Sahra Wagenknecht liegt mit dem Vergleich von NATO-Luftangriffen und Terror richtig

„Gestörte Moral“, „am Rande des moralischen Bankrotts … ‒ wenn dem Westen einmal, wenn auch nur kurz, der Spiegel vorgehalten wird, dann ist die Empörung regierungsnaher Politiker und Medien stets groß. Doch begibt sich die französische Regierung ‒ und alle, die sie nun militärisch unterstützen ‒ nicht auf die Ebene ihrer Gegner, wenn sie als Reaktion auf Anschläge einiger Franzosen und Belgier aus verwahrlosten Vorstädten Bomben auf Ziele in fernen syrischen Städten werfen lässt, in denen sie Angehörige der mutmaßlich verantwortlichen Miliz nur vermuten kann, und dabei den kaum vermeidlichen Tod unbeteiligter Zivilisten in Kauf nimmt?
Sahra Wagenknecht hätte ihren Standpunkt vielleicht durch weitere Beispiele untermauern sollen ‒ z.B. durch den Verweis auf die Lynchmorde mit Killerdrohnen, die in den letzten Jahren weit mehr Zivilisten töteten, als alle islamistischen Terroranschläge außerhalb der Kriegsgebiete zusammen.
Nicht nur moralisch, sondern auch sachlich liegt Markus Decker daneben, wenn er behauptet, Assad“ sei für „75 Prozent“ der syrischen Kriegstoten verantwortlich. Gemäß der oppositionsnahen „Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte“, von der die Medien gewöhnlich die Zahl von 250.000 Opfer übernehmen, wurden bisher auch 93.000 Angehörige der Armee, Polizei und regierungsloyaler Milizen, sowie 84.000 Kämpfer regierungsfeindlicher Milizen getötet. Und ein großer Teil der getöteten 76.000 Zivilisten wurde Opfer der islamistischen Banden, die auch mit Unterstützung des Westens das Land seit 4 Jahren mit Krieg und Terroranschlägen überziehen.
Wenn die russische Luftwaffe die syrische Armee dabei unterstützt, diese Milizen wieder zurückzudrängen, so ist dies mit den Angriffen der Nato-Staaten schwerlich vergleichbar. Zum einen konnte sie durch direkte Zusammenarbeit mit Bodentruppen tatsächlich dazu beitragen, dass Gebiete befreit wurden. Zum anderen haben die NATO-Mächte im Unterschied zu Russland andere Mittel den „Islamischen Staat“, Al Nusra & Co. entscheidend zu schwächen: Sie müssen nur die NATO-Partnerin Türkei und ihre arabischen Bundesgenossen, die Vorzeigedemokraten vom Golf, dazu bringen, deren Unterstützung einzustellen und die Kanäle mit denen sie sich finanzieren und über die sie Waffen und Nachschub beziehen zu stopfen.
siehe auch:
Kommentare zu Sahra Wagenknechts Äußerung über Bombenterror in Syrien, jW, 30.12.2015, Seite 8 / Abgeschrieben
»Der Einsatz stärkt den IS« Rede von Sahra Wagenknecht in der Bundestagsdebatte am Freitag über die Beteiligung deutscher Soldaten am Syrien-Krieg, jW, 5.12.2015
Weitere Mainstream-Kommentare:
Sahra Wagenknecht zu Syrien-Einsatz – Wagenknecht bezeichnet Luftangriffe in Syrien als Terror, SZ, 28.12.2015
Tote Zivilisten im Anti-IS-KampfWagenknecht nennt Luftangriffe „Terror“, n-tv, 28.12.2015

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