Medien-Moral: Leserbriefe zur unverholenen Freude über den Lynchmord an Gaddafi

Die Freude über den Tod Gaddafis ist gewissenlos und zynisch
Wer genau Muammar Gaddafi liquidierte ist zweitrangig. Es waren französische Kampfjets, die seinen Konvoy zusammenbombten und damit die siebenmonatige Jagd der NATO auf das Staatsoberhaupt eines einst souveränen Staates erfolgreich abschlossen. Die libyschen Verbündeten mussten – wie immer – das Werk am Boden nur noch vollenden. Die Freude im Westen ist gewissenlos und zynisch, war dem Angriff auf Gaddafis Konvoy doch eine zweimonatige Bombardierung und Belagerung der Küstenstadt Sirte vorausgegangen, durch die sie weitgehend zerstört und mehrere Tausend Bewohner getötet wurden.
Offenbar war das Interesse, den libyschen Staatschef lebend zu fangen, äußerst gering. Das ist verständlich, hätte ein Prozess gegen ihn doch in aller Deutlichkeit gezeigt, dass es für die Behauptungen, mit denen der Krieg gerechtfertigt wurde, keine Beweise gibt. Wie u.a. Stellungnahmen des Pentagon oder der Bundesregierung zeigen, waren sie ja schon zum Zeitpunkt der Verabschiedung der UN-Resolution haltlos gewesen.
Ein Prozess hätte leicht zum Tribunal gegen die NATO-Staaten werden können, deren militärisches Eingreifen auf der Seite pro-westlicher Rebellengruppen gerade nicht einer politischen Lösung und dem „Schutz der Zivilbevölkerung“ diente, sondern allein der Beseitigung eines unbotmäßigen Regimes. Sie entfesselten dadurch einen Krieg, der vermutlich bereits über 50.000 Opfer forderte.
Die Unverfrorenheit, mit der Frankreich, Großbritannien, die USA und ihre Verbündeten vor den Augen der Welt ein Land mit sechseinhalb Millionen angriffen, verwüsteten und dessen anerkannte Regierung stürzten, ist für die Länder im Süden alarmierend. 200 prominente afrikanische Künstler, Wissenschaftler und Politiker prangerten im August z.B. in einer gemeinsamen Erklärung Frankreich, die USA und Großbritannien als „Schurkenstaaten“ an, und bezeichnen deren Politik als „ernsthafte Gefahr einer neuen Kolonialisierung“ des Kontinents.
Nur wer den Krieg in Libyen auf einen Kampf der Aufständischen gegen Gaddafi reduziert, kann glauben, dass er nun vorbei sei. Die Aufständischen haben offensichtlich nur einen kleinen Teil der Libyer, vor allem im Osten, hinter sich und könnten sich bis heute nicht alleine behaupten. Die libysche Regierung andererseits hätte ohne erhebliche Unterstützung der Bevölkerung nicht solange der NATO trotzen können. „In Libyen gibt es vielleicht Millionen Menschen, die Gaddafi nicht mögen, aber sehr wohl seine Errungenschaften schätzen“ meint zu Recht der prominente norwegische Friedensforscher Johan Galtung.
Diese werden sicherlich nicht die Kräfte, die für die Zerstörung ihres Landes verantwortlich sind, nun einfach als neue Herren akzeptieren. Insbesondere die Frauen, die bisher eine rechtliche Gleichstellung genossen wie sonst nirgends im arabischen Raum, dürften angesichts der angekündigten Wiedereinführung islamischen Rechts alarmiert sein. Und die Gaddafi-loyalen Kämpfer sind noch nicht besiegt.
Der Widerstand wird daher wohl, nicht anders wie in Afghanistan und Irak, erst richtig losgehen. Bisher hatte Libyen den höchsten Lebensstandard in Afrika. Damit ist es nun auf absehbare Zeit vorbei.
an Frankfurter Rundschau
Geradezu dümmlich war der Bericht (Thomas Schmid, Libyen – Befreites Land) und Kommentar (Damir Fras, Tod Gaddafis – Keiner will es gewesen sein) in der Frankfurter Rundschau vom 21.10.2011.
Libysche Scheinwelt
Wie die meisten westlichen Medien, baut auch die FR in ihren Berichten eine hübsche Scheinwelt vom „befreiten Libyen“ auf, indem man alles ausblendet, was nicht zum Bild passt – z.B. die Gräueltaten der aufständischen Milizen bei der brutalen Verfolgung aller, die man der Loyalität zum bisherigen Regime verdächtigt.
Man übersieht geflissentlich, dass die Aufständischen nur einen kleinen Teil der Libyer, vor allem im Osten, hinter sich haben und sich auch bis heute nicht alleine behaupten können. „In Libyen gibt es vielleicht Millionen Menschen, die Gaddafi nicht mögen, aber sehr wohl seine Errungenschaften schätzen“ meinte zu Recht der norwegische Friedensforscher Johan Galtung. Diese werden sicherlich nicht die Kräfte, die für die Zerstörung ihres Landes verantwortlich sind, nun einfach als neue Herren akzeptieren. Insbesondere die Frauen, die bisher eine rechtliche Gleichstellung genossen wie sonst nirgends im arabischen Raum, dürften angesichts der angekündigten Wiedereinführung islamischen Rechts alarmiert sein.
Mit keiner Silbe wird erwähnt, dass dem Tod Gaddafis die vollständige Zerstörung einer ganzen Stadt durch eine zweimonatige Bombardierung und Belagerung vorausging, bei der Tausende ihrer Bewohner getötet wurden. Afrikanische Kommentatoren vergleichen Sirte bereits mit dem irakischen Falludscha oder dem baskischen Gernika.
Die Diskrepanz in der Wahrnehmung zwischen Nord und Süd könnte tatsächlich kaum größer sein: Während westliche Politiker und Medien den „Sieg des Volkes über Gaddafi“ feiern, wird der Krieg in Lateinmarika, Afrika und Asien als imperiales Verbrechen verurteilt. 200 prominente afrikanische Künstler, Wissenschaftler und Politiker prangerten im August z.B. in einer gemeinsamen Erklärung Frankreich, die USA und Großbritannien als „Schurkenstaaten“ an, und bezeichnen deren Politik als „ernsthafte Gefahr einer neuen Kolonialisierung“ des Kontinents.
Wer genau Muammar Gaddafi liquidierte ist zweitrangig. Es waren französische Kampfjets, die seinen Konvoy zusammenbombten und damit die siebenmonatige Jagd der NATO auf das Staatsoberhaupt eines einst souveränen Staates erfolgreich abschlossen. Die libyschen Verbündeten mussten – wie immer – das Werk am Boden nur noch vollenden. Das Ganze ist geradezu exemplarisch für den gesamten Krieg. Wenn Damir Fras davon faselt, dass „die Nato möglicherweise das Mandat des UN-Sicherheitsrats für den Libyen-Einsatz überschritten“ habe, so ist das angesichts des offensichtlichen Kriegsverlaufs fast schon wieder komisch.
Recht hat er sicherlich damit, dass die Kriegsallianz unabhängige Untersuchungen scheut. Das Interesse, den libyschen Staatschef lebend zu fangen, war dementsprechend gering. Hätte ein Prozess gegen ihn doch in aller Deutlichkeit gezeigt, dass es für die Behauptungen, mit denen der Krieg gerechtfertigt wurde, keine Beweise gibt. Wie u.a. Stellungnahmen des Pentagon oder der Bundesregierung zeigen, waren sie ja schon zum Zeitpunkt der Verabschiedung der UN-Resolution haltlos gewesen.
Ein öffentlicher Prozess hätte leicht zum Tribunal gegen die NATO-Staaten werden können, deren militärisches Eingreifen auf der Seite pro-westlicher Rebellengruppen gerade nicht einer politischen Lösung und dem „Schutz der Zivilbevölkerung“ diente, sondern allein der Beseitigung eines unbotmäßigen Regimes und einen Krieg entfesselten, der vermutlich bereits über 50.000 Opfer forderte.

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