: The Price of Success, a.a.O.
[32] Jeremy Keenan, Libya and the Sahel’s nightmare scenario, Al Jazeera, 28.9.2011