Das einst vorbildliche Gesundheitssystem Iraks immer noch am Boden

Die gewaltigen Mängel „kosten Menschenleben jeden Tag“, so ein junger Arzt im Bagdader Lehrkrankenhaus. Niemand führt Statistik darüber, wieviele Menschenleben hätten gerettet werden können, aber allen Beteiligten ist klar, dass die Zahl enorm ist.
(Iraq’s once-envied health care system lost to war, corruption, McClatchy Newspapers, 18.4.2009)
Corinne Reilly setzt immer wieder Kontrapunkte zur üblichen Berichterstattung, indem sie über einzelne Aspekte der tatsächlichen Situation im Irak berichtet, so z.B. in ihrem Artikel über die mangelhafte bzw. fehlende Versorgung der Hälfte aller irakischen Haushalte mit sauberem Trinkwasser und den sich daraus ergebenden endemischen Krankheiten, wie Cholera und Typhus.
Verantwortlich für die Miseren werden allerdings meist nur irakische Stellen gemacht. Wenn sie z.B.. erwähnt, dass fast die Hälfte der Hospitäler dringend saniert werden müßte, vergißt Reilly, dass genau dafür US-Konzerne mehrere hundert Millionen Dollar kassiert haben — leider ohne größere sichtbare Resultate.
So bekam Parsons Corporation 2004 einen Auftrag in Höhe von 243 Million Dollar zugeschanzt, um 150 Kliniken und Gesundheitsstationen zu bauen. Nach zwei Jahren waren, wie die NYT 2006 berichtete, gerade mal 20 Kliniken fertig, das Budget war aber nahezu aufgebraucht.
Bechtel sollte für 50 Millionen Dollar die Kinderklinik von Basra instandsetzen, Termin Dez. 2005. Eine Überprüfung im Juli 2006 ergab, dass die Arbeiten längst nicht fertig waren, die Kosten sich jedoch mehr als verdreifacht hatten. (NGO-Report „War and Occupation in Iraq„, Global Policy Forum, Juni 2007 u. Antonia Juhasz, Bechtel Takes a Hit for War Profiteering, AlterNet. 4.8.2006)
Das einzige was Baghdad’s Medical City, die größte Klinik Iraks, bis dahin erhalten hatte war ein neuer Anstrich. (Michael Schwartz, How the Bush Administration Deconstructed Iraq, Tom Dispatch, 18.5.2006)
Der belgische Arzt Bert De Belder führt den Zusammenbruch des Gesundheitssystem noch aus weiteren Gründen auf Krieg und Besatzung zurück und erklärt ihn zum Kriegsverbrechen (Pity the sick of Iraq, Al-Ahram Weekly, 5.4.2007

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