Im Auge behalten: Chalabis nützliche Idioten

Bis 2004 war der Vorsitzende des von den USA finanziell gut ausgestatten Irakischen Nationalkongresses INC, Ahmad Chalabi, der absolute Favorit der in der Bush-Administration dominierenden Neocons. Dass gegen Chalabi, der wegen Betruges und Unterschlagung in Jordanien zu 22 Jahren Haft verurteilt wurde, ein gültiger Haftbefehl vorlag kümmerte sie wenig.
Von Chalabi kam ein guter Teil der Informationen mit denen die US-Öffentlichkeit auf den Krieg gegen den Irak eingestimmt, darunter diverse Berichte über angebliche Massenvernichtungswaffen und Verbindungen zu al-Qaeda.
Nach der Invasion gerieten er und seine Milizen schnell in den Ruf in allerlei kriminelle Machenschaften und Morde an ehemaligen Baath-Mitglieder und Amsträger verwickelt zu sein. Als 2004 die alten Banknoten durch neue ersetzt wurden, sollen Chalabi – im Irak der „Ali Baba von Bagdad“ genannt – und sein Verein Banknoten im Wert von 27 Millionen US$ beiseite geschafft haben. (siehe dazu auch Wikipedia, besonders ausführlich ist der englische Beitrag)
Der als George Washington des Irak gefeierte Iraker sollte eigentlich auch der erste irakische Statthalter im Zweistromland werden. Doch im Mai 2004 erhärteten sich die Hinweise, dass Chalabi für den Iran arbeitet und dem iranischen Geheimdienst sensible Informationen aus dem Pentagon zugespielt hat. Vor allem aber wurde klar, dass er die US-Dienste wiederum seit Jahren im Auftrag des Irans Falschinformationen zugespielt hatte.
Einige US-Experten sind seither sogar überzeugt, dass er die USA im Auftrag des Irans in diesen unheiligen Krieg geführt hat. (s. z.B. Aran Roston, „The Man Who Pushed America to War – The Extraordinary Life, Adventures, and Obsessions of Ahmad Chalabi“, Nation Books 2008)
Belangt wurde Chalabi dafür nicht, vermutlich weil er im Gegenzug wichtige Informationen anzubieten hatte. Stattdessen erhielt er diverse Posten in den irakischen Regierungen, u.a. zeitweilig sogar den lukrativsten – den des Ölministers. Bis heute blieb er Chef des infamen, von Paul Bremer eingesetzten De-Baathifizierungskomitees.
Zu denen, die ihn als einen „ihrer treuesten Freunde“ bezeichneten und ihm z.T. auch nach 2004 noch die Stange hielten, gehören u.a. Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz, die Senatoren Joe Lieberman und John McCain, Richard Perle, John Bolton, Ex-CIA Direktor James Woolsey, Ex-Botschafter Peter W. Galbraith, Douglas Feith, Scooter Libby, Elliott Abrams, Bill Kristol, Charles Krauthammer, Michael Ledeen, Michael Rubin, Max Boot, Fred Kagan, Reuel Marc Gerecht und Jeane Kirkpatrick.
Jim Lobe rät allen daran zu denken, wenn sie einen dieser „Experten“ demnächst wieder im Fernsehen oder ihn Zeitungen vor dem Iran warnen, „crippling sanctions“ oder gar militärische Angriffe auf iranische Nuklearanlagen fordern.

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