Iran: Analyse mehrerer Meinungsumfragen fand keinen Hinweis auf Wahlbetrug

Um deren Plausibilität zu überprüfen, hat das „Program on International Policy Attitudes“ an der Universität von Maryland (PIPA) mehrere Meinungsumfragen ausgewertet, die im Iran vor und nach der Wahl durchgeführt wurden. (siehe Analysis of Multiple Polls Finds Little Evidence Iranian Public Sees Government as Illegitimate, World Public Opinion, February 3, 2010)
Die ausgewerten Studien umfaßten:

  • 10 Umfragen der Universität von Teheran, die kürzlich veröffentlicht worden waren – 8 vom Monat vor der Wahl am 12. Juni und 2 vom Monat danach.
  • eine Meinungsumfrage von GlobeScan nach der Wahl, auf Grundlage von innerhalb des Irans durchgeführten Telefoninterviews
  • eine zwischen dem 27.8. und 10.9.1009 vom, zum PIPA gehörenden, Institut WorldPublicOpinion durchgeführte Meinungsumfrage

Sowohl vor als auch nach den Wahlen gab eine Mehrheit an, sie würden für Ahmadinedschad stimmen bzw hätten für ihn gestimmt. Die Prozentzahlen gehen von 52 bis 57% vor der Wahl und 55 bis 66% unmittelbar nach der Wahl.
„Diese Befunde beweisen nicht, dass es keine Unregelmäßigkeiten im Wahlprozess gab,“ so der PIPA-Direktor Steven Kull. „Aber sie unterstützen nicht die Annahme, dass eine Mehrheit Ahmadinedschad ablehnte.“
Die Unterstützung für Ahmadinedschad war zwar tatsächlich, den Umfragen der Universität von Teheran zufolge, in den ersten Wochen der Wahlkampagne steil gefallen, wodurch der Eindruck entstehen konnte, er müsse die Wahl verlieren. In den beiden Wochen vor der Wahl gingen seine Umfragewerte aber wieder über 50%.
Da 57% derer, die zur Wahl gingen, angaben, dass sie erwarteten, Ahmadinedschad würde gewinnen, ist es nicht überraschend, dass in den Umfragen nach der Wahl, mehr als sieben von zehn Ahmadinedschad als den rechtmäßigen Präsidenten betrachteten. Etwa acht von zehn sagten, die Wahl seien frei und fair gewesen.
Mit nur 42%, die dem Wächterrat und 38%, die dem Innenministerium ihres volles Vertrauen ausdrückten, hält sich die Zustimmung zur Regierung diesen Umfragen zufolge zwar in Grenzen. Nach einem mehrheitlichen starken Wunsch nach Regimewechsel sieht das allerdings ganz und gar nicht aus.
Um zu prüfen, ob die innerhalb des Irans gesammelten Daten eventuell gefaked wurden, verglich PIPA die Muster von Antworten (verteilt auf die Untergruppen) der im Iran gesammelten Daten mit jenen, die durch die westlichen Institute durch Anrufe von außen gesammelt wurden. „Die Muster von Antworten sind auf vielen Ebenen so ähnlich …, dass schwerlich der Schluss gezogen werden kann, diese Daten seien gefälscht.“
Auch die Befürchtung die Befragten hätten evtl. aus Furcht vor Repression nicht frei ihre Meinung gesagt, sind ebenfalls wenig plausibel. Schließlich wären viele Antworten durchaus sehr regierungskritisch gewesen und selbst unter denen, die angaben für den Konkurrenten Mousavi gestimmt zu haben, hielt die Mehrheit Ahmadinedschad für den legitimen Präsidenten.
Zur WorldPublicOpinion-Umfrage vom Sept. 2009 siehe auch Iraner trauen Ahmadinedschad aber nicht Obama.

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