„Humanitäre Hilfe für Venezuela“ geschickt getarnte Waffe für einen „Regime Change“

Auch in Deutschland organisiert die „Coalición Ayuda y Libertad Venezuela“ in mehreren Städten am 23. Februar Kundgebungen für die „Humanitäre Hilfe Venezuela“, zu denen die Teilnehmer in weißen T-Shirts erscheinen sollen. Sie finden Unterstützung auch bei Leuten, die mit dem eigentlichen Ziel dieser „Koalition für Hilfe und Freiheit Venezuela“ nichts am Hut hat.

Das liegt daran, dass deren Kampagne geschickt aufgezogen ist. Der Ankündigung selbst  (z.B. hier für Heidelberg) ist gar nicht zu entnehmen, um was es genau geht.
Selbst auf der angegebenen Webseite www.voluntariosxvenezuela.com/internacional/  wird das nicht auf den ersten Blick klar, man muss schon auf die Folgeseiten gehen, um dann den klaren Bezug zum selbsternannten „Präsidenten“ Juan Guaidó und den Putschbemühungen zu finden.

Tatsächlich wurde die Koalition von Guaidó selbst gegründet kann auf die Unterstützung Washingtons und der EU bauen. Bei der „Hilfe“handelt es sich um eine von den USA in Zusammenarbeit mit der reaktionären kolumbianischen Regierung organiserte Aktion. Mehrere Lastwagen mit Hilfsgütern wurden im Nordosten Kolumbiens an die Grenze gefahren, gegenüber der Tienditas-Brücke nach Venezuela, die bisher allerdings noch nie als Grenzübergang freigegeben war.

Die LKWs sollen am 23. Februar an den zuständigen venezolanischen Behörden vorbei, begleitet von eigenen „Helfern“, ins Land gebracht werden. Unter den Helfern sieht man auch einige desertierte venezolanische Soldaten. Unterstützt soll dies von über hunderttausend Demonstranten auf beiden Seiten der Grenze werden. Auf  kolumbianischer Seite werden sie durch ein Hilfskonzert angelockt

Da die venezolanische Regierung einem solchem, die venezolanische Souveränität verletzenden Einmarsch nicht zulassen kann, soll damit offensichtlich eine gewaltsame Eskalation provoziert werden.

Bei dieser Kampagne wird somit das Angebot „humanitärer Hilfe“ missbraucht, um die Konfrontation zu suchen und einen Vorwand für eine noch massivere Intervention der USA und der EU-Staaten zu provozieren – womöglich, so steht zu befürchten – eine militärische. Seit Wochen ziehen die USA und Großbritannien Streitkräfte in der Karibik zusammen. Nach einem Treffen des Oberkommandieren des Südkommando der US-Armee, Admiral Craig Faller, mit dem kolumbianischen General Luis Navarro gaben diese bekannt, dass man bereit sei, um „zum Schutz der Zivilbevölkerung“ einzugreifen

Die  „Humanitäre Hilfe“ soll offensichtlich endlich dem mit der Installation Guaidó  als Gegenpräsidenten eingeleiten Putschversuch, der aufgrund ausbleibender Untersützung im Land selbst bisher nicht vorankam, Schwung verliegen. Durch den erneuten „Regime Change“-Versuch der USA droht nicht weniger als ein „lateinamerikanisches Syrien“ (s. dazu u.a.  Frederico Füllgraf, Venezuela – Die “humanitäre Hilfe” und das militärische US-Drehbuch der “befreiten Gebiete, NachDenkSeiten, 20.2.2019)

Rotes Kreuz und Diakonie: „Missbrauch humanitärer Hilfe“

Die „Hilfsaktion“ wird auch von deutschen Politiker und Medien unterstützte obwohl sie mit keiner internationalen oder lokalen Hilfsorganisationen abgesprochen ist und sich u.a. das Rote Kreuz und die Diakonie Katastrophenhilfe  klar und deutlich von dieser Art „humanitärer Hilfe“ klar und deutlich distanziert haben.

„Wir beteiligen uns nicht an einer humanitären Hilfe, die für uns keine ist“, so z.B. der Leiter des IKRK in Kolumbien, Christoph Harnisch (siehe Cruz Roja aclara que ayudas que llegarán desde EE.UU. no son humanitarias – „Das Rote Kreuz stellt klar, dass Hilfe aus den USA keine humanitäre Hilfe ist -, RCN Radio (Radio Colombia) , 5.2.2019)

Und Entwicklungspolitik Online (EPO) meldet:

Die Diakonie Katastrophenhilfe hat alle Akteure in Venezuela dazu aufgefordert, die dringend benötigte Hilfe für die Menschen nicht zum Spielball politischer Interessen zu machen.
[…] Die politischen Gegner in Venezuela verletzten durch die politische Instrumentalisierung der humanitäre Hilfe nicht nur die Neutralität und damit eines der wichtigsten humanitären Prinzipien. „Vor allem nehmen sie bewusst das Leid von Abertausenden in Kauf, statt Verantwortung für die Bevölkerung zu zeigen. Das bereitet neutralen Hilfsorganisationen wie uns große Sorge“, sagte Füllkrug-Weitzel.
(Venezuela: Humanitäre Hilfe darf nicht missbraucht werden, EPO, 14..2.2019

Es ist zwar richtig, dass es in Venezuela massive Engpässe bei der Versorgung mit Lebensmittel und Medikamenten gibt, dennoch braucht Venezuela keine „humanitäre Hilfe“, sondern ein Ende der Embargo-Maßnahmen von Seiten der USA und der EU.
Es ist skandalös, dass auch in den hiesigen Medien die „humanitäre Hilfe“ hochgepuscht wird, ohne zu erwähnen, dass Venezuela nach Einbruch der Öleinnahmen weitgehend von internationalen Finanzquellen abgeschnitten wurde und Milliarden-Beträge blockiert werden.

Wer wirklich etwas gegen die wirtschaftliche Not der Menschen in Venezuela tun will, sollte sich für ein Ende der „Sanktionen“ genannten Blockade des Landes einsetzen, die nichts anderes als ein Wirtschaftskrieg ist.

Skandalös ist ebenfalls, dass im Nordosten Kolumbiens, wo jetzt die „Humanitäre Hilfe Venezuela“ inszeniert wird, die Menschen unter wesentlich elenderen Bedingungen leben und jährlich Tausende Kinder verhungern  (Die vergessene Katastrophe, jW, 22.02.2019)

Siehe auch das Flugblatt des Friedensbündnis Heidelberg und des Nicaragua-Forum Heidelberg, zur Kundgebung „Nein zum Staatsstreich in Venezuela
Keine Einmischung von außen!“

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