„Give me Hope“, Obama

Namentlich wurde Obama wegen seiner „außergewöhnlichen Bemühungen“ ausgezeichnet, „die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken“. Nach 8 Jahren Bush genügte es offensichtlich, dass die USA unter Obama ansatzweise wieder zu einer normalen Außenpolitik zurückkehren, die üblicherweise aus Diplomatie besteht.
Ansonsten erhält er den Preis für „Visionen“, insbesondere für die „einer Welt ohne Atomwaffen“. Diese ist allerdings nicht sonderlich originell, selbst die meisten seiner Vorgänger hatten sie geäußert. Diese wollten jedoch immer erst die Bomben der Anderen abschaffen. Auch hier ist Obama keine Ausnahme: Für ihn soll die weltweite Abrüstung nicht dort beginnen, wo die meisten stehen (d.h. bei ihm zu Hause), sondern in einem Land, das gar keine hat – im Iran. Seine Vision dient also offensichtlich vorwiegend dazu, die Reihen gegen das ölreiche Land am Golf zu schließen.
Sehr treffend stellt Rüdiger Göbel die Preisverleihung in den Zusammenhang mit der neuen Sicherheitsrats-Resolution, die nicht nur das Mandat für die Besatzungstruppen in Afghanistan verlängert, sondern auch noch eine Eskalation des Krieges durch Aufstockung der Truppen fordert. (Bombige Entscheidung, jW 10.10.2009) Man könnte in dem Zusammenhang noch erwähnen, dass die UNO ja 2001 ebenfalls den Friedensnobelpreis erhielt, sozusagen zum 10. Jahrestag ihrer mörderischen Sanktionspolitik gegen den Irak.
Doch nicht nur linke Medien, Friedensbewegung und die Hinterbliebenen, der durch die von Obama autorisierten Bomben getöteten Afghanen und Pakistanis, auch die bürgerlichen Medien sehen die Verleihung überwiegend kritisch: eine gute Übersicht bietet die FriedensTreiberAgentur (FTA)
Erbost sind natürlich die Konservativen in den USA, gegen die sich die Preisverleihung nicht zuletzt richtet. Nach der Verleihung an Al Gore müssen sie nun zum zweiten Mal in kurzer Zeit die für sie ungewohnte Erfahrung einer äußeren Einmischung in die inneren Angelegenheiten Washingtons machen.
Sehr schön ist das FR-Interview mit dem Medienwissenschaftler Norbert Bolz, worin dieser erklärt, warum der US-Präsident von vielen Menschen wie ein Messias verehrt wird.

Herr Bolz, womit hat sich Obama den Nobelpreis verdient?
Er hat noch gar nichts getan. Das ist ja das Faszinierende. Sein Beitrag zum Weltfrieden ist gleich null. Das Einzige, was er bisher in diese Richtung getan hat, ist, Frieden in die Seelen seiner Fans zu bringen, deren Wunsch erfüllt wurde, dass er Präsident wird.
[…]
Ja, der Obama-Effekt ist ein rein religiöser. Daran kann es keinen Zweifel geben. Die Weltöffentlichkeit hat es geschafft, in George W. Bush den uralten Anti-Amerikanismus in einer Person zu konzentrieren – der Böse schlechthin. Die perfekte Verkörperung des Bösen überhaupt. Das hat dann die Komplementärfigur beschworen: Obama, der Retter, der Kämpfer gegen das Böse. Diese Figuren sind dann auch noch direkt gegeneinander angetreten. Das sind Ideal-Konstruktionen, wie man sie sonst nur in Filmen sieht.(„Der Obama-Effekt ist ein rein religiöser„, FR 10.10.2009)

Und was soll’s?
Erstaunlicher als die Wahl des diesjährigen Preisträgers, ist allerdings die immense Bedeutung, die dem Preis zugemessen wird. Das Preiskomitee, bestehend aus fünf nach Parteienproporz benannten norwegischen Politikern, ist wenig legitimiert über Verdienste für den Weltfrieden zu entscheiden. Dass allgemeine Friedenspolitik bei diesen Parteipolitikern im Vordergrund steht, ist kaum zu erwarten. Schließlich ist Norwegen in der NATO und beteiligt sich z.B. auch am Krieg in Afghanistan.
Tatsächlich kann man nur einen kleinen Teil der Preisträger der letzten 30-40 Jahre als wirkliche KämpferInnen für Frieden und Völkerverständigung ansehen. Die anderen wurden geehrt, um Gegnern des Westens eins auszuwischen oder weil sie verbrecherische Kriege, die sie jahrelang mitzuverantworten hatten, endlich beendeten und ähnliches mehr.
Bei Gremien, die etwas repräsentativer für die gesamte Welt sind, wie z.B. die UN-Vollversammlung, hätte wohl kaum einer die Chance auf einen Friedenspreis gehabt.

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