Kategorie: Irak

Studie: Die Schlacht um Mossul – Der Irak zerrissen durch den Krieg gegen den „Islamischen Staat“, interne Konflikte und äußere Intervention


IMI-Studie 2017/11b
Die Schlacht um Mossul

Der Irak zerrissen durch den Krieg gegen den „Islamischen Staat“, interne Konflikte und äußere Intervention
von: Joachim Guilliard | Veröffentlicht am: 3. Juli 2017, aktualisiert am 9. August 2017

Hier die ganze Studie zum Download (PDF)

Das lange dominierende Thema in Bezug auf den Irak war die seit dem 17. Oktober 2016 stattfindende „Schlacht um Mossul“ – und das völlig zu Recht. Allerdings weniger, weil hier, wie es oft heißt, eine Entscheidungsschlacht gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ geschlagen wird, sondern weil sich im Kampf um die zweitgrößte Stadt Iraks zentrale Probleme und Konflikte des geschundenen Landes wie in einem Brennglas bündeln.

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Mossul ‒ einer Millionenstadt droht die vollständige Zerstörung

erscheint leicht gekürzt in der vom Informationsprojekt Naher und Mittlerer Osten herausgegebenen Vierteljahresschrift INAMO, Heft 89

Update: Unten wurden Hinweise auf einen aktuellen Beitrag von und ein Interview mit Jürgen Todenhöfer, ein Artikel von german-foreign-policy.com und einen Bericht von Amnesty International zur katastophalen Entwicklung in Mossul aufgenommen.

Nachdem die Allianz aus irakischer Armee, kurdischen Peschmergas und schiitischer Milizen, unterstützt durch massive Luftangriffe einer US-geführten Koalition, Ende Januar den Ostteil Mossuls weitgehend unter Kontrolle gebracht hatte, begann sie am 19. Februar mit der Offensive zur Vertreibung der dschihadistischen Miliz „Islamischer Staat“ (IS oder arab. Daesch) aus dem Westteil der nordirakischen Metropole. Die Regierung in Bagdad spricht von der „entscheidenden Schlacht“. Sie ist jedenfalls die größte seit der Invasion 2003 und ‒ so steht zu befürchten ‒ auch die verheerendste.

War während der Offensive der syrischen Armee zur Befreiung Ost-Aleppos von islamistischen Milizen, die den Stadtteil seit Sommer 2012 besetzt hielten und mehrheitlich dem Daesch bezüglich Ideologie und Brutalität wenig nachstehen, die Situation der verbliebenen Bevölkerung bestimmendes Thema in den Medien, spielte das Schicksal der in der zweitgrößten Stadt Iraks eingeschlossenen Menschen faktisch keine Rolle.

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SOS aus Mossul

Während der von der russischen Luftwaffe unterstützen Offensive der syrischen Armee zur Befreiung Ost-Aleppos von den islamistischen Milizen wie der Al Nusra Front und Ahrar al Sham, die den Stadtteil seit Sommer 2012 besetzt hielten, war die Situation der verbliebenen Bevölkerung bestimmendes Thema in den Nachrichten. Deren Zahl wurde dabei sehr großzügig auf 250.000 Menschen geschätzt und bzgl. Zerstörungen und ziviler Opfer wurde unbesehen die meist stark übertriebene Darstellung der regierungsfeindlichen Kräfte übernommen.
Über die ebenfalls seit Monaten anhaltenden Offensive gegen das von der Dschihadisten-Miliz „Islamischer Staat“ (Daesch/IS) kontrollierte Mossul erfährt man nur etwas über den Fortschritt der Eroberung der Angreifer. Über das Schicksal der Menschen in der Metropole erfährt man nahezu nichts, obwohl sich dort, trotz der Flucht von weit über 100.000 Menschen, noch ein bis eineinhalb Millionen Bewohner befinden.

Dabei ist Lage der Eingeschlossenen katastrophal und die Zahl der zivilen Opfer der Bombardierungen der US-geführten „Koalition“ und der Angriffe der irakischen Bodentruppen immens.

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Mossul und Aleppo – ein Lehrstück in Doppelmoral und Propaganda

Im syrischen Aleppo Freiheitskämpfer, im irakischen Mossul finstere Barbaren. Der jeweilige Umgang mit den religiösen Milizen in den beiden Städten sagt ­einiges über die Doppelmoral in der Begründung westlicher Politik aus

Ungekürzte Version meines Artikels „Gute Islamisten, schlechte Islamisten“ in junge Welt, 14.11.2016, Seite 12 / Thema

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Die Offensive auf Mossul richtet sich gegen den Inbegriff des Bösen. Dass unter den Befreiern nicht wenige sind, die an Grausamkeit dem »Islamischen Staat« in nichts nachstehen, wird dabei gerne unterschlagen

„Ein Vergleich der Berichte über Mossul und Aleppo sagt uns viel über die Propaganda, die wir konsumieren“, schrieb Patrick Cockburn, der renommierte Nahostkorrespondent des britischen Independent am 21. Oktober.[8] Die beiden großen Städte – Aleppo im Norden Syriens und Mossul im Nordirak sind mehrheitlich von Sunniten bewohnt und beide (in Aleppo der Ostteil) werden aktuell von den jeweiligen Regierungskräften belagert und angegriffen, massiv unterstützt von ausländischen Luftwaffen.
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Falludscha: Befreiung durch Zerstörung und Vertreibung

erschien leicht gekürzt in Ossietzky, 14/2016, 2..7.2016

Vier Wochen nach Beginn einer groß angelegten Offensive gelang es der irakischen Armee gemeinsam mit schiitischen Milizen den größten Teils Falludschas einzunehmen. Den Erfolg verdankt sie auch der massiven Unterstützung der US-amerikanischen Luftwaffe.

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Die Auslöschung Falludschas zielt nicht allein auf den IS – irakischer Politologe

„Irakisches Blut ist noch billiger als das von Syrern und Palästinensern“

Der Feldzug gegen den Islamischen Staat aus Sicht eines irakischen Politologen

Niemand sollte Zweifel daran haben, was geschehen wird, wenn Falludscha „befreit“ wird. Konfessionelle Säuberung ist ein etabliertes Programm im Irak.

(siehe dazu auch meinen ausführlichen Artikel „Falludscha erneut unter Belagerung – Die Stadt wird ausgehungert und bombardiert“, junge Welt, 01.06.2016,
sowie Battle for Fallujah: Protests Needed against Violations of Humanitarian Law
Rene Wadlow
, TRANSCEND, 13.6.2016)

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Falludscha erneut unter Belagerung – Die Stadt wird ausgehungert und bombardiert

An der geschundenen Stadt zeigt sich exemplarisch die Brutalität und Kontraproduktivität des Krieges gegen den „Islamischen Staates“ im Irak
(erschien leicht gekürzt auf der Thema-Seite der jungen Welt vom 01.06.2016)

Siehe dazu auch den dringenden Appell des ehem. schottischen Europa-Abgeordneten Struan Stevenson  für die Menschen in Falludscha
und Jürgen Todenhöfers offenen Brief an US-Präsident Obama: „Nicht schon wieder Falludscha! “

Wer die fürchterlichen Angriffe der US-Truppen auf Falludscha 2004 verfolgte, konnte sich kaum vorstellen, dass der Großstadt am Euphrat noch Schlimmeres bevorstehen könnte. Doch die einstige „Stadt der Moscheen“ wird seit einem erfolgreichen Volksaufstand im Januar 2014 von Regierungstruppen belagert und bombardiert und geriet im Sommer 2014 zudem unter die Herrschaft des »Islamischen Staates«. Seit Februar sind alle Versorgungswege in die Stadt unterbrochen. Die letzten Vorräte sind aufgebraucht, Zigtausende Bewohner hungern. Der Angriff auf die Stadt steht nun kurz bevor. Ihr droht, wie zuvor Tikrit und Ramadi, die weitgehende Zerstörung und der verbliebenen Bevölkerung Racheaktionen schiitischer Milizen.

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Irak ‒ ein dringender Appell für die Menschen in Falludscha

Seit Februar sind alle Versorgungswege in die, seit langem unter Beschuss stehenden, irakischen Großstadt Falludscha durch die irakische Armee und schiitische Milizen unterbrochen. Die letzten Vorräte sind aufgebraucht, Zigtausende Bewohner hungern. Laut Human Rights Watch waren Anfang April schon mindestens 140 Menschen aufgrund des Mangels an Nahrung und Medizin gestorben. (Iraq: Fallujah Siege Starving Population ‒ Government Forces Block Aid; ISIS Bars Civilian Flight, HRW, 7.4.2016)

In dieser Situation ruft Struan Stevenson, Präsident der „European Iraqi Freedom Association“ (EIFA) im Namen seiner Organisation dazu auf, die Blockade der Stadt umgehend zu beenden und seine Bevölkerung mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen. Stevenson war von 1999 bis 2014 Abgeordneter der schottischen Konservativen im Europäischen Parlament und von 2009 bis 2014 Präsident der „Delegation des Europäischen Parlaments für die Beziehungen zum Irak“. Continue reading „Irak ‒ ein dringender Appell für die Menschen in Falludscha“ →

Der Bunker von Al-Amiriya – 25. Jahrestag eines US-Kriegsverbrechen

Vor 25 Jahren, in der Morgendämmerung des 13. Februar 1991 warfen zwei amerikanische F-117-Tarnkappenbomber je eine 1000-Kilo-Bombe auf einen Luftschutzbunker in Amiriya, einem Stadtteil im Westen Bagdads ab.


Spuren der Hände von Menschen die im
Al Amiriya Bunker schutz gesucht hatten,
eingebrannt in die Mauer

Das erste der lasergesteuerten Geschosse bohrte sich durch die drei Meter dicke Stahlbetondecke. Sie riss durch eine zeitverzögerte Detonation ein größeres Loch in die Decke, durch das die zweite eindrang. Sie explodierte innerhalb des Schutzraumes des Bunkers und entfachte ein Hölleninferno. Mindestens 408 Menschen starben, darunter 142 Kinder unter 10 Jahren – Menschen des Stadtviertels, die dort Nacht Schutz vor dem täglichen Bombenhagel suchten. Sie verbrannten in einem bis zu 4000 Grad heißen Feuerball, der von vielen nur noch eine in die Wände eingravierte Silhouette hinterließ.
Der Bunker war an sich so konzipiert, dass er auch einen Angriff mit Atomwaffen überstehen konnte. Sein einziger Schwachpunkt war der Lüftungsschacht. Genau in diesen drang die erste Bombe lasergesteuert ein. Den Bauplane in dem sie seine Lage identifizieren konnten hatten sie von der finnischen Spezialfirma, die den Bomber baute – sie war ausgewählt worden, weil man Finnland für neutral hielt.
Die US-Armee behauptete zuerst der Angriff hätte einem Kommandozentrum der irakischen Armee gegolten, das ihre Aufklärung dort aufgespürt hätte. Als die horrende Zahl ziviler Opfer nicht mehr abstreitbar war, hieß es, ein Stab Saddam Husseins hätte sich dort hinter Zivilisten verschanzt. Doch auch diese Version ließ nicht halten. Es wurden später keinerlei Hinweise gefunden, dass die irakische Armee „menschliche Schutzschilde“ für Kommandostäbe oder militärische Stellungen missbraucht hätte. Heute gilt das Massaker als „tragischer Fehler“ aufgrund fehlerhafter Geheimdiensterkenntnisse.
Das ist durchaus möglich. In zahlreichen Angriffen versuchte die US-Luftwaffe 1991 gestützt auf Geheimdienstinformationen hochrangige Iraker „auszuschalten“. Bei keinem der 50 bestätigten Angriffe wurde einer der anvisierten Führer getroffen, jedoch Hunderte Zivilisten zerfetzt. Da die Sicherheit, mit der aus der Ferne, gestützt allein auf diverse Regimegegner an, militärisch relevante Ziele erkannt werden können, heute kein bisschen besser ist, wirft dies auch ein bezeichnendes Licht auf die aktuellen Luftangriffe der US-geführten Allianz in Syrien und im Irak.
Viele, die den Vorfall untersucht haben, bezweifeln allerdings dass die Nutzung des Luftschutzbunkers damals so fehlgedeutet werden konnte. Er war deutlich als solcher gekennzeichnet. Abend für Abend stauten sich die Hunderte von Menschen die hier Schutz suchten. Keiner der später befragten Anwohner hatte je irgendwelche militärischen Aktivitäten im und und um den Bunker beobachtet.
Der Verdacht liegt nahe, dass mit dem Angriff vor allem Angst und Schrecken in der Bevölkerung noch weiter gesteigert werden sollte, in dem er ihre völlige Schutzlosigkeit vor den höllischen Angriffen demonstrierte, denen sie bereits seit 27 Tagen ausgesetzt waren.
Obwohl der Krieg offiziell den Rückzug irakischer Truppen aus Kuwait zum Ziel hatte, wurde überwiegend der Irak selbst flächendeckend bombardiert. Ein großer Teil der Angriffe richtete sich gegen zivile Ziele. Insgesamt wurden 22.000 zivile Einrichtungen jeglicher Art bombardiert, von Brücken über Wasser- und Elektrizitätswerke bis hin zu Museen und Schulen. Diese Kriegsführung, bei der am Ende zwischen dem 17. Januar und 28. Februar 110.000 Angriffe geflogen wurden (einer alle 34 Sekunden) und zweimal soviel Sprengkraft wie im gesamten Vietnamkrieg eingesetzt wurde, hatte zum einen das Ziel, den zur Regionalmacht aufgestiegenen Irak um Jahrzehnte in der Entwicklung zurückzuwerfen, zum anderen hoffte man, durch die Verwüstungen und die vielen zivilen Toten die Bevölkerung zum Aufstand gegen die Baath-Regierung zu treiben.
Nach dem Massaker im Al-Amiriya Bunker drängte Spanien die USA öffentlich seine Angriffe nicht länger auf den Irak sondern auf die irakischen Truppen in Kuwait zu konzentrieren. [Hiro, Dilip (2003). Desert Shield to Desert Storm: The Second Gulf War., S. 361]
Doch auch wenn es ein Irrtum war: da der Bunker eindeutig als Schutzbunker erkennbar war und zweifelsfrei auch als solcher genutzt wurde war der Angriff ein eindeutiges Kriegsverbrechen, eines der schwersten unter den Hunderten, die die USA im Irak begingen und die bis heute ungesühnt blieben.

Das Verbrechen ist tief ins Gedächtnis der Iraker eingegangen. Zahlreiche Lieder und Gedichte und auch Filme beschäftigen sich mit ihm. Der Bunker wurde zur Gedenkstätte ausgebaut, in dem Angehörigen Fotos ihrer getöteten Männer, Frauen, Kinder und Verwandten aufhängen konnten. Die Gedenkstätte wurde bis 2003 gut gepflegt und auch rege besucht. Nach der US-geführten Invasion wurde sie für die Öffentlichkeit geschlossen. Zugang gibt es nur gelegentlich auf Anfrage.
Doch online, in den sozialen Medien wird auch 25 Jahre danach noch an das Massaker gedacht, wenn auch die Erinnerung durch die nachfolgenden Gräueltaten von Invasions- und Besatzungstruppen, wie die Verwüstung Falludschas überschattet werden. Und der traurigen Gewissheit, das der Krieg für sie noch lange nicht zu Ende ist.
Quellen:

Al-Amiriya Centre for Documentation and International Initiatives, Madrid
Concerning the Crimes of Genocide, War Crimes and Crimes against Humanity committed by the USA and its allies against the people of Iraq, Arab Cause Solidarity Committee, September, 2001
Felicity Arbuthnot, The Ameriya Shelter – St. Valentine’s Day Massacre, Uruknet, 14.2.2007
Ray McGovern, Recalling the Slaughter of Innocents – Amiriyah – the bombing of a civilian air-raid shelter in Baghdad, 17.2.2016
The quarter-century anniversary of an early U.S. war crime in Iraq passed largely unnoticed this week, the bombing of a civilian air-raid shelter in Baghdad during President George H.W. Bush’s Persian Gulf War, an atrocity that killed more than 400 women and children, as Ray McGovern recalled in 2011.
Tim Arango, After 25 Years of U.S. Role in Iraq, Scars Are Too Stubborn to Fade – Amiriya bomb shelter: America’s legacy in Iraq, New York Times, 17.2.2016
The Amiriya bomb shelter memorial is a constant reminder of the deadliest episode of civilian casualties in the painful history of the US in the country. The destruction of the bomb shelter in Baghdad in February 1991 killed more than 400 civilians in the worst way possible: most were burnt alive.
Amiriyah shelter bombing: Background, America.pink (basiert auf dem Wikipedia-Artikel dazu, enthält aber zusätzlich Bilder)

Bilder des Bunkers als Gedenkstätte in Reise in den Irak, 28.1. bis 4.2.2003 – Eine Reportage von Uwe Menger, Arbeiterfotografie

IPPNW Body Count – englische und „internationale“ deutsche Ausgabe


Opferzahlen nach 10 Jahren "Krieg gegen den Terror"

Internationale Ausgabe, deutsch (pdf-Datei)

Report im IPPNW-Shop bestellen

Hans-Christof von Sponeck, ehemaliger UN-Koordinator für humanitäre Fragen im Irak (1998-2000), nennt die Untersuchung im Vorwort „ein mächtiges Aide-Mémoire für die rechtliche und moralische Verantwortung, Täter zur Rechenschaft zu ziehen.“ Für die US-amerikanischen IPPNW-Sektion unterstreicht die Untersuchung das Ausmaß menschlicher Zerstörung, die weltweit Hass anfeuere, in einer Zeit, in der die US-Regierung neue und erweiterte Militäroperationen im Irak und in Syrien erwäge.
Außerdem liefere “Body Count” den Kontext, um den Aufstieg brutaler Kräfte, wie den des IS zu verstehen, die als Folge der US-Politik weiter gedeihen würden.
Amy Goodman interviewte in Democracy No! Hans von Sponeck und Prof. Robert Gould, Präsident der „San Francisco Bay“ Sektion der Physicians for Social Responsibility der das Vorwort zur internationalen schrieb:
Endless War: As U.S. Strikes Tikrit & Delays Afghan Pullout, „War on Terror“ Toll Tops 1.3 Million
Sehr ausführlich geht Dahr Jamail auf die Studie ein, nachdem er u.a. auch mich, als Autor des Irak-Teils, interviewte:
Dahr Jamail, Report Shows US Invasion, Occupation of Iraq Left 1 Million Dead, Truthout | Report, 13.04.2015
(Dahr ist ein sehr engagierter Journalist, der während der Besatzung des Iraks mehrmals direkt aus den Kriegsgebieten berichtete und mehrere Bücher über den Irak-Krieg schrieb, das neueste heißt The Mass Destruction of Iraq: Why It Is Happening, and Who Is Responsible)
Der Journalist, Schriftsteller und Fernsehmoderator Neil Clark präsentierte die Studie mit der Überschrift „Causing genocide to protect us from terror„.

We also need to counter elite attempts to turn the attention away from Western crimes to crimes committed by other groups in which less people lost their lives.
There’s been talk in European establishment circles of making Srebrenica genocide denial a criminal offence, but as terrible as that massacre was, the indisputable fact is that far more people have been killed by the US and its allies in subsequent years. If Srebrenica genocide denial is made an offence, but denying the genocide caused by the US-led ‘war on terror’ is not, then the double standards will be there for all to see.

Bundeswehr-Journal
Interessanter Weise bekommt unsere „Body Count“-Studie durch die internationale Ausgabe auch eine ausführliche und durchweg positive Würdigung durch das Bundeswehr-Journal:
Christian Dewitz, Rund 1,3 Millionen Tote durch „Krieg gegen den Terror“, bundeswehr-journal, 31.3.2015
„Die Gesamtzahl der Opfer des „Krieges gegen den Terror“, der von Amerikas damaligem Präsidenten George W. Bush unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ausgerufen worden war …, ist kaum jemals öffentlich diskutiert worden“ schreibt das deutsche Militärmagazin. „Offizielle Stellen gaben und geben nur wenig Zahlenmaterial bekannt. Bislang wurden die Opferzahlen meist erheblich zu niedrig angesetzt.“
Scharf kritisiert das Magazin auch die Bundesregierung, die als Antwort auf eine Großen Anfrage der Linksfraktion lapidar verkündete, es läge ihr keine Statistik zur Gesamtzahl der seit 2001 von NATO-Truppen verursachten zivilen Opfer in Afghanistan vor. Eine entsprechende Statistik werde nicht geführt.
Schließlich geht es auch auf die Schätzung der direkt durch die Bundeswehr geöteteten afghanischen Zivilisten von Thomas Mickan (IMI) ein.
4 Millionen Musline getötet
Der investigative Journalist Nafeez Ahmed erweitert ausgehend von der IPPNW-Studie das Scope zeitlich und räumlich:
Unworthy victims: Western wars have killed four million Muslims since 1990
In dt. Übersetzung von Einar Schlereth, “Krieg gegen den Terror”:Vier Millionen tote Moslems seit 1990, NEOPresse, 13. Apr. 2015
In einem sehr ausführlichen Artikel geht er das Thema noch allgemeiner an:
Nafeez Ahmed, How the Pentagon is hiding the dead – The secret campaign to undercount the ‘war on terror’ death toll in the Middle East, Central Asia, and Latin America, 21.4.2015