Corona: „Infektionszahlen“ irreführend – viele positiv Geteste nicht (ernsthaft) infiziert

Tests belegen, dass ein erheblicher Teil der positiv Getesteten nicht oder nicht ernsthaft infiziert ist. Die Zahl falsch positiver Testfälle steigt stark mit der Zahl von Tests, insbesondere wenn häufig anlasslos Menschen getestet werden, die dadurch eine sehr geringe Infektionswahrscheinlichkeit haben.
Prof. Drosten warnte 2014 davor, dass durch die Überempfindlichkeit der Tests, „Menschen, die eigentlich kerngesund sind“, in die Meldestatistik kommen können.

Update: 27.11.2020

Der aktuelle Alarmismus bzgl. Corona, mit dem neuen Maßnahmen gerechtfertigt werden und angekündigt werden, stützt sich ausschließlich auf den Anstieg positiver Corona-Tests. Sie werden von Politik und Medien meist fälschlicher Weise als „Infektionszahlen“ bezeichnet, obwohl ein positives Testergebnis zunächst nichts darüber aussagt, ob jemand wirklich infiziert oder gar ernsthaft erkrankt ist. Wenn von neuen Rekordzahlen die Rede ist, die bereits wieder so hoch wie im April seien, wird geflissentlich ignoriert, dass mittlerweile drei bis viermal so viel getestet wird. Dadurch wird nicht nur ein viel größerer Teil von symptomlosen Infizierten erfasst, es fallen dadurch auch die Fehlerraten der Tests immer mehr ins Gewicht, selbst wenn diese an sich recht niedrig sind.

Die gängigen PCR-Tests (genauer RT-PCR für „reverse transcriptase polymerase chain reaction“) prüfen nur, ob sich bestimmte Genabschnitte, die für das zu untersuchende Virus typisch sind, durch Vervielfältigung nachweisen lassen. Ob tatsächlich noch intakte, vermehrungsfähige Viren vorhanden sind oder es sich z.B. nur um Virusreste nach durchgemachter Infektion handelt, müsste im positiven Fall durch Anzuchtversuche getestet werden. An sich kann die Zahl der dafür nötigen Zyklen Rückschlüsse auf die Konzentration der Gensequenzen und damit ggbfs. auch des Virus geben. Diese ist in den Meldungen an die Behörden aber meist nicht enthalten.

Falsch positive Testergebnisse auch bei hoher Genauigkeit

Das RKI hatte früher noch einen Hinweis auf möglich falsch-positive Testergebnisse in ihren FAQs zum Corona-Virus, diesen aber im Juni entfernt. Es macht keine Angaben über die Testgenauigkeit der in Deutschland verwendeten Tests. Hersteller geben die Spezifität ihrer Tests z.T. mit 99,8% an, d.h. von 1000 positiv getesteten, wären nur zwei nicht infiziert.  Der Virologe Christian Drosten, der einen der ersten PCR-Tests entwickelt hat, erklärt falsch-positive Testergebnisse sogar für praktisch ausgeschlossen.

In einem Ende April durchgeführten Ringversuch von INSTAND e.V. bei dem die Genauigkeit der Testverfahren in deutschen Laboren untersucht wurde, lag die Spezifität der Tests jedoch noch zwischen 97,8% und 98,6%, d.h. zwischen 1,4 und 2,2% der Ergebnisse waren „falsch positiv“. (Schätzungen für Großbritannien liegen, einem Artikel der angesehen medizinischen Fachzeitschrift The Lancet zufolge, zwischen 0,8 und 4 Prozent. S. False-positive COVID-19 results: hidden problems and costs, The Lancet, 29.9.2020)

Auch wenn die Tests in Deutschland vermutlich mittlerweile verbessert wurden, ist mit falsch-positiven Testergebnissen stets zu rechnen, wie das Beispiel der Tests an der Besatzung des Kreuzfahrtschiffs „Mein Schiff 6“ zeigte. Der erste, an 150 Crew-Mitgliedern durchgeführte Test, hatte bei zwölf ein positives Ergebnis ergeben. Drei weitere, daraufhin an ihnen durgeführten Tests waren jedoch alle negativ. (Fehldiagnose: Doch keine Corona-Fälle auf „Mein Schiff 6“, NDR, 29.09.2020)

2.000 bis 5.000 falsch positive Tests pro Woche?

Solange sehr häufig anlasslos, d.h. ohne konkreten Verdacht, Leute getestet werden, von denen nur ein paar pro Zehntausend infiziert sind, werden selbst dann, wenn die Falsch-Positiv-Rate auf durchschnittlich 0,2%, gesenkt werden konnte, bei über einer Million Tests pro Woche rund 2.000 fälschlich als positiv gewertet, bei einer realistischeren Rate von 0,5% sogar 5.000.

Von den im September gemeldeten 8.000 bis 10.000 wöchentlichen Fällen waren somit 25 bis 50 Prozent vermutlich gar nicht oder nicht ernsthaft infiziert. Dieser Fehleranteil ließe sich senken, würden gezielter vorwiegend nur Menschen getestet, die selbst Symptome haben oder in engeren Kontakt mit tatsächlich erkrankten standen. Wären im September nur 100.000 Menschen getestet worden, von denen, nehmen wir mal an, 5% tatsächlich infiziert waren, so wären den 5.000 korrekten positiven Tests nur 200 bis 500 falsche gegenüber gestanden.

US-Wissenschaftler: aufgrund von Überempflindlickeit mehr als 50% postiver Tests falsch.

US-Wissenschaftler fanden in ihrer Untersuchung gängiger PCR-Test auch aktuell noch, wie die New York Times Ende August berichtete, z.T. erhebliche Prozentsätze falsch positiver Ergebnisse. Sie machen die zu hohe Anzahl von Vermehrungs-Zyklen dafür verantwortlich, durch die die Tests zu überempfindlich würden. Die meisten Tests führen bis zu 40 Zyklen durch, bis ein negatives Ergebnis konstatiert wird. Vernünftige Zyklusschwellenwerte lägen aber zwischen 30 und 35, so der Epidemiologie Michael Mina von der Havard Universität. Dadurch müsste die Menge des genetischen Materials in der Probe 100- bis 1.000-mal so groß sein, wie bei den gegenwärtigen Standards, damit der Test ein positives Ergebnis liefert. Dieses wäre dann aber auch eines, auf das es sich lohne, zu reagieren. (Your Coronavirus Test Is Positive. Maybe It Shouldn’t Be, NYT, 29,8.2020. Zu einen ähnlichen Ergebnis kam auch eine Studie der University of Oxford: Viral cultures for COVID-19 infectivity assessment – a systematic review, medRxiv, 29.9.2019).

Wie Untersuchungen im staatlichen Labor von New York zeigten, hätte bei einem Schwellenwert von 35 rund die Hälfte der 794 im Juli gemeldeten positiven Tests nicht mehr als positiv gegolten, bei einer Begrenzung auf 30 sogar 70 Prozent. In Massachusetts wären 85 bis 90 Prozent der Personen, die im Juli bei einem Schwellenwert von 40 Zyklen positiv getestet wurden, als negativ eingestuft worden, hätte der Schwellenwert 30 Zyklen betragen. Auch deutsche Labore arbeiten mit einem Schwellenwert von 40. Auch daraus ergibt sich, dass bei uns wahrscheinlich gut die Hälfte der positiv Getesteten nicht ernsthaft infiziert ist.

Problem deutschen Experten bekannt

Das Problem ist auch deutschen Fachleuten durchaus bekannt. „Bei niedriger Prävalenz in der Bevölkerung“, d.h. einem geringen Prozentsatz von Infizierten, „und umfangreicher Testung von asymptomatischen Personen wird man selbst bei angenommener hoher Sensitivität und Spezifität des Tests falsch positive Befunde erhalten“, schrieb auch der Leiters des Gesundheitsamtes in Frankfurt a.M. Prof. Dr. med. René Gottschalk. Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beispielsweise habe daher in ihren Richtlinien PCR-basierte Verfahren allenfalls als vorläufige Grundlage für eine Diagnose anerkannt. (Prof. Dr. med. René Gottschalk, Prof. Dr. med. Ursel Heudorf,  Die Covid-19-Pandemie – bisherige Erkenntnisse und Empfehlungen für das weitere Vorgehen, Hessisches Ärzteblatt – Ausgabe 10/2020, 25.09.2020)

Auch Prof. Drosten hat die Aussagekraft der Tests vor Jahren noch wesentlich kritischer gesehen. In einem Interview zu der damals im Mittleren Osten grassierenden MERS-Seuche relativierte er 2014 den aus Saudi Arabien gemeldeten Anstieg positiv Getesteter mit Verweis auf die nun viel häufiger durchgeführten PCR-Tests. „Die Methode ist so empfindlich, dass sie ein einzelnes Erbmolekül dieses Virus nachweisen kann. Wenn ein solcher Erreger zum Beispiel bei einer Krankenschwester mal eben einen Tag lang über die Nasenschleimhaut huscht, ohne dass sie erkrankt oder sonst irgendetwas davon bemerkt, dann ist sie plötzlich ein MERS-Fall. Wo zuvor Todkranke gemeldet wurden, sind nun plötzlich milde Fälle und Menschen, die eigentlich kerngesund sind, in der Meldestatistik enthalten.“ Dazu komme, dass die Medien vor Ort die Sache unglaublich hoch gekocht hätten. „Die Medizin ist nicht frei von Modewellen.“ (Der Körper wird ständig von Viren angegriffen“, Virologe Drosten im Gespräch, WirtschaftsWoche, 16.5.2014)

Selbstverständlich ist es wesentlich problematischer, wenn der Test eines Infizierten negativ ausfällt als umgekehrt. Die Sensitivität bleibt aber auch bei der empfohlenen Zyklenzahl hoch, die Wahrscheinlichkeit eines falsch negativen Ergebnisses unter einem Prozent. Solange der Anteil der Infizierten an den Getesteten so gering bleibt, fällt dies kaum ins Gewicht.

Falsch positive Ergebnisse liefern aber nicht nur ein falsches Bild vom Infektionsgeschehen, sie können auch gravierende persönliche Auswirkungen für eine große Zahl von Betroffenen haben. indem u.a. einer große Zahl von Menschen Quarantäne oder Selbstisolierung auferlegt wird ohne dass sie ernsthaft infiziert sind. Der erwähnte Lancet-Artikel zählt eine ganze Reihe auf, darunter:

  • psychologische Schäden aufgrund von Fehldiagnosen
  • Angst, andere anzustecken, Angst vor Isolation oder Stigmatisierung,
  • Einkommensverluste durch Quarantäne,
  • finanzielle Verluste durch annullierten Reisen.

Ein hoher Anteil falsch positiver Tests bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Zahl der Infizierten überschätzt wird, da wir, „aufgrund der immer noch chaotischen Testsituation nicht wissen, was uns an tatsächlichen Infektionen entgeht, also wie hoch die Dunkelziffer ist“, so Gerd Antes, Mathematiker und Professor an der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg. „Auch die Sache mit dem Erkenntnisgewinn – Stichwort Dunkelziffer – geht völlig schief, wenn ich kein Konzept habe und die zum Testen ranlasse, die getestet werden wollen.“

Eine Autorengruppe um Prof. Matthias Schrappe, ehem. Stellv. Vorsitzender des Sachverständigenrates Gesundheit, mahnt in ihren Thesenpapieren seit langem „Häufigkeitsangaben auf Grundlage anlassbezogener Stichproben mit äußerster Vorsicht zu verwenden.“ Wenn einem Krisenmanagement Zahlen zugrunde gelegt werden, so sollten diese auch den nötige Qualitätskriterien entsprechen: sie müssen „valide“ sein, d.h. tatsächlich das angeben, was gemessen werden soll, und „reliabel“ (zuverlässig). In ihrer Ad hoc-Stellungnahme zu den Lockdown-Beschlüssen vom 14.10.2020 heißt es „Die wissenschaftlichen Daten zur Validität lassen sich hier schnell zusammenfassen: es gibt keine Daten, die aussagen, dass mit einem Grenzwert von x/100.000 Einwohner ein positiver Verlauf der Epidemie oder eine erfolgreiche Intervention verbunden ist.“ (Schrappe et.al, Ad hoc-Stellungnahme: Die Pandemie durch SARS-CoV-2/Covid-19 – Gleichgewicht und Augenmaß behalten, 18. Oktober 2020)

Auch die Zuverlässigkeit der Erhebung (Reliabilität) gebe Anlass zu größtem Bedenken. Das Vorgehen, die gemeldeten Neuinfektionen auf die Gesamtbevölkerung umzulegen, erscheine zunächst einleuchtend, habe aber einen Haken.

Wen man so z.B. im Rahmen von einer Million Tests 25.000 positive Ergebnisse zählt und dies auf 83 Millionen Einwohner umlegt, so erhält man Angaben wie „30 pro 100.000 und Woche“. Allerdings sind von der Gesamtbevölkerung 82 Millionen Personen nicht getestet worden. Wer nun die errechnete Zahl als Infektionsrate wertet, der setzt voraus, dass von diesen keiner im gleichen Zeitraum infiziert wurde, „eine Annahme, die sicher nicht der Realität entspricht.“  Die Zahl der Infizierten unter den restlichen 82 Millionen ist wahrscheinlich sogar um ein Mehrfaches größer und die tatsächliche Häufigkeit von Neuinfektionendaher  überwiegend von der Dunkelziffer in der nicht getesteten Bevölkerung abhängig.“ Die ermittelten Zahlen von „x/100.000 Einwohner“ seien daher nach einem „Grundsatz der Messmethodik“ weder valide noch zuverlässig. „Wir gewinnen vielleicht Anhaltspunkte, aber keine verlässlichen Werte, die eine sinnvolle Steuerung erlauben. Dagegen wird von offizieller Seite mit dem Begriff der „7-Tage-Inzidenzrate“ insinuiert, man wüsste über die neu aufgetretenen Infektionen genau Bescheid.“


Update 17.11.2020: Bei einen Massentest in der Slowakei mittels Antigen-Schnelltests an 3,6 Mio. Personen erhielt man bei 38.000 Personen die nicht als infiziert gemeldet waren, ein positives Ergebnis, d.h. bei mehr als einem Prozent der Getesteten. Überträgt man dies auf Deutschland dann stünden den 130.000 bekannten noch als aktiv infiziert geltenden Personen, über 815.000 nicht-bekannt Infizierten gegenüber, die Dunkelziffer wäre also mehr als das Sechsfache.



Update 27.11.2020: Prof. Dr. Christof Kuhbandner berichtet in einem Artikel ausführlich über qualitativ minderwertige PCR-Testungen. Corona-Lockdown: Droht tatsächlich eine akute nationale Gesundheitsnotlage?, Telepolis, 29.10.2020

Er zitiert u.a. aus einer Fachinformation von Biovis Diagnostik, einem großen Anbieter eines umfangreichen Spektrums an Laboranalysen, unter dem Punkt „Spezifität“ (Fachinformation Biovis Diagnostik):

Viele Labore setzen zum Nachweis von SARS-CoV-2 PCR-Verfahren ein, die nur das E-Gen des Virus erkennen. Diese Tests sind kostengünstig und zeichnen sich durch eine hohe Sensitivität aus. Da das E-Gen, welches lediglich die Virushülle codiert, aber nicht spezifisch für SARS-CoV-2 ist, sondern auch andere Coronaviren (Sarbecoviren) erkennt, wurden früher E-Gen-positive Proben mit einer 2. PCR untersucht, um sicherzustellen, dass es sich wirklich um SARS-CoV-2 handelt. Gesucht wurde in der Bestätigungs-PCR nach spezifischen Genen, wie dem RdRP-Gen, dem S-Gen oder dem ORF1-Gen. Als auf Empfehlung der WHO für endemische Gebiete die Bestätigungstests eingestellt wurden, erfolgte ab April 2020 in vielen kleineren Laboren ein PCR-Nachweis von SARS-CoV-2 nur noch über das E-Gen.

Und weiter:

Dass ein Single-Target PCR-Test relativ substantiell auf andere Coronaviren kreuzreagieren kann, zeigen auch die Ergebnisse aus den Instand-Ringversuchen, im Rahmen derer zur Qualitätssicherung an Labore Proben verschickt werden, welche das Genmaterial des Virus SARS-CoV-2 bzw. das Genmaterial anderer Coronaviren (HCoV, OC43 oder HCoV 229E) oder gar kein Virusmaterial enthalten.Hier zeigte sich bei den Ringversuchen im April, dass bei den 983 verschickten Proben ohne Virusmaterial in 7 Fällen fälschlicherweise ein SARS-CoV-2-positives Testergebnis rückgemeldet wurde, was einer Falsch-Positiv-Rate von 0,7 Prozent entspricht. Bei den 983 Proben mit Virusmaterial des Coronavirus HCoV OC43 wurde in 8 Fällen fälschlicherweise ein positiver SARS-CoV-2 Nachweis rückgemeldet, was einer Falsch-Positiv-Rate von 0,8 Prozent entspricht, bei den 983 Proben mit Virusmaterial des Coronavirus HCoV 229E wurde in 67 Fällen fälschlicherweise ein positiver SARS-CoV-2 Nachweis rückgemeldet, was einer Falsch-Positiv-Rate von 6,8 Prozent entspricht.

Er führt auch einige krasse Beispiel auf:

Wegen der kaum erklärbaren Häufung der positiven Testergebnisse ließ das Isar-Amper Klinikum in Taufkirchen/Vils erneut testen. Das Ergebnis: Von 60 Corona-Tests, die vorige Woche vom Augsburger MVZ-Labor (früher Schottdorf) positiv getestet wurden, entpuppten sich beim Kontrolltest 58 als negativ – die Patienten waren also völlig unnötigerweise isoliert worden und die Gesundheitsämter hatten unnötigerweise die Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt.

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