NATO-Bomben auf Libyen: „Exzellente Investition“

Den Startschuss für die britischen Firmen hat, so der Guardian, der britische Militärminister Philip Hammond abgefeuert, indem er sie drängte „ihre Koffer zu packen“, nach Libyen zu eilen und sich Wiederaufbau-Aufträge zu sichern (British firms urged to ‚pack suitcases‘ in rush for Libya business, Guardian, 21.10.2011).
“Libyen ist ein relativ wohlhabendes Land mit Ölreserven und ich erwarte, dass es Möglichkeiten für britische und andere Konzerne gibt, sich am Wiederaufbau Libyens zu beteiligen,“ so zitieren Smith und der Guardian aus einem BBC-Interview mit ihm (Hammond: Libya ‚holds business opportunities‘ for UK, BBC-Video, 21.10.2011).
Der „Nationale Übergangsrat“, die unter der Ägide Paris, Londons und Washingtons gebildete Führung der Aufständischen, hat schon früh versichert, dass die verbündeten Länder, vorneweg Frankreich und Britannien, dafür ordentlich belohnt würden. Erwartet werden daher, so der Guardian, gute Gewinne sowohl beim Öl als auch bei anderen Geschäften. Die 150 Mrd. Dollar Auslandsguthaben Libyens, die nun wieder freigegeben werden, seien ein ziemlich großer Pott.
Das britische Handels- und Investitionsministerium schätzt das gesamte Auftragsvolumen, summiert über alle Bereiche, von der Ölförderung bis zu medizinischer Ausrüstung, Wohnungen und Erziehung, im kommenden Jahrzehnt auf 300 Milliarden Dollar (200 Mrd. Pfund) und will nun alles daransetzen, für britische Unternehmen das größte Stück des gigantischen Kuchens zu sichern (British companies to rush for £200bn in Libya contracts, Daily Mail, 22.11 2011).
Libyen könnte einer der größten Wachstumsgebiete britischer Firmen werden, so frohlocken britische Zeitungen (Rush for Libya goldmine as £200bn comes up for grabs, London Evening Standard, 21.11.2011)
Der britische Handelsminister, Shell und BP haben bereits, wie ihre französischen Pendants, entsprechende Verhandlungen aufgenommen. Die Zahl der Leute des Ministeriums vor Ort, die britischen Firmen den Weg ebnen, soll rasch verzehnfacht werden. Die Aktien von Shell und BP gingen in froher Erwartung der Anleger ordentlich in die Höhe. Der Erfolg britischer Firmen in Libyen wird, so heißt es, als großer Sieg von Premier David Cameron gesehen werden.
„Exzellente Investition“
Auf dem Höhepunkt des Krieges waren offiziell 2.300 reguläre britische Soldaten, vier Kriegsschiffe und 32 Kampflugzeuge und -hubschrauber im Einsatz. Diese flogen über 2.100 Kampfeinsätze gegen Libyen und zerbombten dabei ca. 640 Ziele. (UK military starting Libya return, BBC, 29.10.2011)
Die Kosten dafür beziffert BBC mit 160 Millionen Pfund. Ingesamt kostete der Krieg die Briten offiziell 300 Millionen Pfund, also rund 350 Millionen Euro. (Die Kosten des verdeckten Teils des Krieges, d.h. Spione und Spezialeinheiten am Boden, insgeheime Waffenlieferungen etc. sind darin sicherlich noch nicht enthalten.)
Angesichts der relativ geringen Kosten erweise sich der Krieg für die britische Regierung als exzellente Investition, so u.a. der Malta Star
„Zuerst hauen es britische Bomben in Stücke, nun werden britische Firmen bezahlt, um es wieder zusammenzusetzen,“ brachte es Laura Smith auf den Punkt.
„Wir bomben, wir zerstören und dann bekommen wir die Aufträge, es hinterher wieder aufzubauen“ so charakterisiert auch John Hilary, Geschäftsführer der gegen Armut kämpfenden Hilfsorganisation “War on Want” treffend die Politik seines Landes und deutet in Smiths Beitrag auch auf die Parallelen zur Irak-Besatzung hin. In der Tat, auch hier füllten die Firmen aus den kriegführenden Ländern nach der Invasion mit Milliardenaufträgen ihre Taschen – oft ohne erkennbare Gegenleistung zu hinterlassen. (siehe Kontrollierte Plünderung – Die Ökonomie des Irak-Krieges)
Daniel Kawczynski, ein konservativer Abgeordneter und Vorsitzender der britischen Parlamentarier-Gruppe zu Libyen, geht noch einen Schritt weiter und möchte, dass Libyen die offiziellen Kriegskosten in Höhe von 300 Millionen Pfund direkt ersetzt. Schließlich habe man nicht nur die Libyer befreit, sondern auch eine Wirtschaft, die reich an Rohstoffen ist.(Time for Libya to repay the British taxpayer?, Publicservice.co.uk, 21.10.2011. Daneben wirbt er noch eifrig dafür, Libyen wieder zur Monarchie zu machen.)
Nach einer „ungeheuer erfolgreichen britischen Mission in Libyen“, so Hammond zu BBC, werde Britannien nun benötigt, die „Befreiung des Landes“ in eine „erfolgreiche Stabilisierung umzuwandeln, sodass Libyen zukünftig ein Leuchtturm des Wohlstands und der Demokratie Nordafrika werden kann.“
Finstere Aussichten für Libyen: Das letzte Land, das so ein „Leuchtturm“ werden sollte, war der Irak. Das Ergebnis sind über eine Million Tote, über vier Millionen Flüchtlinge, eine zerstörte Infrastruktur, eine US-abhängige, autoritäre, militarisierte, korrupte Regierung, die absolut unfähig ist, die grundlegendsten staatlichen Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. (siehe Irak – Die vergessene Besatzung)

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