Stimmungsmache für Krieg im Jemen


Stimmungsmache für den neuesten Krieg

Haben sich im „Kalten Krieg“ die „Kremologen“ in freier Assoziation aus allen möglichen Indizien etwas über die sowjetische Führung zusammengereimt, so sind heute im sogenannten „Krieg gegen den Terror“ die „al-Qaedaologen“ am Zug. Al-Qaeda ist zwar mehr Ideologie als eine internationale Organisation, und als solche allenfalls ein loses Netzwerk, dennoch gibt es „Experten“ und Journalisten die Strukturen und Kommandohierarchien beschreiben können, als hätten sie von Bin Laden das Organigramm bekommen. So weiß offenbar auch Ihr Autor, Herr Spang, genau, wie groß der Al-Qaeda-Ableger im Jemen ist, und wie seine Anführer heißen.
Wie leicht zu erkennen ist, stützen sich alle nur auf Informationen westlicher Geheimdienste und diverser geheimdienstnaher Institute, die sich aus den unzähligen Internetseiten islamischer Gruppierungen, die raussuchen, die zu ihrem Feindbild passen, ohne dass man deren tatsächliche Relevanz einschätzen kann. Evident ist dabei nur, dass sie auf treffliche Weise die neue Kriegsfront der USA im Jemen rechtfertigen und nebenbei auch noch Guantanamo.
Ohne kritische Distanz – oder wie im Artikel von Herrn Spang, ohne die zweifelhaften Quellen zu nennen – wird veröffentlicht, was die selben Dienste von sich geben, die beispielsweise vor 2003 so „zuverlässig“ über die „Massenvernichtungswaffen des Iraks“ berichteten und die vor Terroranschlägen ahnungslos sind, aber hinterher sofort die Täter und ihre Organisationen bis ins Detail nennen können.
Auch Ihr Bericht über den Luftangriff bei Shabwa gibt die Begründung für einen mörderischen Angriff auf Personen mit einer Bestimmtheit wieder, als wäre deren Funktion in einem Gerichtsverfahren zweifelsfrei erwiesen worden.
Sicher ist jedoch nur eines: bei all diesen Luftangriffen, wie dem bei Shabwa, handelt es sich um extralegale Tötungen, also Lynchmorde. Es sind Massaker, bei denen meist noch zahlreiche Unbeteiligte niedergemetzelt werden. Auch die meisten, der von Ihnen jetzt gemeldeten „bis zu 60 getöteten Terroristen“ werden wieder Frauen und Kinder gewesen sein. Während uns in den hiesigen Medien diese Bomben als legitime Akte im Antiterrorkrieg präsentiert werden, zeigen die Medien der islamischen Welt diese Opfer. Verständlicher Weise wachsen dort Wut und Empörung und die Wahrscheinlichkeit, dass diese sich auch ab und zu gewaltsam entlädt.
Und sollte es im Jemen tatsächlich Gruppen geben, die Terroraktionen im Westen planen, so liegen die USA und ihrer Verbündeten mit der Zahl von Terroranschlägen und –opfer auch diesen gegenüber schon weit in Führung.
Mit freundlichen Grüßen,
Joachim Guilliard,
Heidelberg, 29.12.2009

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