Real War and Fake News: Die Kämpfe um Mossul und Aleppo

1.1 Kriegslügen ‒ die verhängnisvollsten Fake News
Nun steht natürlich außer Frage, dass die „Sozialen Medien“ einen besonders guten Nährboden für „Fake News“ bilden, wo sie sich leicht säen und sehr schnell verbreiten lassen, bei Bedarf durch Computerprogramme, den sog. „Social Bots“ auch automatisiert.
Wenn wir aber in der Geschichte zurückblicken, müssen wir feststellen, dass die Falschmeldungen, die die schlimmsten Schäden anrichteten, aus der Politik und etablierten Medien selbst kamen bzw. von ihnen verbreitet wurden. Ein berühmt-berüchtigtes Beispiel dafür ist die sogenannte „Brutkasten-Lüge“, die von einer Werbeagentur kreierte Story über Babys, die irakische Soldaten 1990 in Kuwait aus Brutkästen gerissen hätten. Sie wurde damals von den meisten Medien weiter verbreitet und auch von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International. Sie trug damals maßgeblich dazu bei, die öffentliche Meinung in den USA zugunsten des ersten US-Krieges gegen den Irak zu drehen. Weitere berühmte Beispiele sind die angeblichen Belege über irakische Massenvernichtungswaffen, die 2003 der damalige Außenminister Colin Powell dem UN-Sicherheitsrat vorlegte, oder die angeblichen Massaker im Kosovo und der „Hufeisenplan“, den Rudolf Scharping der jugoslawischen Regierung angedichtet hatte, um den NATO-Krieg gegen Jugoslawien zu rechtfertigen. Noch gut in Erinnerung sind sicherlich auch die Propagandameldungen über afrikanische Söldner und angeordnete Massenvergewaltigungen in Libyen, mit der Stimmung für den Libyenkrieg gemacht wurde.
Weit häufiger als mit eindeutigen Falschmeldungen, wird jedoch mit sehr einseitigen oder stark übertreibenden Beiträgen versucht, die gewünschte Stimmung für ein politisches Anliegen zu schaffen. Auch wenn es nicht so gewertet wird und auch leicht abzustreiten ist, ist das Weglassen essentieller Teile einer Geschichte, die zum Verständnis und zu ihrer Einordnung nötig sind, letztlich ebenfalls Fake, d.h. eindeutige, klare Desinformation. Im Folgenden wird es daher um alle Formen von Desinformation gehen.
1.2 Aleppo und Mossul: Beispiele für Doppelmoral und Propaganda
Wie stark solche Desinformationen zur Durchsetzung herrschender Politik hierzulande eingesetzt werden, lässt sich sehr gut am Umgang von Politik und Medien mit den Kämpfen um Mossul und Aleppo zeigen. Beide zählen zu den schlimmsten Schlachten in jüngster Zeit. Sie stehen aber nicht nur als drastische Beispiele für die Brutalität der Kriege in Syrien und dem Irak, sondern auch für eine extreme Doppelmoral in ihrer Bewertung und für eine Berichterstattung, die weit mehr an den strategischen Interessen der herrschenden Kreise im eigenen Land, als am tatsächlichen Kriegsgeschehen ausgerichtet sind.
„Die Berichterstattung über den Syrienkrieg wird als eine der schändlichsten Episoden in der Geschichte der US-amerikanischen Presse eingehen“ schrieb der renommierte Journalist und Autor, Stephen Kinzer in der US-Zeitung Boston Globe. Die Reportagen über Aleppo seien die jüngsten Beispiele dafür, so der einstige langjährige Auslandskorrespondent der New York Times.(The media are misleading the public on Syria, Boston Globe, 18.2.2016) Wer Berichte über Mossul und Ost-Aleppo vergleiche, könne sehr viel über die Propaganda lernen, die wir konsumieren, meint auch der erfahrene Nahost-Korrespondent des britischen Independent, Patrick Cockburn. (Patrick Cockburn, Compare the coverage of Mosul and East Aleppo and it tells
you a lot about the propaganda we consume
, Independent, 21.10.2016)
Ein Vergleich der beiden Militäroffensiven zeigt zudem auch große Unterschiede im Vorgehen der syrischen Armee und ihrer Verbündeten und dem der US-geführten Allianz in Syrien und im Irak.
Die Ausgangslage war in den beiden großen Metropolen ähnlich. Sowohl Ost-Aleppo als auch Mossul standen unter Kontrolle radikaler islamistischer Kräfte. Beide wurden von Regierungstruppen mit ausländischer Unterstützung belagert, bombardiert und schließlich gestürmt. Die Darstellung von Politik und Medien hätte jedoch unterschiedlicher kaum sein können.
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