Libyen – mehr mit dem Kopf denken als mit dem Bauch

Schön wäre es gewesen, wenn ihr auf die Straße gegangen wärt, um dagegen zu protestieren, dass Gaddafi seine eigene Bevölkerung bombardiert. Ihr solltet euch schämen und aufhören falsche Behauptungen in die Welt zu setzen. Es ist nicht die NATO, sondern die Weltgemeinschaft, die für das libysche Volk den militärischen Kampf aufnimmt. Wenn Staaten wie Norwegen und Katar sich militärisch an einer Aktion der UN beteiligen, dann solltet ihr vielleicht langsam auch mal aufwachen oder einfach inne halten und nichts sagen.
Mit den besten Grüßen …

Lieber …
man sollte mehr mit dem Kopf denken als mit dem Bauch.
In der Sympathie für junge Leute, die für mehr Freiheit und Demokratie auf die Straße gehen, sind wir uns einig – in Libyen wie anderswo. Nur darum geht es im Moment in Libyen offensichtlich nicht, sondern um eine militärische Intervention in einen Bürgerkrieg auf der Seite bewaffneter Aufständischen.
Auch wenn man über diese Aufständischen wenig weiß, sollte einen doch stutzig machen, wer sie in erster Linie unterstützt: die Freunde Mubaraks und Ben Alis, Sarkozy z.B. sowie die Feudalherren am Golf, die im eigenen Land die Opposition brutal unterdrücken, die in Bahrein einmarschierten um dort die Protestbewegung zu ersticken.
Die Nato-Staaten tolerieren weiterhin das brutale Vorgehen ihrer Verbündeter gegen die gewaltlosen Proteste in den pro-westlichen Dikaturen.
Gestern sind z.B. bei einem Angriff auf Regierungsgegner im Jemen mindestens 30 Menschen getötet worden. (http://www.tagesschau.de/ausland/jemen398.html)
Wieso sollten all diese Kräfte jetzt ausgerechnet in Libyen eine fortschrittliche, demokratische Bewegung unterstützen?
(Deinen Verweis auf das Nato-Land Norwegen, das 2003 mit in den Irak einmarschierte und Katar – laut Verfassung eine absolute Monarchie – kapiere ich nicht.)
Wie kann man die Intervention der Staaten befürworten, die mit einem gewaltigen Nebel an Lügen in den Irak-Krieg zogen und die heute noch Woche für Woche Luftangriffe gegen zivile Ziele in Afghanistan und Pakistan fliegen.
Selbst die Karsai-Regierung beklagte jüngst, dass allein in der Provinz Kunar mehr als 70 Zivilisten bei NATO-Einsätzen getötet wurden.
Gestern tötete die USA über 40 Menschen durch einen Drohnenangriff auf eine Stammesversammlung. (http://www.jungewelt.de/2011/03-19/028.php)
Und diese Staaten sollen nun eine fortschrittliche Änderung in Libyen herbei bomben?
Ist es nicht wahrscheinlicher, dass sie danach streben in Libyen, wie im Irak, Kräften an die Macht zu bringen, die ihren Interessen dienen? Die gerade verhindern, dass der Druck einer zivilen, demokratischen Bewegung das Gaddafi-Regime zu sozialen und politischen Zugeständnissen (zum Nachteil der westlichen Konzerne im Land) zwingt.
Ist es nicht auch wahrscheinlich, dass die USA, Frankreich und GB wie auch die Machthaber der Golfstaaten hoffen, im Zuge eine Ausweitung und Internationalisierung des Krieges in Libyen auch die Demokratiebewegungen von Tunesien und Ägypten bis Bahrein leichter eindämmen zu können.
Die meisten Experten, warnen davor. So z.B. auch der Ex-Botschafter in Tunesien, Heinz-Dieter Winter:

Es ist mehr als zweifelhaft, dass das [die militärische Intervention in Lybien] einer eigenständigen arabischen Demokratieentwicklung dienlich ist. Im Gegenteil: Damit könnten ähnliche Situationen wie in Irak und Afghanistan entstehen. Schon einmal im Jahre 1994 scheiterte eine »humanitäre Intervention« in Somalia. Westliche Militärinterventionen im arabischen Raum haben niemals zu etwas Gutem geführt.

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